Autotest

Honda lässt's noch einmal nageln

Echt jetzt? Ein neuer Diesel? Entgegen dem Trend setzen die Japaner auch auf einen Selbstzünder im Civic. Ein Wagnis.

Frisch gewaschen steht er da, der Honda Civic, mitten in Rom. Hier präsentierte der japanische Autohersteller dieser Tage die neueste Version seines Erfolgsmodells. Seit 1972 hat Honda immerhin schon fast 19 Millionen Civic-Exemplare angefertigt.

Und dann: Ein Knopfdruck und schon ist es da - ein leicht kehliges Grollen, und wer genauer hinhört, wird feststellen, dass es trotz erstaunlicher Dämmung dieses typische Nageln doch noch gibt.

"1,6 i-DTEC Vierzylinder Diesel" lautet die Bezeichnung für das Aggregat, und das wirft eine unvermeidliche Frage auf: Warum Diesel ausgerechnet in Zeiten heftigster Abgasdebatten?

Honda selbst stellt den rückläufigen Trend bei Diesel gar nicht in Abrede: In drei Jahren sei nur mehr jeder dritte Pkw-Neuwagen ein Selbstzünder. Tendenz weiter sinkend.

Die Folgen des im September 2015 aufgeflogenen Dieselskandals um den VW-Konzern ließen auch Honda nicht kalt. Ko Yamamoto, Motorenentwickler bei Honda, und sein Team steckten mitten in der Arbeit am 1,6-l-Diesel, als die Krise ausbrach. Ein Entwicklungsstopp stand aber nie zur Debatte, "selbst wenn wir vorher gewusst hätten, dass ein Dieselskandal passiert. Unsere Kunden wollten eben so einen Motor für den Civic. Und wir sehen den Dieselmotor nach wie vor als sehr effektives Antriebsmittel, um die Abgase zu reduzieren", sagte Yamamoto den SN.

Laut Honda kommt der Civic mit 3,4 (Limousine) bzw. 3,5 Litern Diesel (Fünftürer) auf 100 Kilometern aus - ermittelt nach neuen Testverfahren. NOx- und Feinstaubwerte gingen ebenfalls zurück. Wie immer gilt: Der Alltag ist die wahre Messlatte.

Der Jazz wirkt nun sportlicher, auch wegen des 130-PS-Motors. SN/werkfoto honda/paul harmer
Der Jazz wirkt nun sportlicher, auch wegen des 130-PS-Motors.

Neben dem Civic Diesel präsentierte Honda auch sein zweites Volumensmodell, den Jazz, in einer überarbeiteten Form. Der Kleinwagen bekam sowohl ein sportlicheres Äußeres als auch ein sportlicheres Inneres: Nunmehr steht Jazz-Freunden auch ein 130-PS-Benziner zur Wahl.

Für den Jazz (schon erhältlich) sind zwischen 16.990 und 20.490 Euro fällig, der Diesel-Civic (ab März) kostet zwischen 21.990 und 28.790 Euro. Derzeit ist nur ein Sechsgangschaltgetriebe verfügbar, zur Jahresmitte folgt die Neungangautomatik.

Honda hat in Österreich einen Marktanteil von 0,7 Prozent. Die Verkaufszahlen des Jazz sollen auf 574 (2017: 543) und jene des Civic-Fünftürers auf 681 (559) und der Limousine auf 186 (59) steigen.

Da ist viel Luft nach oben.

Aufgerufen am 21.11.2019 um 10:47 auf https://motor.sn.at/autotest/honda-laesst-s-noch-einmal-nageln-24229171

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