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Bits und Bytes statt PS auf der CES in Las Vegas

Die automobilen Highlights der CES, der Consumer Electronics Show, in Las Vegas. Passend zur Location bieten die Hersteller vor allem jede Menge Bling-Bling.

An jenem Ort, wo vor über 50 Jahren der erste Videorekorder gezeigt wurde und wo einst auch die DVD ihren Siegeszug begann, stehen die großen Autohersteller ausnahmsweise nur in der zweiten Reihe. Kein Wunder - auf der Consumer Electronics Show (CES) in der Glücksspiel-Metropole Las Vegas gehörten von 5. bis 8. Jänner die großen Bühnen naturgemäß den führenden Anbietern von Unterhaltungselektronik. Und doch gewinnt der weltweit wichtigste Branchentreff für die Autohersteller immer mehr an Bedeutung. Standen bei den traditionellen Automessen früherer Tage meist Leistung und Luxus im Vordergrund, entscheiden heute digitale Kompetenz und die Fähigkeit zum autonomen Fahren darüber, wer die weltweite Aufmerksamkeit bekommt.

Sony steigt in die Autobranche ein

Umso besser passt es deshalb, dass eine der spannendsten Autopremieren der diesjährigen CES ausgerechnet am Stand des Unterhaltungselektronikriesen Sony bewundert werden konnte. Gemeinsam mit dem Autobauer Honda kündigte man eine neue Premium-Marke für Elektroautos an. Unter der Bezeichnung Afeela soll ab dem Jahr 2026 zunächst in den USA eine 4,90 Meter lange Limousine auf den Markt kommen, die vor allem in Sachen Vernetzung, Selbstfahrtechnik und der nahtlosen Einbindung des Infotainmentsystems überzeugen soll. Ob die Japaner, die erst 2022 endgültig grünes Licht für ihren Einstieg als Autohersteller gaben, mittelfristig auch nach Europa expandieren werden, steht derweil noch in den Sternen. So gut wie sicher erscheint aus heutiger Sicht, dass man neben US-Branchenprimus Tesla längst auch Apple als Hauptkonkurrenz auserkoren hat. Die iPhone-Produzenten aus Kalifornien waren in Las Vegas zwar die großen Abwesenden, hatten aber unlängst die Markteinführung des lang erwarteten Apple-Cars für 2026 in Aussicht gestellt.

Im selben Segment wie das kommende Sony-Elektroauto dürfte auch der VW ID.7 wildern, der ebenfalls auf der CES präsentiert wurde. Neben einer Reichweite von bis zu 700 Kilometern stellte man bei Volkswagen ein überarbeitetes Bediensystem in Aussicht, geizte ansonsten allerdings mit Details zum elektrischen Passat-Pendant. Vielmehr rückte man in Las Vegas die leuchtende Tarnlackierung des ID.7 in den Mittelpunkt, die in sage und schreibe 40 Schichten aufgetragen wurde und zu einem echten Wow-Effekt führte: Unter Strom gesetzt, leuchtet die in 22 Segmente unterteilte Außenhaut des ID.7 wie der sprichwörtliche Christbaum.

iVision Dee - Lack mit Farbwechsel

Dass es auch auf der diesjährigen CES nicht um Hubraum und Pferdestärken ging, wurde auch beim BMW-Stand schnell klar: Das dort gezeigte Konzeptfahrzeug i Vision Dee verfügt ebenfalls über einen Außenlack mit Farbwechselfunktion. Dank der fortschrittlichen E-Ink-Technologie lassen sich auf Wunsch insgesamt 32 verschiedene Farbtöne darstellen - mit dem Unterschied, dass das bayerische Chamäleon lediglich beim Farbwechsel elektrische Energie verbraucht. Weitaus näher an der Praxis wirkt der Innenraum der BMW-Studie. Hier ersetzt ein fortschrittliches Head-up-Display sämtliche Touch-Displays. Diese Technologie, mithilfe derer relevante Informationen auf die gesamte Breite der Windschutzscheibe projiziert werden, soll bereits 2025 in der "neuen Klasse" auf den Markt kommen und für mehr Übersicht und Sicherheit bei der Bedienung der unzähligen Funktionen sorgen.

Auch Stellantis war mit ausgesuchten Marken auf der CES vertreten. Während das auf maximale Sportlichkeit getrimmte Peugeot Inception Concept mit seinen 680 PS einen Ausblick auf das futuristische Design und die neue Elektroplattform der französischen Marke gab, stand beim US-amerikanischen Messepublikum eher die Schwestermarke RAM im Vordergrund. Dort zeigt man mit dem RAM Revolution Concept die Vorabversion des für 2024 erwarteten Serien-Pick-ups RAM 1500 BEV mit reinem Elektroantrieb, der in den USA künftig vor allem gegen den Ford F-150 antreten soll.

Ohne eigenes Konzeptfahrzeug in Nevada vertreten war Mercedes-Benz. Die Stuttgarter kündigten im Rahmen einer Präsentation den Aufbau eines eigenen, weltweiten Ultraschnell-Ladenetzes an. Begonnen wird mit dem Bau der 350 Kilowatt starken Säulen für Eigen- und Fremdkunden demzufolge in den USA.

Der Trend weg vom reinen Maschinenbauer hin zum digitalen IT-Unternehmen ist auch bei den Autozulieferern erkennbar. Allen voran das Unternehmen ZF präsentierte sich in Las Vegas zukunftsfit und zeigte gemeinsam mit dem US-Mobilitätsdienstleister Beep einen autonom fahrenden Shuttlebus für 22 Passagiere, der schon in naher Zukunft tausendfach in amerikanischen Großstädten als Verkehrsmittel zum Einsatz kommen soll. Bei der Orientierung sollen Radar, Lidar und Kameras sowie eine ausgeklügelte Geräuscherkennung helfen. Lenkrad und Pedale gibt es keine mehr an Bord, die Reichweite des "People Mover" liegt laut Angaben der Hersteller bei rund 130 Kilometern.

Morphing-Oberflächen für Effizienz und Funktionalität

Auch der austrokanadische Konzern Magna nutzte die Bühne der CES, um zukunftsorientierte Lösungen vor den Vorhang zu holen. Einer der Höhepunkte des Magna-Stands war die erste öffentliche Präsentation von Morphing-Oberflächen, die zusammen mit dem "Mezzo Plus-Frontpanel" gezeigt wurden. Dieses aerodynamische System kann die äußere Form eines Fahrzeugs verändern und sich anpassen, um Effizienz und Funktionalität zu verbessern. Das Unternehmen stellte außerdem eine neue SmartAccess-Lösung vor, welche die B-Säule überflüssig macht und den Zugang zum Fahrzeuginnenraum verbessert.

Moderne Mobilitätsdienste von Bosch

In den Bereich der modernen Mobilitätsdienste will man unter anderem auch bei Bosch. Das Stuttgarter Unternehmen präsentierte das Innenraumüberwachungssystem "Ride Care Companion" für kommerzielle Fahrdienste und Robotaxis. Der Mix aus E-Call-Notruf und Dash-Cam beobachtet per Kamera das Fahrzeuginnere und speichert Bilder im Falle eines ungewöhnlichen Ereignisses in der Cloud. Über einen SOS-Knopf kann darüber hinaus eine Sprach- und Videoverbindung zu einem Callcenter-Mitarbeiter aufgebaut werden.

Auch die im Bereich der Unterhaltungselektronik etablierten Chiphersteller rückten bei der diesjährigen CES in den Fokus des Interesses. So soll der neue Snapdragon-Ride-Flex-Chip des Herstellers Qualcomm ab 2025 in den ersten Fahrzeugen zu haben sein und als zentrale Schnittstelle im Fahrzeug fungieren.

Aufgerufen am 09.02.2023 um 11:13 auf https://motor.sn.at/news/bits-und-bytes-statt-ps-auf-der-ces-in-las-vegas-132795406

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