Autotest

Gleiten statt hetzen mit dem Lexus ES

Der Lexus ES ist der japanische Gegenentwurf zur deutschen Business Class. Die Fünf-Meter-Limousine gefällt mit eigenwilligem Design und effizienter Technik.

Der Charakterkopf in der Business Class: der Lexus ES 300h.mrazek SN/mrazek
Der Charakterkopf in der Business Class: der Lexus ES 300h.mrazek

Der Lexus ES gehört ohne Zweifel zu jenen Fahrzeugen, die man nicht alle Tage sieht. Diese Art Exoten-Bonus gilt vorrangig für das Außendesign. Vor allem der ausladende "Diabolo"-Kühlergrill ist für europäische Verhältnisse mehr als ungewöhnlich. Dazu kommen verhältnismäßig viel Chrom sowie die ein- oder andere LED-Leiste - schüchtern sollte man hinter dem Steuer des Lexus ES nicht sein, denn es kann schon vorkommen, dass an der Ampel die Seitenscheibe heruntergelassen wird und man spontan zur japanischen Mittelklasse-Limousine befragt wird.

Auf den ersten Blick wirkt der Lexus nicht gerade altbacken, seine Ausrichtung auf den US-amerikanischen Markt sieht man ihm aber ohne Zweifel an. Darin liegt aber durchaus eine der Stärken des großen Lexus. Denn wer sich außerhalb der üblichen Business Class aus Deutschland umsieht, sucht bekanntlich vor allen Dingen nach einem Hauch Individualismus. Der ist beim ES definitiv im Preis inbegriffen. Das gilt umso mehr für den Innenraum. Sobald man sich an das im Detail etwas ungewohnte Layout des Cockpits und der Mittelkonsole gewöhnt hat, fühlt man sich im ES pudelwohl. Zugegeben, die Materialauswahl mag hier und da nicht ganz so hochwertig erscheinen wie bei Mercedes, Audi & Co. Unterm Strich ist der Lexus aber keineswegs billiger, sondern schlicht anders als die Konkurrenz.

Das gilt vor allem auch für das Bedienkonzept. Die vielen Knöpfe und Schalter mögen altmodisch wirken, sind bei genauerer Betrachtung allerdings äußerst clever positioniert und in ihrer Funktion durchdacht. Während die Kopffreiheit einen Hauch geringer ist als bei europäischen Limousinen, punktet der Lexus mit jeder Menge Beinfreiheit. Unverständlich ist die Tatsache, dass sich die hinteren Sitze nicht umklappen lassen. Es bleibt demnach bei 454 Litern Kofferraumvolumen. Wer mehr braucht oder häufig sperrige Gegenstände transportiert, ist beim ES an der falschen Adresse.

Das Sahnestückchen des großen Lexus ist aber ohne Zweifel der Antrieb. Hier wird der 2,5 Liter große Benziner von einem ausgesprochen leichten Elektromotor unterstützt. Die dabei entstehende Systemleistung wird von einem E-CVT-Getriebe an die vordere Achse übertragen. Man muss dabei kein ausgesprochener Fan der Toyota-typischen CVT-Technologie sein, um vor diesem intelligenten Vollhybrid-Antrieb den Hut zu ziehen. Im 14-tägigen Test kamen wir auf echte 5,7 Liter Verbrauch. Angesichts der schieren Größe und der mehr als ausreichenden Fahrleistungen eine echte Ansage. Zugegeben: Ein auftrainierter Leistungssportler wird aus dem Lexus keiner mehr, aber wer ist heutzutage noch daran interessiert, sein Fahrzeug zwischen zwei Geschäftsterminen ans fahrerische Limit zu prügeln?

Vor allem auf der Langstrecke spielt der Vollhybrid-Antrieb seine Vorteile gegenüber der Phalanx an Plug-in-Hybriden aus: Anstatt sich mit leerem Akku und zu kleinem Tank über die Autobahn zu plagen, reichen der vergleichsweise winzige Akku und der kompakte E-Motor aus, um den von vornherein sparsam abgestimmten Benziner nach Kräften zu unterstützen. Wer nicht ständig laden möchte oder kann, wird im Lexus ES glücklich werden.

IM TEST




Lexus ES 300h Business
Fünfsitzige Mittelklasse-Limousine, Vollhybrid-Antrieb, 4-Zylinder-Benziner mit 131 kW/178 PS, permanenterregter Synchronmotor mit 88 kW/120 PS, Systemleistung 160 kW/218 PS. Akku 1,6 kWh (brutto), E-CVT-Getriebe, Frontantrieb. Gewicht 2.150 kg, Kofferraum 454 l, Verbrauch lt. WLTP 5,5 l, im Test 5,7 l, Preis: ab 59.000 Euro, Testfahrzeug 53.900 Euro.

Was gefällt:
Der hocheffiziente Vollhybrid-Antrieb, abseits von Ladeorgien und Diesel-Anachronismus.

Was weniger gefällt:
Die teils eigenwilligen Bedienelemente. Wobei: ein Hoch auf die klassischen Tasten.

Was überrascht:
Wie gut das eigentlich ungeliebte CVT-Getriebe zum Vollhybrid-Antrieb passt.

Perfekt für:
Alle, die eine Premium-Limousine, aber keinen Audi, BMW oder Mercedes möchten.

Aufgerufen am 09.02.2023 um 09:23 auf https://motor.sn.at/autotest/gleiten-statt-hetzen-mit-dem-lexus-es-132484642

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