Autotest

Seat Leon: Die Freuden und Tücken der Helferlein

Der neue Leon wird Seat wieder ein Stück weiterbringen. Wenn Systemschwächen ausgemerzt werden.

Innovative Detaillösungen und ein überzeugendes Gesamtangebot: Seat Leon. SN/kutschnik
Innovative Detaillösungen und ein überzeugendes Gesamtangebot: Seat Leon.

Der Golf-Bruder Leon war für Seat seit 2012 maßgebend an der Wende zum Erfolg beteiligt. Ein Riesenplus war stets ein sportliches Design. Das wurde in der nun verfügbaren vierten Generation noch gesteigert. Alle Achtung vor den Zeichnern in Martorell, sie haben eine Hand für Attraktivität!

Weil der neue Kompakte der spanischen VW-Tochter geringfügig in Länge und Radstand zulegte, wurde der Sitzkomfort hinten noch verbessert, der tiefe Laderaum (380 Liter) blieb gleich. Die wesentlichen Neuheiten aber sind in den Bereichen Motorisierung und Konnektivität zu finden.


Bleiben wir einmal beim Motor: Das 48-Volt-Mildhybridsystem arbeitet unauffällig, aber zielführend: gutes Ansprechverhalten mit dem ausschließlich verfügbaren Siebengang-DSG, mäßiger Verbrauch bei ausreichenden 150 PS Leistung: 6,2 Liter im gemischten Verkehr und mit mehr Eco- als Sportmodus. Traktion, Handling, Einlenken, Bremsen - alles sehr zufriedenstellend.

Die große Überraschung: Assistenzsysteme, die in höheren Segmenten noch kaum zu finden sind. Zum Beispiel die erstmals fehlerlos funktionierende Verkehrszeichenerkennung, die mit dem adaptiven Tempomaten vorausschauend (und höchst vorsichtig) zu einer automatischen Geschwindigkeitsanpassung ans folgende Limit führt (und bei Ende der Beschränkung auf die vorherige Geschwindigkeit automatisch beschleunigt). Eigentlich toll - wenn nicht im Mitteldisplay die Belehrung käme, die bei häufigem Auftreten nervt: "Fuß vom Gas!" schon Hunderte Meter vor Kreuzung/Kreisverkehr/Beschränkung. Offene Fenster und Klimaanlage an? Dann kommt der "Eco-Tipp: Fenster schließen!" Spurhalter und Spurverlassenswarner sind natürlich dabei, der Totwinkelassistent ist der beste je getestete: nicht ein Fuzi-Lamperl im Außenspiegel, sondern ein knalloranges Leuchten im Ambientelichtbogen, der sich durchs gesamte Cockpit von Fahrer- zu Beifahrertür spannt. Genial und wirkungsvoll!

Leider völlig unzufrieden waren wir - im Gegensatz zu den variablen, digitalen Cockpitanzeigen - mit dem neuen Multimediasystem bzw. dem mittigen Touchscreen-Display. Abgesehen davon, dass die Kacheln so klein gerieten, dass sie meistens erst nach mehreren Versuchen getroffen werden, hatte das System unseres Testwagens grobe Mängel: zwei Mal Abschaltung während der Fahrt ("System derzeit nicht verfügbar" auf schwarzem Bildschirm), nach der Aktivierung von "Auto" bei der Climatronic keine Reaktion des Displays (also Telefon, Navi, Audio etc.). Schwach ist auch, dass ein gespeichertes Mobiltelefon bei jedem Motor-Neustart neu über Bluetooth aktiviert werden muss. Kurzum: Da ist eine Überarbeitung des Systems dringend nötig. Der Importeur hat auf Nachfrage bereits ein Software-Update angekündigt. Wenn das gelingt, ist der neue Leon fix ein Winner.

Aufgerufen am 27.11.2020 um 08:52 auf https://motor.sn.at/autotest/seat-leon-die-freuden-und-tuecken-der-helferlein-90760291

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