Autotest

Cupra Born 77/82 e-Boost ist eine spanische Offenbarung

Der stärkste Cupra Born mit dem größten Akku im Test. Der vollelektrische Kompakt-Spanier ist aktuell das vielleicht beste E-Auto aus dem VW-Konzern.

Äußerst sportlich, aber kein Leichtgewicht: der Cupra Born mit 77-kWh-Akku. SN/mrazek
Äußerst sportlich, aber kein Leichtgewicht: der Cupra Born mit 77-kWh-Akku.

Zwischen dem Ende des 14-tägigen SN-Praxistests mit dem Cupra Born und dem Erscheinen dieses Artikels liegen nur ein paar Wochen. Dennoch hat sich in der Zwischenzeit etwas geändert. Konkret ließ der neue VW-Markenchef Thomas Schäfer auf seinem LinkedIn-Profil kürzlich eine echte Bombe platzen, indem er das baldige Ende der Touchelemente auf den Lenkrädern der Konzernmodelle in Aussicht stellte. Warum diese - grundsätzlich sehr zu begrüßende - Nachricht Auswirkungen auf diesen Fahrbericht hat? Nun, bekanntlich ist der Cupra Born ja ein äußerst gut gelungener Klon des VW ID.3. Was heißt, dass Änderungen bei Modellen aus Wolfsburg über kurz oder lang auch bei der spanischen Tochter ankommen werden. Und damit besteht die Aussicht, dass eines der wenigen Details, die es am aktuellen Cupra Born zu bekritteln gibt, bald der Vergangenheit angehört.

Aber zurück zum Anfang: Der Zufall wollte es so, dass der Born erst ein Jahr nach seiner Vorstellung den Weg in den SN-Fuhrpark fand. Der Vorteil: Wir kamen in den Genuss des neuen Topmodells mit großem 82-kWh-Akku und 231 PS, das erst in diesem Sommer nachgereicht worden war. Der größte Mehrwert der mindestens 47.670 Euro teuren Variante mit größtmöglichem Akku und stärkerem E-Motor ist zweifellos die Reichweite: Die beträgt laut Werksangabe nun annähernd 500 Kilometer. Wer den kompakten Spanier hauptsächlich in der Stadt fährt, kann dem Hersteller zufolge sogar mit über 550 Kilometern pro Akkuladung rechnen. Damit ist der Born nach dem vergleichsweise doch viel größeren Škoda Enyaq das Konzernfahrzeug mit der größten Reichweite. Kein Wunder also, dass sich laut Hersteller mehr als die Hälfte aller Born-Käufer für den Dauerläufer entscheidet. Ein weiterer Grund sind natürlich die 231 PS, die im VW-Pendant ID.3 nicht angeboten werden. Diese katapultieren den Born auf Wunsch in gerade einmal sieben Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Ob sich die 3000 Euro Aufpreis im Vergleich zur Variante mit kleinerem Akku lohnen, muss jeder für sich entscheiden. Fakt ist, dass das Mehrgewicht des größeren Akkus durchaus spürbar ist. Ganz generell erkauft sich der Cupra seine Sportlichkeit mit nicht unerheblichem Zusatzgewicht. Wählt man beispielsweise das optionale Performance-Paket mit den großen 20-Zöllern und den feinen Adaptivdämpfern, so wird der dann 2021 Kilogramm schwere Spanier zum reinen Viersitzer - und zwar aus Gewichtsgründen.

Diese Leistungs-Gewichts-Spirale ändert allerdings nichts daran, dass der Cupra Born unterm Strich der etwas bessere Kompakt-Elektro-Sportler als der ID.3 ist. Das liegt einerseits am spürbar dynamischeren Fahrgefühl, andererseits an der Verarbeitungsqualität im Innenraum. Speziell in der letzten Kategorie lässt der Cupra seinen Wolfsburger Verwandten deutlich hinter sich. Alles in allem vermittelt der Spanier einen sportlicheren Eindruck, was vor allem an der hervorragenden Sitzposition und dem gelungenen Cockpit-Layout liegt. Wem der gut nutzbare Kofferraum mit bis zu 1267 Litern Volumen ausreicht, braucht eigentlich nicht mehr E-Auto. Spannend bleibt jedoch, wie VW beim anstehenden ID.3-Update nachzieht.

IM TEST



Cupra Born 77/82 e-Boost

Viersitziger Elektro-Kompakter mit 170 kW/231 PS, Heckantrieb mit fixer Übersetzung. Akku 77 kWh (netto), WLTP-Normverbrauch komb. 15,7 kWh, im Test 18,9 kWh. Laden: bei 11 kW 7:30 bis 100%, bei 135 kW Gleichstrom 36 Min. (bis 80%). Preis: 47.690 Euro, Testfahrzeug: 56.780 Euro.

Was gefällt:
Die Mischung macht's: top Fahrgefühl, praxistaugliche Reichweite, dazu Hinschau-Optik.

Was weniger gefällt:
Die Topversion ist wegen des Mehrgewichts nicht zwangsläufig dynamischer.

Was überrascht:
Dass man dem ID.3-Klon bei VW in Sachen Qualität und Verarbeitung den Vortritt lässt.

Perfekt für:
Alle, die einen kompakten und voll alltagstauglichen Stromer wollen, aber keinen ID.3.

Aufgerufen am 04.12.2022 um 04:42 auf https://motor.sn.at/autotest/cupra-born-77-82-e-boost-ist-eine-spanische-offenbarung-130125583

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