Autotest

Ampler Axel ist ein E-Bike, das keiner erkennt

Mit dem Modell Axel lässt Ampler Bikes die Grenzen zwischen Fahrrad und Pedelec verschwimmen. Das minimalistische E-Bike aus Estland zielt auf stilbewusste Pendler im Stadtverkehr.

Als der Gründer von Ampler Bikes, Ardo Kaurit, vor einigen Jahren eine große Fahrradmesse in Deutschland besuchte, traute er seinen Augen nicht: Die dort ausgestellten E-Bikes waren dem findigen Unternehmer aus Estland allesamt viel zu schwer, zu hässlich und vor allem unfassbar schlecht zu fahren. Also gründete Kaurit gemeinsam mit zwei Kollegen die Marke Ampler (zu Deutsch: Verstärker) und nennt die seither entstandenen Produkte allesamt beim Vornamen. Auf Curt, den wir bereits vor zwei Jahren fahren durften, folgten in dieser Saison die beiden Neuvorstellungen Juna und Axel.

Technisch sind Juna und Axel praktisch ident, unterscheiden sich jedoch in Form und Größe des Rahmens. Das von uns getestete Modell Axel ist als klassisches Herrenrad designt, während Juna vorrangig für Pendlerinnen konzipiert wurde.

Ampler Axel: Bequemer Rahmen in Large mit harten Sitz

Der Rahmen von Axel in Größe L soll laut Hersteller bis zu einer Körpergröße von zwei Metern ausreichend Komfort bieten. Das stimmt weitestgehend auch. Obwohl Axel das bisher puristischste Modell der Radmanufaktur vom Baltikum ist, fährt es sich überraschend bequem. Die Rahmengeometrie lässt auch groß gewachsene Radler nicht wie Münchhausen auf der Kanonenkugel wirken. Einziger Nachteil ist der doch recht harte Sitz. Mangels Federung lernt man schnell, Kanaldeckel oder Gehsteigkanten zu umfahren oder im Zweifel aus dem Sattel aufzustehen. Sonst tut es weh.

Axels größte Stärke ist ohne Zweifel die simple Handhabung

Einschalten, aufsitzen, losfahren - mehr ist nicht zu beachten. Dazu passt das wunderbar aufgeräumte Design: Sämtliche Kabel und Leitungen wurden innen verlegt, das schmale Rücklicht wurde sogar in den hinteren Kotflügel eingelassen. Überhaupt wirkt das Pedelec extrem hochwertig, obwohl es mit rund 16 Kilo vergleichsweise leicht ist.

Neu bei den diesjährigen Ampler-Modellen ist das kleine, in den Rahmen eingelassene Display. Während man Infos zu Fahrmodi oder dem Akkuladestand früher ausschließlich über die dazugehörige Smartphone-App herausfinden konnte, funktioniert Axel im Zweifel auch ohne gefährliches Herumtippen auf dem Handy. Der fugenlos verbaute, kleine Bildschirm ist selbst bei hellem Tageslicht problemlos ablesbar. Die wichtigsten Einstellungen wie das Ein- und Ausschalten oder die Wahl der Unterstützungsmodi erfolgen über einen Knopf an der Unterseite des Rahmens, der auch während der Fahrt gut erreichbar ist. Stichwort App: Neben einer Navifunktion und ausführlichen Fahrstatistiken bietet die neu entwickelte Ampler-App auch die Möglichkeit, das Fahrrad im Fall eines Diebstahls zu tracken. Leider funktionierte die App über weite Strecken des Tests überhaupt nicht. Erst ein App-Update, das zufällig vom App-Store vorgeschlagen wurde, löste das Problem. Nach dem anschließenden Software-Reboot funktionierte alles tadellos.

Der Elektroantrieb des Ampler ist das Highlight

Das Highlight des neuesten Ampler-Bikes ist aber der Elektroantrieb. Die zwei Unterstützungsmodi sind perfekt auf das gemütliche Fahren in der Stadt abgestimmt. Bei Stufe eins stellt der Hinterradnaben-Motor maximal 70 Prozent seiner Leistung zur Verfügung, bei Stufe zwei schieben die vollen 250 Watt bzw. 45 Newtonmeter an. Nach dem ersten Tritt in die Pedale dauert es eine kleine Gedenksekunde, bis der Drehmomentsensor den Impuls empfängt. Das ist bei Hinterradnaben-Motoren üblich. Die hydraulischen Scheibenbremsen sind perfekt dimensioniert und bringen das Bike bei Bedarf problemlos zum Stehen.

IM TEST



Ampler Axel
Pedelec mit Alu-Rahmen, Heck-Nabenmotor mit 250 Watt Nennleistung, 45 Nm Drehmoment, integrierter 48-Volt-Akku, 336 Wh Leistung, Singlespeed-Riemenantrieb, hydraulische Scheibenbremsen. Unterstütztes Tempo 25 km/h, Gewicht 16,3 kg, zwei Unterstützungsmodi, Reichweite 50 bis 100 km, 3A Li-Ion-Ladegerät, Ladezeit 2,5 Stunden, Preis ab 2790 Euro.

Was gefällt:
Die Reduktion auf das Wesentliche, das Design und die hohe Verarbeitungsqualität.

Was weniger gefällt:
Die anfangs fehlerhafte App und der extrem harte Sattel.

Was überrascht:
Dass Axel tatsächlich von niemandem auf den ersten Blick als Pedelec erkannt wurde.

Perfekt für:
Alltagspendler, die gern unverschwitzt ins Büro fahren wollen und dafür ein reduziertes, agiles und unverwechselbares E-Bike suchen, das man noch dazu bezahlen kann.

Aufgerufen am 04.12.2022 um 03:22 auf https://motor.sn.at/autotest/ampler-axel-ist-ein-e-bike-das-keiner-erkennt-128822329

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