Autotest

Toyota Camry Lounge - Tradition trifft auf Innovation

Toyota verknüpft die Tugenden einer klassischen Familien-Limousine ausschließlich mit modernem Hybrid-Antrieb.

Klassischer Exot: Toyota Camry.  SN/behr
Klassischer Exot: Toyota Camry.

Camry? Da war doch einmal was. So schnell vergeht die Zeit. Rund fünfzehn Jahre ist es her, seit diese Marke bei uns verschwunden ist. Toyotas Großer, das war zuletzt das Modell Avensis und der war nicht wirklich groß. Alles darüber heißt Lexus. Den Markt für gehobene, aber preislich überschaubare Limousinen überließ Toyota ab 2006 in Europa anderen. Weltweit blieb der Camry ein Erfolgsmodell, speziell in den USA. Dabei hatte der Camry auch hierzulande eine verschworene Fangemeinde. Die klassische Form mit richtigem Kofferraum, die üppige Serienausstattung und dazu Dauerbestnoten bei der Pannenstatistik brachten ihm das Attribut: Ein Auto für Kenner. Etwas war der Camry nie und ist es auch in achter Generation mit dem Comeback in Europa nicht: eine Sportskanone. Für eine Reiselimousine muss das inmitten einer Welt von Tempolimits und Blitzerfallen kein Nachteil sein.

Die Lücke zwischen dem oberen Ende von Toyota und der Welt des Lexus schließt der Camry souverän. Beim Design schimmern Elemente aus beiden Autowelten mit gemeinsamer japanischer Wurzel durch. Die Linie ist spannend und strahlt gleichzeitig Gediegenheit aus. Auf die Frage "Was ist das für einer?" muss man auf Parkplätzen gefasst sein.

Toyota setzt auf einen Hybridmotor

Bei der Motorisierung bietet Toyota keine so modern gewordene Qual der Wahl. Hybrid und sonst nichts lautet die selbstbewusste Devise. Das kann sich der Pionier dieser Technik mit fast einem Vierteljahrhundert Erfahrung leisten. Der großvolumige Vierzylinder und der Elektromotor bringen es auf eine Systemleistung von 160 kW/218 PS und sind mit einem stufenlosen Getriebe kombiniert. Bei der Kraftübertragung gilt das Gleiche wie für die Motoren. Langjährige Praxis macht sich bezahlt. Vorbehalte gegen CVT-Getriebe sind unbegründet. Das früher so gefürchtete Aufjaulen des Motors gibt es nicht mehr und das gilt nicht nur für den kleineren Prius, sondern auch hier für die ausgewachsene Limousine. Alles harmoniert.

Kein Stadtauto

Der Camry fährt mit Strom los und bald schaltet sich der Verbrenner zu. Zwischendurch gibt es automatisch E-Power etwa beim Beschleunigen und das macht sich beim Spritverbrauch positiv bemerkbar. Beim Stop-and-go in der Stadt lässt der Camry jeden Diesel vergessen. Ein Alltag mit rund sechs Litern Schnitt ist möglich. Trotzdem ist der Camry kein Stadtauto. Dafür fehlt es ihm an Wendigkeit. Einparken wird zur Kurbelei. Die Stärken des Camry liegen bei entspannter Überlandfahrt. Die tollen Sitze genießen, das Fahrwerk alle Buckel schlucken lassen, die Soundanlage abstimmen und schon wird die Anreise zum Urlaubserlebnis. Für das Gepäck gibt es reichlich Platz. Nach einer Messung des deutschen Autofahrerclubs ADAC würden sich im Heck des Camry sieben Getränkekisten verstauen lassen.

Das Cockpit umweht ein Hauch von Nostalgie. Es gibt jede Menge Knöpfchen und es sind schon größere Displays entwickelt worden. Aber das passt zum Charme und Charakter dieses Autos mit seiner Verknüpfung von Tradition und Innovation.

Im Test: Toyota Camry Lounge

Hybrid-Limousine, Vierzylinder-Benziner, 2487 ccm Hubraum, 131 kW/178 PS, E-Motor mit 88 kW/120 PS, Systemleistung 160 kW/218 PS, stufenloses Getriebe (E-CVT), Frontantrieb, Verbrauch (WLTP) 5,5 l (lt. Werk, im Test rd. 6 l), CO2 125 g/km, Preis ab 42.320 Euro.

Was gefällt:
Das Auto animiert zu gelassener Fahrweise.

Was weniger gefällt:
Mit Bedienknöpfchen umrahmt wirkt das kleine Info-Display wie aus der Zeit gefallen.

Was überrascht:
Das stufenlose Getriebe wirkt in keiner Phase überfordert.

Perfekt für:
Liebhaber einer gehobenen Wohnzimmerkultur, die diese unterwegs genießen wollen.

Aufgerufen am 27.10.2020 um 03:59 auf https://motor.sn.at/autotest/toyota-camry-lounge-tradition-trifft-auf-innovation-94289920

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