Autotest

VW ID.4.: Ein SUV wie kein anderes

Der kompakte ID.3 war die erste Fingerübung, mit dem ID.4 geht die Elektro-Offensive nun weiter. Als programmiertes Erfolgsmodell für den Weltmarkt offenbart VWs Elektro-SUV im ersten Test kaum Schwächen.

Nach dem Roll-out des potenziellen Golf-Nachfolgers ID.3 im Vorjahr ist nun also der ID.4 an der Reihe. Mit einer Länge von 4,51 Metern ist der in etwa so lang wie das konventionelle SUV-Erfolgsmodell Tiguan und muss sich deshalb auch primär mit diesem vergleichen lassen. Doch schon auf den ersten Blick wird klar: Mit einem SUV klassischen Zuschnitts hat der ID.4 nicht viel gemeinsam. Im Vergleich zu den meist kantig und ein wenig protzig gezeichneten Großstadt-Allradlern wirkt das zweite Modell auf Basis der Wolfsburger auffallend schlank, aber dennoch wertig und wie aus einem Guss. Optisch wechseln sich fließende Formen und harte Abrisskanten ab.

Neben den Matrix-LED-Scheinwerfern mit 18 Einzel-LEDs stechen vor allem die versenkbaren Türgriffe ins Auge, die nebst den anderen Maßnahmen für einen extrem niedrigen cw-Wert von 0,28 sorgen.

Die eigentliche Revolution findet aber im Innenraum statt

Ob der ID.4 den von VW in Aussicht gestellten Klassensprung in Sachen Geräumigkeit wirklich schafft, sei dahingestellt. Fakt ist: Die langgezogene, flache Windschutzscheibe, die Kopffreiheit sowie der fehlende Mitteltunnel verfehlen ihre Wirkung nicht. Vorne wie hinten vermittelt der ID.4 ein Raumgefühl, das fast schon an einen Van erinnert. Der Kofferraum fasst 543 Liter, klappt man die Rücksitze um und lädt bis unters Dach, sind bis zu 1575 Liter möglich. Stichwort Nutzwert: Optional bietet VW für den ID.4 auch eine Anhängekupplung mit 1000 Kilogramm Nutzlast an. Stoffe und Bezüge ohne tierische Produkte sowie smarte Details wie das LED-Lichtband unter der Frontscheibe und das dreidimensionale Augmented-Reality Head-up Display verstärken den Premium-Anspruch der Topversion. Während die Touch-Bedienelemente und die Menüstruktur des zentralen Displays beim ID.3-Test im Vorjahr noch ungewohnt waren, so ist das neue Handling mittlerweile fast schon vertraut. So schnell gewöhnt man sich an Neues.

Reichweite und Leistung

Die Themen Laden und Reichweite standen im Rahmen des eintägigen Kurztests naturgemäß nicht im Fokus. Die Modelle mit der großen 77-kWh-Batterie laden mit Wechselstrom mit bis zu 11 kW, solche mit dem kleineren 52-kWh-Akku mit 7,2 kW. Alle Varianten können dank CCS-Ladeanschluss auch mit Gleichstrom schnellgeladen werden. Je nach Modell sind so Ladeleistungen zwischen 50 und 125 kW möglich. Angesichts der Vielfalt von insgesamt neun verschiedenen Modellen und dem für später im Jahr avisierten Allradler ist die opulent ausgestattete und in Sachen Reichweite und Leistung üppig bestückte 1st Edition Max um 54.990 Euro vor Förderungen für die gesamte Modellpalette nur bedingt repräsentativ. Fest steht: Der bestmöglich ausgestattete ID.4 entpuppte sich im SN-Test als regelrechte Fahrmaschine. Grund dafür ist neben dem niedrigen Fahrzeugschwerpunkt und den bis zu 21 Zoll großen Rädern vor allem das intuitive Plug-and-Play-Prinzip des E-Antriebs. Der Heckantrieb und der daraus resultierende Wendekreis von 10,2 Metern machen vor allem im Stadtverkehr Spaß. Auch die im Vergleich zum ID.3 um 163 Millimeter erhöhte Bodenfreiheit ändert daran nichts. Klappt es dann auch noch mit dem sorgenfreien Laden im Alltag, spricht wenig gegen einen Verkaufserfolg des VW ID.4.

Im Test: Volkswagen ID.4 1st Edition Max

Elektro-SUV, fünf Sitze, permanenterregter Synchronmotor im Heck, 150 kW/204 PS, 310 Nm Drehmoment, 1-Gang-Getriebe, Heckantrieb, Batterie: 77 kWh, Verbrauch: 18,2-18,5 kWh/100 km, Reichweite: max. 517 km (lt. WLTP), 0-100 km/h: 8,5 s., Vmax: 160 km/h, Preis: ab 45.490 Euro, Testwagen: 54.990 Euro.

Was gefällt:
Die Kombination aus Fahrspaß, Raumgefühl und futuristisch anmutenden Details.

Was weniger gefällt:
Nach längerem Nachdenken: Die - gelinde gesagt - unübersichtliche Modellpolitik.

Was überrascht:
Wie selbstverständlich VW die Kinderkrankheiten des ID.3 nun ausgebügelt hat.

Perfekt für:
Überzeugte Early Adopter mit Premium-Anspruch und viel Raumbedarf.

Aufgerufen am 09.03.2021 um 05:17 auf https://motor.sn.at/autotest/vw-id-4-ein-suv-wie-kein-anderes-100009354

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