Autotest

Erste Ausfahrt mit dem VW ID. Buzz

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum langersehnten Elektro-Bulli.

Das Warten hat endlich ein Ende. Tatsächlich ist eine gefühlte Ewigkeit vergangen, seit die Studie des vollelektrischen Bullis 2017 erstmals präsentiert wurde. Dass dies im Rahmen der Detroit Auto Show passiert, sagt fast mehr über die Transformation der Automobilbranche aus, als die fünf Jahre, die seither vergangen sind. Spätestens seit der Neuerfindung als Mobilitäts- und E-Bike-Messe der ehemals wichtigsten Automesse IAA vergangenen Herbst in München ist klar: Die Epoche der glanzvollen Autoshows ist zumindest vorerst vorbei. Nach der Online-Weltpremiere in Hamburg im Frühjahr und dem ersten Hands-on im Frühsommer in der Moon-City Wien waren nun also die ersten Kilometer im wohl wichtigsten Volkswagen-Modell des Jahrzehnts möglich. Die perfekte Gelegenheit, die brennendsten Fragen zum neuen Elektro-Bus von VW zu beantworten.

Wie fährt sich der ID. Buzz?

Ziemlich entspannt und souverän. Mehr noch als andere Elektro-Modelle lädt der ID. Buzz dazu ein, zu gleiten anstatt zu hetzen. Die einzige zum Marktstart verfügbare Motorisierung mit einer Leistung von 150 Kilowatt bzw. 204 PS und Heckantrieb passt gut zum Charakter eines Familien-Alleskönners. Obwohl die 310 Newtonmeter Drehmoment von Fleck weg zur Verfügung stehen, hält die Hinterachse stets brav die Spur. Neben der Elektronik sorgt auch das nicht zu unterschätzende Gewicht von knapp 2,5 Tonnen dafür, dass die Hinterräder immer genug Traktion haben. Der extrem niedrige und zentrale Schwerpunkt (aufgrund der Akkus im Fahrzeugboden) sowie der vergleichsweise lange Radstand machen den ID. Buzz zu einem komfortablen Reiseauto. Im Stadtverkehr gefällt vor allem der extrem geringe Wendekreis von nur 11,1 Metern. Damit fühlt sich das ausgewachsene Nutzfahrzeug in engen Innenstädten fast so handlich an wie ein Kleinwagen. Angenehm unkompliziert gestaltet ist die Rekuperation: Mit einem Handgriff kann man zwischen den Modi D (geringe Bremsleistung) sowie B (starke Bremsleistung) wechseln. Beide Fahrstufen wirken gut abgestimmt. In der Stadt hilft der Modus B beim vorausschauenden, aber vor allem effizienten Fahren. Dank des elektronischen Bremskraftverstärkers liegt die Rekuperationsleistung bei stattlichen 100 kW. Beinahe-Vollbremsungen, wie man sie vom One-Pedal-Betrieb anderer Hersteller kennt, bleibt dennoch aus.


Bietet der Elektro-Bulli genauso viel Platz wie ein herkömmlicher T6.1?

Wenngleich der ID. Buzz im echten Leben deutlich größer (und vor allem höher) wirkt als auf den Fotos, ist er spürbar kompakter als seine konventionell angetriebenen Brüder. Vor allem bei der Länge (4,712 mm) fehlt ihm einige Zentimeter auf den T6.1 mit (4,910 mm) und den aktuellen T7 (4,973 mm) - jeweils mit kurzem Radstand. Dieser Unterschied macht sich hauptsächlich bei der verfügbaren Laderaum-Länge bemerkbar: Während der T6.1 Meter vom Fahrersitz bis zur Heckklappe 2,53 Meter misst, sind es beim ID.Buzz 20 Zentimeter weniger. Auf den nutzbaren Stauraum wirkt sich das allerdings nur minimal aus. Ist der Buzz mit fünf Personen vollbesetzt, so bleiben 1.121 Liter Kofferraum übrig. Klappt man die Lehnen der zweiten Sitzreihe um, so stehen bis zu 2.205 Liter zur Verfügung. Praktisch: Die Dreier-Sitzbank kann nicht nur im Verhältnis 60 zu 40 umgeklappt und um 15 Zentimeter in der Länge verschoben werden. Im direkten Größenvergleich kann der ID. Buzz also nicht ganz mit seinen etablierten Brüdern T6.1 und T7 mithalten. Wer mehr Platz braucht, muss zumindest bis 2023 warten. Dann kommt die Varianten mit längerem Radstand. Wie die Armlehnen-Aussparungen im Kofferraum verraten, wird in Zukunft auch die kurze Version mit einer dritten Sitzreihe verfügbar sein.

Hat der ID. Buzz das Potenzial zum echten Reisefahrzeug?

Kommt darauf an. Die von VW angegebene Reichweite von maximal 420 Kilometern laut WLTP ist beachtlich für so ein großes und vielseitiges E-Auto. Andererseits können Fahrer von Diesel-Bussen mit Reichweiten jenseits der 1000 Kilometer darüber nur müde lächeln. Um den Verbrauch trotz des erstaunlich geringen Luftwiderstands von 0,285 im erträglichen Rahmen zu halten, hat VW den Topspeed des ID. Buzz auf 145 km/h limitiert. Das mag jene schockieren, die es gewohnt sind, auf deutschen Autobahnen auf schnellstem Weg in den Urlaub zu rasen. Im Test haben sich zur eigenen Überraschung 110 km/h als optimales Reisetempo herausgestellt, auf das man sich fast von alleine einpendelt.
Für den ID. Buzz spricht, dass er mit einer Ladeleistung von 170 kW und serienmäßiger Plug & Charge-Funktion aktuell die Spitze aller E-Modelle aus dem Volkswagen-Konzern darstellt. An Schnellladesäulen ist sein 77-kWh-Akku damit im besten Fall ohne lästige Ladekarte nach 30 Minuten von fünf auf 80 Prozent aufgeladen. Wem das nicht reicht, kann auf die von VW in Aussicht gestellt Variante mit größerem Akku warten (Gerüchte handeln von einer Kapazität knapp unter 100 kW und einer Reichweite deutlich über 500 Kilometer).

Ist die Cargo-Version eine echte Alternative für gewerbliche Kunden?

Geht es nach VW, lautet die Antwort eindeutig ja. Auch in Österreich rechnet der Importeur von Beginn an mit einer Aufteilung von 50 zu 50 zwischen der Pkw-Variante Pro und dem gewerblich positionierten Cargo. Objektiv betrachtet hat der Cargo sogar die bessere Ausgangsposition. Einerseits entfällt bislang der Löwenanteil aller Elektro-Zulassungen ohnehin auf gewerbliche Kunden. Dazu kommt die Tatsache, dass die doch limitierte Reichweite des ID. Buzz im Alltagseinsatz eines Handwerkers oder Lieferanten zumindest psychologisch weniger einschränkt als bei der mehrstündigen Fahrt in den Urlaub. Mit einem Einstiegspreis von vermutlich knapp unter 50.000 Euro netto ist der Cargo zudem für gewisse Zielgruppen, die viel Wert auf die Außendarstellung und das richtige Image legen, preislich durchaus verträglich. Beim Nutzwert sind kaum Abstriche nötig: Mit zwei serienmäßigen Schiebetüren, wahlweise Heckklappe oder Heckflügeltüren und bis zu 3.900 Litern Kapazität bietet der Cargo genug Platz für zwei Europaletten. Lediglich die maximale Zuladung ist mit 550 Kilogramm etwas knapp bemessen.

Was kostet der ID. Buzz - und wann kann man ihn endlich fahren?

Der Vorverkauf für beide Versionen startet diese Woche. Wer heute bestellt, muss allerdings geduldig sein. Die ersten Fahrzeuge werden zwar noch diesen Herbst ausgeliefert, angesichts des enormen Andrangs und der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Situation ist mit Lieferfristen von bis zu zwei Jahren und länger zu rechnen. Die Preise für den ID. Buzz Pro starten voraussichtlich bei rund 56.000 Euro netto (67.000 Euro brutto), die des Cargo bei ca. 47.000 Euro.

Ist auch eine Camping-Version geplant?

Ob VW vom ID. Buzz auch einen California plant, ist vermutlich das am schlechtesten bewahrte Geheimnis des gesamten Konzerns. Stand heute ist fix, dass es irgendwann einen elektrischen California geben wird. Mit seiner Vorstellung aber ist allerdings frühestens im Jahr 2025 zu rechnen.

Aufgerufen am 02.10.2022 um 12:23 auf https://motor.sn.at/autotest/erste-ausfahrt-mit-dem-vw-id-buzz-126755857

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