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Citroën wird 100 - Rückblick auf eine renommierte Automarke

Happy Birthday Citroën. Geniale Patente und unvergessene Modelle machen die französische Marke unsterblich.

Wer glaubt, die Franzosen hätten keinen Humor, sollte dieser Tage nach Deutschland blicken: Dort beging Citroën das 100-Jahr-Markenjubiläum mit einer handfesten Ente. Gemeint ist nicht das kultige, über die Maßen gefederte Auto, sondern jene in der Zeitung. Der Hintergrund: In einem satirischen Onlinevideo wurde behauptet, der französische Autobauer würde sich anlässlich des runden Geburtstags in "Zitrön" umbenennen, um den deutschen Kunden endlich die richtige Aussprache zu ermöglichen. Passend dazu ersetzt Citroën auf seiner deutschen Website das bekannte Logo durch einen eingedeutschten Schriftzug und den Schriftzug "inspired by Germans".
Bei Weitem stilvoller ging es im Vergleich dazu beim Höhepunkt der offiziellen 100-Jahr-Feierlichkeiten auf der Teststrecke La Ferté-Vidame rund 120 Kilometer westlich von Paris zu. Nicht weniger als 11.000 Citroën-Sammler und mehr als 60.000 Besucher aus aller Welt kamen an jenem historischen Ort zusammen, wo einst schon der legendäre 2CV seine ersten Testrunden gedreht hatte.

Die Citroën-Historie - Wie alles begann

Die spannende Geschichte jener Marke, die wie kaum eine andere für Fahrkomfort steht, beginnt jedoch schon viel früher. Ab dem Jahr 1912, noch bevor sich Firmengründer André Citroën den Traum der eigenen Automarke erfüllt, verdient er sein Geld mit der Konstruktion von Zahnrädern. Sein Patent der Winkelverzahnung ermöglicht einen effizienteren und vor allem leiseren Lauf - was in der Industrie für ein enorm positives Echo sorgt und letztlich das Kapital für die Gründung der Automanufaktur einbringt. Noch heute erinnert das weltbekannte Markenlogo mit dem Doppelwinkel an die Winkelverzahnung. Die erste Ausgabe des Logos war zudem gelb umrandet - eine Referenz auf den Spitznamen, den der Ururgroßvater von André Citroën, ein Zitrusfrüchte-Verkäufer in Holland, von seinen Kunden bekommen hatte: "Limonenmann". Daraus wurde im Laufe der Zeit Citroën, das holländische Wort für Zitrone. Den charakteristischen Doppelpunkt auf dem e gab sich der Firmengründer selbst bei der Einschulung in das elitäre Lycée Condorcet, um die französische Aussprache seines Namens zu verdeutlichen.

1919: "kleine Zitrone"
Ebenso bahnbrechend wie sein Patent für die Winkelverzahnung agiert André Citroën auch beim Start der Autoproduktion im Jahr 1919: Das erste Modell, der 5 HP, gilt heute als das erste erschwingliche Auto Europas. Die Basis für den Erfolg des vom Volk ob seiner gelben Lackierung meist "kleine Zitrone" genannten Autos liegt in dessen Produktion. Zuvor hatte der Firmengründer die von Henry Ford in Amerika erfundene Fließbandproduktion studiert und diese nach Europa gebracht. Neben der erstmals angebotenen Autofinanzierung trugen die einfache Wartung, die leichte Bedienung und natürlich der bis dahin nicht da gewesene Fahrkomfort zum großen Erfolg des Premierenmodells bei.
Binnen weniger Jahre stieg Citroën zum führenden Autohersteller in Europa auf. Nach wie vor fungierte der Firmengründer vor allem als genialer Ingenieur, der seine Kunden mit den ersten verstellbaren Vordersitzen, den ersten Bremsleuchten oder den ersten Karosserien aus Stahl anstatt aus Holz begeisterte. Lange vor der Erfindung des Crashtests simulierte Citroën bereits in Eigenregie Unfälle. Mindestens ebenso erfolgreich war der visionäre Firmenchef als Werber. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten finanziert er dem französischen Staat 150.000 Verkehrszeichen - nicht ohne diese mit dem Markenschriftzug zu versehen.

1925: Beleuchtung des Eifelturms
Zur Eröffnung der Internationalen Kunstgewerbeausstellung 1925 beleuchtet er den Eiffelturm mit einem Citroën-Schriftzug aus insgesamt 250.000 Glühbirnen. Erstaunlich: Bis 1934 bleibt die noch aus 40 Kilometern sichtbare Werbebotschaft auf dem französischen Wahrzeichen. Bei seiner Atlantiküberquerung orientiert sich Charles Lindbergh am hellen Strahlen des Citroën-Zeichens - und bedankt sich nach seiner Landung ausdrücklich auch bei André Citroën.

1930: "Gangsterauto"
Gleichermaßen innovativ und berühmt wurde auch der Anfang der 1930er-Jahre entwickelte Traction Avant: Dessen namensgebender Vorderradantrieb ist in Zeiten schwierig zu kontrollierender Heckantriebler ebenso revolutionär wie die selbsttragende Ganzstahlkarosserie, der extrem tiefe Schwerpunkt oder der lange Radstand. Die hervorragenden Fahreigenschaften machten den TA zum bevorzugten Fluchtfahrzeug vermögender Krimineller, was ihm den Ruf eines typischen "Gangsterautos" einbrachte. André Citroën selbst erlebte den Erfolg des Traction Avant nicht mehr: Er starb im Jahr 1935.

1947: Typ H als Einsatzfahrzeug
Nach dem Krieg lieferte das Unternehmen weiter Bestseller am laufenden Band. 1947 wurde der Lieferwagen Typ H präsentiert, der nicht nur bei Gewerbetreibenden extrem beliebt ist, sondern auch von Polizei und Rettung als Einsatzfahrzeug genutzt wird. Bis zum Jahr 1981 wird das unverwüstliche Arbeitstier fast unverändert produziert.

1948: Die berühmte Ente
Schon ein Jahr nach dem Typ H präsentiert Citroën mit dem 2CV einen minimalistischen Kleinwagen, der gemäß dem Auftrag des damaligen Direktors Pierre-Jules Boulanger "genug Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht. Außerdem soll er selbst schlechteste Wege bewältigen können und so einfach zu bedienen sein, dass selbst eine ungeübte Fahrerin problemlos mit ihm zurechtkommt."
Das Resultat: Der 2CV - die berühmte Ente - wird 41 Jahre lang mehr als fünf Millionen Mal verkauft. Die unnachahmlich langen Federwege, das Fetzendach und seine Langsamkeit (am Anfang leistete der Zweizylinder-Benziner gerade einmal 9 PS) machten den "fahrenden Gartenstuhl mit Schirm" zur Legende. Dank des tiefen Schwerpunkts konnte die Ente kaum kippen, und selbst das geringe Tempo wurde von Fans zum Sicherheitsfeature uminterpretiert: "Der 2CV ist noch gar nicht da, wenn der Unfall passiert."

1955: "Göttin"
Doch auch am anderen Ende des Fahrzeug-Spektrums feierte Citroën Erfolge: 1955 präsentierte man die DS, ein Oberklassemodell, das ob seines Designs und des Gleichklangs des Buchstabenkürzels "déesse" oft nur "Göttin" genannt wurde. Über 20 Jahre lang wird diese "Skulptur auf der Straße" gebaut und verkauft. Die von André Lefèbvre konstruierte Hydropneumatik hebt nicht nur den Federungskomfort in bis dato ungeahnte Höhen, sondern rettet sogar Staatspräsident Charles de Gaulle: Nach einem Attentat kann die DS trotz zerschossenen Hinterreifens mit drei Rädern weiterfahren.

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.11.2019 um 10:36 auf https://motor.sn.at/news/citroen-wird-100-rueckblick-auf-eine-renommierte-automarke-74546986

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