Motorrad

Darf eine Harley elektrisch sein?

Die Harley-Davidson LiveWire im Test.

Paradigmenwechsel: Elektromotorrad Harley-Davidson LiveWire.  SN/hoyer
Paradigmenwechsel: Elektromotorrad Harley-Davidson LiveWire.

Die rein elektrisch angetriebene LiveWire polarisiert vor allem in der Harley-Gemeinde wie kein anderes Modell des Motorradherstellers aus Milwaukee. Viele befürchten, dass damit der Anfang vom Ende ihres geliebten Big-Twin-Motors gekommen ist, obwohl es sich dabei nur um eines von über 30 angebotenen Modellen handelt. Was 2014 mit dem Projekt LiveWire begann, ist mittlerweile zu einem ausgereiften Elektromotorrad herangewachsen.

Alles ist anders an dieser Harley. Die sehr gestreckte, weit nach vorn gebeugte Sitzposition, die zum sportlichen Fahren einlädt. Das straff ausgelegte Showa-Fahrwerk, das bei Bedarf voll einstellbar ist. Der neuartige, mit steigender Geschwindigkeit lauter werdende Sound, der etwas an einen Düsenjet erinnert. Das maximale Drehmoment von 116 Nm steht ab der ersten Motorumdrehung zur Verfügung und verleiht der LiveWire beeindruckende Fahrleistungen. Beim gefühlten Katapultstart ist die 100 km/h-Marke in knapp über drei Sekunden erreicht. Die E-Harley verfügt über ein umfangreiches elektronisches Fahrerassistenzsystem, welches die Beschleunigungs- und Verzögerungskräfte an die verfügbare Reifenhaftung anpasst. ABS, Traktionskontrolle und Antischlupfregelung greifen im Ernstfall sowohl auf gerader Bahn als auch in Kurven ein. Die Kombination aus Stadt und Landstraße ermöglicht die maximale Reichweite von rund 200 Kilometern. Dabei ist es nicht erforderlich, bewusst sparsam zu fahren. Bei einer Fahrt über mehrere Alpenpässe kommt man mit einer Akkuladung 170 Kilometer weit. Dies wird möglich, da bergab durch Rekuperation Energie in den Lithium-Ionen-Akku zurückgeführt wird. Bei Autobahnfahrten mit über 100 km/h steigt der Verbrauch stark an, wodurch die Reichweite schnell auf 120 Kilometer sinken kann.
Geladen wird die LiveWire mit dem praktisch unter der Sitzbank verstauten Ladegerät an jeder Haushaltssteckdose über Nacht in rund zehn Stunden. Soll es unterwegs einmal schneller gehen, ist eine CCS-Gleichstrom-Schnellladestation erforderlich, bei der das Elektromotorrad eine Ladeleistung von bis zu 20 kW erreicht. Damit kann in einer Stunde von zehn auf 100 Prozent aufgeladen und die Zeit für ein Mittagessen genutzt werden.

Im Test: Harley-Davidson LiveWire

Elektromotorrad mit Dreiphasen-Permanentmagnet-Synchronmotor, 78 kW/106 PS, Akku: 15,5 kWh, Reichweite nach WTMC: 158 km, im Test 120-200 km, Preis ab 33.625 Euro, Testfahrzeug: 33.905 Euro (abzüglich 1200 Euro E-Mobilitätsförderung).

Was gefällt:
Modernes Design, beeindruckende Fahrleistungen, erstklassige Verarbeitungsqualität.

Was weniger gefällt:
Die Serienbereifung passt nicht zum sportlichen Charakter. Bremshebel nicht einstellbar.

Was überrascht:
Wie handlich ein 249-Kilo-Bike sein kann.

Perfekt für:
An neuen Technologien Interessierte, die das Besondere schätzen.


Quelle: SN

Aufgerufen am 27.10.2020 um 05:08 auf https://motor.sn.at/motorrad/darf-eine-harley-elektrisch-sein-93263569

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