Autotest

Mercedes AMG GT Roadster oder BMW i8 Roadster?

Wir testen und vergleichen im SN-Autotest die zwei besonderen Autos, den Mercedes AMG GT Roadster und den BMW i8, miteinander.

Mercedes AMG GT C Roadster

Wer ihn haben will, braucht entweder eine dicke Brieftasche oder einen reichen Erbonkel, der sich am kommenden Montag als Christkind ausgibt. Mindestens 192.730 Euro sind zu berappen für ein Auto, das ein deutsches Fachmagazin einmal als sexuelle Belästigung bezeichnet hat, weil es so wunderschön sei. Der AMG GT Roadster ist wahrlich nicht nur eines der schönsten Autos von Mercedes, er ist auch eines der schnellsten. Und er verfügt über die wahrscheinlich längste Motorhaube der Welt. Das V8-Aggregat braucht Platz und nimmt etwa die Hälfte des gesamten Autos ein.
Überhaupt dreht sich eigentlich alles um den Motor im AMG GT, vor allem beim Roadster. Mehr noch als jedes Coupé lebt ein Cabrio von seinem Sound. Im Roadster öffnet man das Verdeck weniger, um die Sonne zu genießen, als dem stimmgewaltigen V8 zu frönen. So kommt man dort, wo sich die 557 PS (Modellvariante GTC) sowieso nicht ausfahren lassen - also quasi überall -, auch bei niedrigem Tempo auf seine Kosten. Der Motor klingt beeindruckend und einschüchternd zugleich. 680 Newtonmeter reißen an der Kurbelwelle. Vollgas entspricht keinem furios erdribbelten Tor, sondern einem Gewaltschuss vom Sechzehner in den Winkel. Der vier Liter große V8 reagiert so giftig auf jeden Gasstoß, dass man entweder feinfühlige Füße oder eine stabile Nackenmuskulatur braucht.
Dazu dieses Set-up: Wie die Variante GTR hat auch der GTC ein elektronisches Sperrdifferenzial an der Hinterachse und lenkt mit den 305er-Reifen aktiv mit. Das Differenzial verbessert dazu die Traktion des Hecktrieblers. Damit erübrigt sich auch die Frage, ob dieser Mercedes in erster Linie ein Supersportler oder ein Cabrio zum Cruisen ist. Einen Wunsch ans Christkind ist der AMG GT dennoch allemal wert.

BMW i8 Roadster

Wer den i8 Roadster haben will, der braucht wie beim AMG eine dicke Brieftasche und obendrein auch noch ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und Kommunikationsfähigkeit. Denn an einem lauen Herbsttag mit weggeklapptem Dach bekommt man allerorts Rückmeldungen. Sogar ein Radfahrer stieg vor uns an der roten Ampel ab, kam keuchend zum Fenster und reckte den Daumen nach oben. Wunderschön ist der i8 auf jeden Fall, er wäre sogar ein standesgemäßes Dienstauto für Batman. Auch wenn er nicht mehr ganz taufrisch ist, so wirkt das Design auch heute noch futuristisch. Neu ist die Roadster-Variante und da wirkt der Wagen noch mehr denn je wie ein Keil. Das i in der Markenbezeichnung steht zwar eigentlich für die eigenständige E-Familie, doch im Unterschied zum i3 ist er eigentlich kein echtes Elektro-Fahrzeug:
Die Power kommt zumeist aus dem Benziner, der Elektromotor sorgt für lautloses Gleiten in der Stadt mit sehr eingeschränkter Reichweite: Das geht gerade einmal 50 Kilometer. Jetzt könnte man den i8 im Bestfall als Alleskönner titulieren, im gegenteiligen Fall als etwas fragwürdiges Konzept. Für einen Supersportwagen taugt der hoch getunte Drei-Zylinder (trotz 235 PS Leistung) nicht, für ein E-Mobil die Reichweite nicht und beim Roadster wird der ohnehin schon schlanke Gepäckraum noch auf einen Koffer zusammengeschrumpft. Wirklich beeindruckend sind die Fahrleistungen - wenn sich zum Benzinmotor (treibt die Hinterachse an) noch der E-Motor als Zusatzschub zuschaltet, dann steht eine Gesamtleistung von 275 kW/374 PS zur Verfügung. Das lässt den Himmel über Fahrer und Beifahrer rasch vorbeiziehen und dass man in dem Auto dem Himmel ganz nah ist, ist nicht einfach so dahingesagt: Bei einer Fahrzeughöhe von nur 1,29 Metern liegt man eher, als man sitzt. Dafür ist der Schwerpunkt des Fahrzeugs schon rund 40 Zentimeter über dem Asphalt gegeben - wie in einem Formel-Fahrzeug. Und ähnlich ist auch der Einstieg: Wer vor dem Eissalon elegant aus dem i8 will, sollte das vorher ein paar Mal üben ...

Im Test: Mercedes AMG CT C Roadster und BMW i8 Roadster

Test Mercedes AMG CT C Roadster BMW i8 Roadster
Motor/Fahrwerk 4,0-Liter-V8 mit Direkteinspritzung und Biturbo-Aufladung, Hubraum 3982 ccm, Leistung 410 kW/557 PS bei 5750 bis 6790 U/min, Drehmoment 680 Nm bei 1900 bis 5750 U/min, Siebengang-AMG-Speedshift, Heckantrieb. Hybrid-spezifischer Allradantrieb mit Verbrennungsmotor auf die Hinterräder, mit 170/231 kW/PS bei 5800 U/min und Elektromotor (auf die Vorderräder) mit 75/102 kW/PS, Systemleistung gesamt: 275/374 kW/PS.
Fahren/Verbrauch Spitze 316 km/h, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h 3,7 Sek., Leistungsgewicht 2,98 kg/PS, Verbrauch 11,4 l/100 km (259 g CO2), Euro6, im Test 14,0 l. Spitze 250 km/h, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h 4,6 Sek., Leistungsgewicht 5,8 kg/PS, Verbrauch 2,1 l/100 km (49 g CO2), im Test 10,5 l. Euro6
Preis ab 192.730 Euro; Testwagen inkl. Diamantweiß-Lackierung, Nappa-Leder, AMG-Performance-Sitze, Burmester Surround-Soundsystem etc.: 234.937 Euro. ab 161.500 Euro; Preis des Testwagens: 179.086 Euro. Testwagen inkl. Copper-Lackierung mit Akzent Frozen Grey metall, Naturledersitze.

Aufgerufen am 22.01.2019 um 11:07 auf https://motor.sn.at/autotest/mercedes-amg-gt-roadster-oder-bmw-i8-roadster-63849223

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