Autotest

Toyota RAV4: Wenn der Benzinmotor schlummert

Hybridpionier Toyota gibt mit der elektrischen Reichweite des RAV4 Plug-in die Richtung vor. Das Ladekabel ist mehr als ein Aufputz.

Ausgeklügeltes Zusammenspiel von Benziner und Elektromotoren im Toyota RAV4. SN/behr
Ausgeklügeltes Zusammenspiel von Benziner und Elektromotoren im Toyota RAV4.

Gegensätze zu verschmelzen, das ist eine Spezialität des Hauses Toyota. So auch beim RAV4 Plug-in-Hybrid - und das betrifft nicht nur die äußere Erscheinung. Kantig und mit einer recht grimmig erscheinenden Front steht der SUV da und dann die Überraschung: Geschmeidig und harmonisch setzt sich das Auto in Bewegung. Sportliche Fahrleistungen sind abrufbar und das geht nicht auf Kosten des sofort spürbaren Komforts.

Pionier bei den Alltags-SUVs

Dieser RAV4 vereinigt gleich mehrere Philosophien im Automobilbau und bei allen hat Toyota Pionierarbeit geleistet. Bis zum Erscheinen des ersten RAV4 im Jahr 1994 war der Leiterrahmen mit Starrachse hinten der Standard bei den SUV, die damals noch eine Nebenrolle spielten. Toyota brachte die vom Pkw bekannte selbsttragende Karosserie in diese Klasse und verzichtete auf voluminöse Erscheinung sowie extreme Geländetauglichkeit. Ein SUV als kompaktes Lifestyle-Mobil - das Konzept fand viele Nachahmer.

Japaner brachten ersten Hybrid-Pkw auf den Markt

Parallel erkannten die Japaner früh das Potenzial des Elektromotors. Mit dem Prius brachte Toyota 1997 den ersten Hybrid-Pkw auf den Markt und wieder schlug die Novität ein. Die Technologie fand später auch den Weg in den RAW4 und wurde in der fünften Generation um die Plug-in-Version erweitert. Hier arbeiten zusätzlich zum 182 PS starken Benziner gleich zwei Elektromotoren. Alles zusammen ergibt eine Systemleistung von 306 PS und die satte Power wird über ein stufenloses CVT-Getriebe auf die Räder gebracht.
Was Toyota aus dieser in den Sechzigern für schwachbrüstige Kleinwagen der längst verschwundenen holländischen Marke DAF entwickelten Getriebetechnik herausholt, verdient Beachtung. Die Automatik und das Zusammenspiel der drei Motoren vermitteln ein Fahrgefühl, das an jenes in kräftigen Elektroautos erinnert. Zur Wahl stehen die Stufen Normal, Eco, Sport und Gelände. Allrad wird nach Bedarf selbsttätig zugeschaltet.

50 bis 75 km reine E-Reichweite

Für einen Vergleich mit einem reinen E-Mobil reicht das Drücken eines Knopfs für Strombetrieb. Der Vierzylinder schlummert, es geht genauso flott weiter. Plug-in-Hybriden hängt der Ruf nach, das Ladekabel erfülle nur eine Alibifunktion, weil die E-Reichweite so beschränkt sei. Aus Bequemlichkeit werde meist gleich mit dem Verbrenner gefahren. Nicht so bei diesem RAV4. Der Laborwert verspricht 75 Kilometer fahren mit Strom und auch bei schärferer Fahrt sind es bei uns immer deutlich mehr als 50 Kilometer gewesen.
Damit lässt sich einiges anfangen, zumal der errechnete täglich gefahrene Durchschnittswert in Österreich bei 36 Kilometern liegt. An der gewöhnlichen Steckdose ist die Batterie in spätestens neun Stunden vollständig geladen, an einer Ladestation reicht rund die Hälfte der Zeit. Nicht zu vergessen: Dank vollelektrischer Reichweite von mindestens 50 Kilometern (nach WLTP) steht die staatliche Förderung in der Höhe von 2500 Euro zu.

Immer Zusatzschub an Bord

Mit Strom die tägliche Routine bewältigen und ohne Gedanken an die Reichweite auf die große Reise gehen, so spielt dieser RAV seine Stärken aus. Zumal das Auto bei nachlassender Akkuladung die Stromversorgung nicht abstellt, sondern sich wie ein Hybrid ohne Kabel benimmt. Das heißt, es ist zum Wegfahren oder zum Überholen immer Zusatzschub an Bord.
Bei allen Plug-in-Hybriden liegt der WLTP-Normverbrauchswert fern der Praxis, so auch hier. Im Mischbetrieb ist ein Liter auf 100 Kilometer nicht zu schaffen. Je höher der Verbrenneranteil, desto mehr rückt die Sechslitermarke näher. Und das ist herzeigbar. Die Stromkosten variieren je nach Anbieter und System stark. Ausgereift, geräumig, spannendes Antriebskonzept und dabei mit 4,6 Metern Länge gerade noch als Kompakt-SUV einzuordnen, das sollte einen Erfolg dieses Toyota garantieren. Aber es gibt eine Hürde. Schon beim Basispreis ist der Hybrid um mehr als 15.000 Euro billiger.

IM TEST



Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid

Benzinmotor 136 kW/185 PS plus E-Motor vorn 134 kW/182 PS sowie E-Motor hinten 45 kW/54 PS, gesamt 225 kW/306 PS, stufenloses Automatikgetriebe, Reichweite im E-Betrieb 75 km, Verbrauch (WLTP): 1 Liter/100 km, 22 g/km CO2, Test: 2 bis 6 l, Preis: ab 52.990 Euro.

Was gefällt:
Das effektive Zusammenspiel des Benzinmotors mit den zwei elektrischen Triebwerken.

Was weniger gefällt:
Der Monitor im Innenrückspiegel strengt die Augen an. Auf konventionell einstellbar.

Was überrascht:
Das konventionelle Styling der Armaturenlandschaft mit Verzicht auf Riesendisplays.

Perfekt für:
Alle, die ein universell einsetzbares, konventionelles Auto wollen.

Aufgerufen am 29.11.2021 um 10:04 auf https://motor.sn.at/autotest/toyota-rav4-wenn-der-benzinmotor-schlummert-112883002

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