Autotest

Wie uns der 3er Touring ins Staunen brachte

BMW setzt mit seiner Mittelklasse Maßstäbe. Nicht neu ist, dass Premiumqualität halt einiges kostet.

Sparsam, aber nicht billig: der BMW 3er Touring.  SN/kuntschik
Sparsam, aber nicht billig: der BMW 3er Touring.

Wer heute einen BMW fährt, der weiß ziemlich genau, was er bekommt: ein Fahrerlebnis, das keine Wünsche nach autonomen Computerspielen aufkommen lässt, sportliche Fortbewegung bei hoher Effizienz, verlässliche Technik und eine solide Ausstattung, wenn man ein paar Pakete dazu ordert. Das alles hat seinen Preis. Wie auch beim neuen 3er Touring in der Benzinerversion mit 258 PS, der in der Basis als Allradler bei 52.000 Euro beginnt und im Testwagen in der Linie M-Sport mit mehr oder weniger Komplettausstattung an der 90.000er-Schwelle kratzt.

Wie gesagt, so weit sind das keine Überraschungen. Was man bei deutschen Premiummodellen alles aufzahlen kann, ist nahezu unendlich. Dennoch fielen uns bei diesem Test zwei Dinge auf, die den 330i von der Konkurrenz abhoben (wir meinen jetzt nicht wieder den Preis) und ihn zu einem Liebling machten. Da wäre einmal der Verbrauch: Turbobenziner mit bärenstarken 258 PS und Allradantrieb - und auf Landstraßen nur 6,7 Liter im Schnitt. Mit Autobahn und Stadt pendelte sich die Konsumation des Zweiliter-Turbos (leer mit knapp über 1700 Kilogramm Gewicht) auf rund sieben Liter ein. Das war ordentlich und zeigt, dass die Münchner antriebsmäßig ziemlich weit vorn im Effizienzwettrüsten mitmischen.
Die zweite Überraschung: Verkehrszeichenerkennung. Eine Lotterie bei vielen anderen Herstellern mit Richtigkeit von gefühlten 50 bis höchstens 80 Prozent. Der neue 3er? 100 Prozent. Er schaffte, was andere nicht können: Die Tempolimits auf Überkopfanzeigen richtig zu erfassen, sogar die 140er-Tafel auf der A1 erkannte er (im Cockpit- und im Head-up-Display), was bisher noch keinem Mitbewerber gelang; dazu vorausschauende Anzeigen von bald folgender Tempolimitänderung oder Überholverboten, außerdem Anzeige von gefährlichen Kurven usw. - wir waren schwer beeindruckt. Vielleicht ist autonomes Fahren bei BMW aus heutiger Sicht doch nicht so abwegig wie bei den meisten Konkurrenten. Denn auch die anderen Assistenten (adaptiver Tempomat, Spurhalter, unüberseh- und -hörbare Spurverlassenswarnung, Lenkeingriff, Rundumkamera, Parkassist etc.) waren verlässlich, aber das war schon bisher auch so.

Dass BMW jetzt das digitale Cockpit ins richtige Umfeld brachte, ist auch positiv zu erwähnen - auf die nach rechts "abbiegende" Mittelkonsole, die früher den Beifahrer massiv einengte, wird verzichtet, sie bleibt geradlinig mittig. Dass die Gestensteuerung etwas für verspielte Technikfreaks ist und eigentlich massiv ablenkt, wussten wir auch schon. Die Fülle von Bedienelementen reicht allemal. Und das Platzangebot im Fond, na ja, für Basketballer ist es nicht geschaffen. Aber der Kofferraum reicht für den Ausflug auf die Weinstraße.

Im Test: 330i xDrive Touring

Test 330i xDrive Touring
Motor/Fahrwerk Reihen-Vierzylinder-Turbobenziner (Twin Power), 1998 ccm, 190 kW/258 PS bei 5000-6500 U/min, 400 Nm bei 1550-4400 U/min. Achtgangautomatik Steptronic, Allradantrieb.
Maße/Gewichte L/B/H 4709/1827/1445 mm, Radstand 2851 mm, 1715 kg, zulässig 2260. Kofferraum 500-1510 l, Tank 59 l, Wendekreis 12,0 m.
Fahren/Verbrauch Spitze 250 km/h, Beschleunigung auf 100 km/h 5,8 Sek. Verbrauch 7,9/5,5/6,6 l/100 km (CO2: 151 g/km, Euro 6-Temp), im Test 6,7-7,2 l.
Preis 52.400 Euro; Testwagen Linie M-Sport 87.960 inkl. M-Sport (5550 Euro netto), diverse Pakete (8840), Sportdifferenzial (1175), Pano-Glasdach (1260) etc. Einstieg Touring: 320d 44.000 Euro.

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