Autotest

Praxistest: E-Lastenrad made in Pfaffstätten

Das günstige Elektro-Lastenrad von Family Rides im Praxistest. Mit der zweispurigen Autoalternative durch den Alltag.

Zugegeben, zu 100 Prozent österreichisch ist das BubbleBob nicht. Schließlich werden die Einzelteile bei Zulieferern in Schanghai und Polen vorproduziert. Die Montage der Lastenräder - wahlweise mit oder ohne E-Motor - erfolgt aber beim Unternehmen C&C im niederösterreichischen Pfaffstätten. Auch die Transportbox - also jenes Bauteil, auf dem bei Transporträdern naturgemäß der Hauptfokus liegt - wird von heimischen Tischlern gefertigt.

Günstigere Alternative

Fairerweise sei aber gesagt, dass das Thema der regionalen Wertschöpfung für den Konstrukteur Clemens Wright aus Wien und seinen Salzburger Partner Pujan Khodai nicht oberste Priorität hatte. Vielmehr ging es darum, eine leistbare, aber dennoch hochwertige Alternative zu den oftmals extrem teuren Elektro-Lastenrädern am Markt zu schaffen. Und tatsächlich ist das BubbleBob in der von uns getesteten Familienedition gleich um mehrere Tausend Euro günstiger als vergleichbare Transporträder aus holländischer oder deutscher Fertigung. Schon auf den ersten Metern der Jungfernfahrt wird klar, dass der Preisvorteil vor allem durch Sparsamkeit bei Vertrieb und Marketing zustande kommt, nicht aber, wie heimlich befürchtet, durch mangelnde Qualität. Ganz im Gegenteil: Der massive Stahlrahmen, die extradicken Ballonreifen sowie die gut verarbeitete Transportbox mit den abgerundeten Kanten hinterlassen einen hochwertigen Eindruck. Anders als bei vergleichbaren zweispurigen Transporträdern wird das BubbleBob mittels Achsschenkel-Lenkung direkt über die beiden Vorderräder gelenkt. Das teils problematische Fahrverhalten zweispuriger Bikes wird dadurch spürbar entschärft. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase nimmt man die Kurven gleich viel ambitionierter, wobei eine leichte Gewichtverlagerung zur kurveninneren Seite das subjektive Sicherheitsgefühl massiv verbessert. Die Breite von über einem Meter ist Vor- und Nachteil gleichermaßen: Einerseits liegt das Fahrrad satt auf der Straße, andererseits muss man mit dem BubbleBob dadurch auf der Straße fahren. Radwege und -streifen sind tabu.

Technische Details

Der chinesische Bafang-Elektromotor schiebt mit maximal 80 Newtonmetern bis zu einem Tempo von 25 km/h an. Die hydraulischen Scheibenbremsen vorn und hinten sind mehr als ausreichend dimensioniert und packen im Notfall ordentlich zu. Die Intensität der elektrischen Unterstützung kann in fünf Stufen reguliert werden. Wer flott unterwegs sein und an Ampeln nicht zum stehenden Verkehrshindernis werden möchte, sollte allerdings die Finger nie von der Achtgang-Shimano-Schaltung nehmen. Vergisst man einmal, vor einem Stopp rechtzeitig runterzuschalten, reicht die Kraft des Elektroantriebs allein nicht für ein erneutes Anfahren aus - dann heißt es mit voller Kraft in die Pedale treten. Laut Pujan Khodai von Family Rides ist das aber durchaus so gewollt. Schließlich hängt die werksseitig mit 25 bis 30 Kilometern angegebene Reichweite maßgeblich vom individuellen Fahrstil und den eigenen sportlichen Ambitionen ab. Wer also nicht jeden Abend mit leeren Akkus ankommen möchte, sollte zwischendurch auch einmal selbst ins Schwitzen kommen. Immerhin lässt sich der 36-Volt-Lithium-Ionen-Akku mit einem Handgriff ausbauen und separat an einer Haushaltssteckdose laden.

Schiebhilfe und Transportbox

Ebenfalls praktisch: Hält man den Minusknopf am Lenker gedrückt, wird die Schiebehilfe aktiviert. Der E-Motor bewegt das Rad dann mit konstanten 4 km/h. Durchdacht ist auch die Transportbox der Familienversion. Je nach Alter des Nachwuchses können problemlos zwei, im Extremfall sogar bis zu vier Kinder transportiert werden. Eingestiegen wird bequem durch die vordere Tür, auf Wunsch sind neben den fix verbauten Gurten auch Adapter für die gängigen Kindersitzhersteller verfügbar. Die maximale Zuladung von 90 Kilogramm lässt zudem genug Spielraum für Einkäufe.

IM TEST



E-Lastenfahrrad C&C BubbleBob

Stahlrahmen, 58 kg, 20-Zoll-Felgen. Länge 2050 mm, Breite 1030 mm. Motor: Bafang, 250 Watt, 80 Nm Drehmoment, Akku 36V-11Ah, Schaltung Shimano 8-Speed, hydr. Scheibenbremsen vorn/hinten, Nutzlast der Transportbox: 90 Kilogramm, Preis: 3630 Euro (vor Förderungen).

Was gefällt:
Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis, hochwertige Verarbeitung.

Was weniger gefällt:
Zu breit für die Verwendung auf Radwegen, keine Kopfstützen für Kinder.

Was überrascht:
Wie viele Alltagsfahrten ohne Auto möglich sind, wenn man wirklich will.

Perfekt für:
Jungfamilien mit Nachwuchs im Kindergartenalter, die ein Lastenrad zum Fahren wollen und nicht, um bei anderen Eltern damit anzugeben.

Aufgerufen am 29.11.2021 um 10:36 auf https://motor.sn.at/autotest/praxistest-e-lastenrad-made-in-pfaffstaetten-112563148

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