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Autofahren kann arm machen

Private Haushalte in Österreich bezahlen jährlich rund 24 Milliarden Euro für Mobilität. 90 Prozent der Kosten - monatlich rund 450 Euro pro Haushalt - entfallen dabei aufs Autofahren.

 SN/Mateusz - stock.adobe.com

Dass der Autoverkehr in Österreich nicht nur in Sachen Klimaschutz ein großes Problem darstellt, sondern auch enorm hohe Kosten verursacht, sieht man aktuell beim Tanken an der Zapfsäule schwarz auf weiß. Wer die schmerzhaften Fakten im Detail nachlesen möchte, kann dies in der neuesten Publikation des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) tun: Unter dem Titel "Gesellschaftliche Kosten des Verkehrs reduzieren" sind dort die verschiedenen Einflussfaktoren und Zusammenhänge, aber auch konkrete Lösungsansätze aufgeführt.

12 Milliarden Euro für Mobilität durch die öffentliche Hand

"Die öffentliche Hand gibt pro Jahr rund 12 Milliarden Euro für Mobilität aus, wobei die externen Kosten dabei noch gar nicht berücksichtigt werden. Diese summieren sich pro Jahr auf zusätzliche 19 Milliarden Euro. Knapp die Hälfte davon entfällt auf Verkehrsunfälle, jeweils ein Fünftel auf die Folgen von Staus sowie Luft- bzw. Umweltverschmutzung", erklärt VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Wie sehr die dramatisch angestiegenen Energiepreise diese Bilanz noch verschlimmern werden, beweist die enorme Abhängigkeit der Mobilität von Rohölimporten aus dem Ausland: Satte 81 Prozent des nach Österreich importierten Erdöls fließen direkt in den Verkehr und hier wiederum 95 Prozent in den Pkw- und Lkw-Verkehr. Der Kfz-Verkehr ist damit der Hauptverursacher der Erdöl-Abhängigkeit des Landes. Dazu kommt, dass der Großteil der Ölimporte aus Staaten kommt, die große Defizite bei Demokratie und Pressefreiheit aufweisen: Auf Platz eins liegt Kasachstan mit 39 Prozent, gefolgt von Libyen mit 22 Prozent, dem Irak mit 21 Prozent, Russland (8 Prozent) sowie dem Jemen (4 Prozent).

„Über 40 Jahre gibt ein Haushalt mit einem Auto rund 214.000 Euro aus.“
Michael Schwendinger, Sprecher VCÖ

Doch nicht nur die öffentliche Hand, auch die Privathaushalte kommt diese Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen mittlerweile teuer zu stehen: Etwa 24 Milliarden Euro geben private Haushalte hierzulande pro Jahr für ihre Mobilität aus. Michael Schwendinger: "Durchschnittlich 16 Prozent des Haushaltsbudgets fließen in Österreich direkt ins eigene Mobilitätsbedürfnis, das sind rund 500 Euro pro Monat. Das ist nach dem Wohnen der zweitgrößte Posten."

Knapp 90 Prozent des Geldes werden für Autos und Motorräder bezahlt, wobei rund ein Drittel der Kosten dabei auf die Anschaffung und die Instandhaltung entfällt, der Rest auf Treibstoff sowie Versicherung. Die Ausgaben für den öffentlichen Verkehr fallen mit 7 Prozent, das sind im Durchschnitt 35 Euro pro Monat, dagegen kaum ins Gewicht. Besonders eindrücklich werden die tatsächlichen Kosten des Autobesitzes, wenn man sie über den Zeitraum einer durchschnittlichen Erwerbstätigkeit betrachtet: "Über 40 Jahre gibt ein Haushalt mit einem Auto dafür im Schnitt 214.000 Euro aus, bei zwei Autos kommen sogar 380.000 Euro zusammen - da kann man sich an manchen Orten sogar noch eine
Eigentumswohnung kaufen", so der VCÖ-Experte.

Reiche Haushalte verbrauchen das Sechsfache an Treibstoff

Besonders spannend aus sozialer Sicht: Während die 10 Prozent der Haushalte mit den niedrigsten Einkommen im Durchschnitt gerade einmal 285 Liter Treibstoff im Jahr tanken, verbrauchen die 10 Prozent der Haushalte mit den höchsten Einkommen fast sechs Mal so viel, knapp 1700 Liter.

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