Autotest

Im Erdgas-Kamiq zum Tanken: Ist da jemand?

Škodas kleines CNG-SUV gefällt, wenn der Boxenstoppstress vorbei ist.

Ein „Exot“ auf Österreichs Straßen: der Kamiq mit Erdgasantrieb CNG. SN/kuntschik
Ein „Exot“ auf Österreichs Straßen: der Kamiq mit Erdgasantrieb CNG.

Noch im Juni 2019 lud der VW-Konzern zu einem Symposium über die Vorteile des Erdgasantriebs, der als Alternative und sparsamere Brückentechnologie forciert worden war. Doch im März 2020 folgte die Trendwende des Konzernchefs: Der Österreicher Herbert Diess setzt voll auf E (wie Elektro) statt E (wie Erdgas). Aktuelle Erdgasmodelle würden keine Nachfolger bekommen, hieß es. Und nun also die Probefahrt im Kamiq CNG, eines der Letzten seiner Art. Bleiben wir beim Auftritt des kleinsten der drei SUV von Škoda: Alle gewohnten Vorteile, was Platzangebot und Bequemlichkeit betrifft, sind vorhanden. Wohlfühlatmosphäre auch. Am interessantesten aber ist natürlich der Antrieb: Und da überraschte der Einliter-Dreizylinder wirklich, denn wenn einmal auf Touren gebracht, war Agilität ausreichend da, sie konnte sogar im Sportmodus noch gesteigert werden. Lediglich beim Starten und Anfahren war der Kamiq CNG akustisch doch ruppiger als von einem modernen reinen Verbrenner gewohnt. Der Haken am bivalenten Antrieb ist die Reichweite: 280 Kilometer mit Erdgas und dazu 100 mit Benzin ergeben Möglichkeiten wie in einem größeren Elektroauto, nicht mehr. Eine Fahrt Salzburg-Wien wird stressig, weil offenbar auch diejenigen, die bis vor einiger Zeit Erdgas forcierten (Porsche Austria gemeinsam mit der OMV, auch die Salzburg AG), die Lust am Nischenprogramm verloren (580 Neuzulassungen in Österreich 2019, Marktanteil 0,1 Prozent). Anders kann man sich nicht erklären, warum die Landkarte Erdgas führender Tankstellen nicht mehr zuverlässig ist. Und wenn dann noch an der Zapfsäule das Schild "außer Betrieb" hängt, wird es mühsam. Dabei wäre der CNG-Kamiq finanziell durchaus interessant, was den Verbrauch betrifft. Unter 4,9 Kilogramm CNG pro 100 Kilometer, macht rund 14 Euro für die 280 Kilometer "angasen".

Im Test: Škoda Kamiq Style CNG

Dreizylinder-Turbo, Benzin-Erdgas-bivalent, 999 ccm, 66 kW/90 PS bei 4000-5500 U/min, 160 Nm bei 1800-3800 U/min, Sechsgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb;

Verbrauch kombiniert 3,5 kg Erdgas/100 km (95 Gramm CO2), im Test: 4,9 kg.

Preis: ab 25.630, Testwagen 31.915 Euro.

Was gefällt:
Das Raumangebot und die "simply clever"-Features.

Was weniger gefällt:
Der Stress beim Suchen einer (funktionierenden) Erdgaszapfsäule.

Was überrascht:
Einliter-Dreizylinder! Und kaum zu merken.

Perfekt für:
Familien- oder Vertreterauto, allerdings sollte man keinen höheren Reichweitenbedarf haben.

Aufgerufen am 23.09.2020 um 08:25 auf https://motor.sn.at/autotest/im-erdgas-kamiq-zum-tanken-ist-da-jemand-91143169

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