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Alpine A110 Premiére Edition: Ein wenig Arbeit vor dem Vergnügen

Sie wollen automobile Nostalgie in der neuen Alpine genießen? Beginnen Sie davor rechtzeitig mit Gymnastik.

Es war nur ein kleiner Ausflug nach Linz geplant. Mit dem Herrn Rat, einem alten Jugendfreund, mit dem sich früher so gut Fußball spielen ließ und mit dem ich jetzt noch so gut darüber diskutieren kann. "Klar hole ich dich ab", sagte ich zu ihm. Wenig später fuhr ich vor, in der blitzblauen Alpine, Baujahr 2018, unverwechselbar ähnlich der Ahnin aus den Roaring Sixties, nicht nur wegen der Farbe.
Der Herr Rat ist in dem Alter, in dem das Leben erst beginnt. Eigentlich ist er schon länger in der Phase, in der man vor lauter Golf- und Tennisterminen kaum mehr für etwas anderes Zeit findet. Da er auch Skitouren oft bewältigt, ist Herr Rat gut in Form.

Bis er die Alpine sah: "Da soll ich reinkommen?", war die entsetzte Frage des 1,92-Meter-Mannes. "Locker sein, dehnen, dann einsteigen", entgegnete ich cool, und ich gestand ihm nicht, wie Frau K. mein selbiges Ein- und Aussteigen zu kommentieren pflegt ("wenn du dich sehen könntest ..."). Nun ja, Herr Rat schaffte es in die und später aus der Flunder, wie auch ich. Das Fazit: Einmal drinnen, beginnt der Fahrspaß. Oder: Kein Vergnügen ohne Arbeit vorher.
Damit können wir uns auf wesentliche Dinge konzentrieren, denn Sie erwarten ja einen Fahr- und keinen Einsteigbericht. Wir probierten eines der 1955 Stück der Première Edition (1955, weil das das Gründungsjahr der Alpine in Dieppe war), die fünf Tage nach Verkaufsstart auch ausverkauft war. Mittlerweile gibt es Nachschub für potenzielle weitere Kunden in Form der Versionen Pure und Légende (Sie brauchen dafür nur eine App und 2000 Euro Anzahlung). Die Reine bietet mehr Agilität und weniger Gewicht, die Legende ist für Komfortbewusste.
In unserer Premierenausgabe überzeugte fast alles, was man sich von einem kleinen Sportler erwartet: Trotz Hinterradantriebs eine perfekte Traktion, glänzendes Handling, direkter Kontakt zur Fahrbahn. 252 PS werden über ein Siebengang-DSG flott gemacht (Achtung, es fehlt die "P"-Stellung nur insofern, als das "N" mitübernimmt). Die Überraschung: Bei geziemender Fahrweise verbrauchte die Alpine nur sieben Liter im Testschnitt, Leichtgewicht (1100 Kilo) sei Dank. Wer es rasanter will, kann den Sportknopf drücken, da geht die Post noch mehr ab. Die Kippschalter vermitteln Nostalgie, außer Tempomat gibt es keine Assistenten, die Arbeit abnehmen könnten. Der einzige echte Nachteil: Keine Rückfahrkamera, und die hätten wir ob der dürftigen Aussicht wirklich gern genützt.
Für das kleine Wochenendgepäck gibt es vorn und hinten ein Laderäumchen. Ablagen innen fehlen, die Papiere versteckt man hinter dem Fahrersitz, aber mittig kann man das Handy in eine Hülle stecken. Modern ist noch das digitale Cockpit, der flexible Tempoanzeiger warnt in Rot.
Aber Sie werden wenig Rot sehen mit der Alpine, viel eher Blau.

Im Test: Alpine A110 Premiere Edition

Motor/Fahrwerk: Vierzylinder-Turbobenziner, 1798 cc, 185 kW/252 PS bei 6000 U/min,

320 Nm bei 2000-5000 U/min. Siebengang-DSG, Heckantrieb.
Maße/Gewichte: L/B/H 4180/1980/1252 mm, Radstand 2420 mm, Laderaum 96 (vorn)/100 l (hinten), 1103 kg, zul. 1365 kg. Tank: 45 l.
Fahren/Verbrauch: Spitze 250 km/h (abgeregelt), Beschleunigung auf 100 km/h 4,5 Sek.,Verbrauch 8,2/5,0/6,1 l/100 km (138 g CO2, Euro 6b), im Test 7,0 l.
Preis: 62.600 Euro.

Aufgerufen am 19.06.2019 um 12:47 auf https://motor.sn.at/autotest/alpine-a110-premiere-edition-ein-wenig-arbeit-vor-dem-vergnuegen-63728413

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