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Der Milliarden-Plan von Seat

Zum 70. Geburtstag stellt man bei Seat die Weichen für die Zukunft. Bis 2025 werden fünf Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung neuer Modelle und Werke fließen.

Dass in der Automobilbranche derzeit kein Stein auf dem anderen bleibt, liegt vor allem, aber nicht nur an schwächelnden Verkaufszahlen. Vielmehr wird hinter den Kulissen schon längere Zeit fieberhaft an neuen, krisensicheren und vor allem zukunftsträchtigen Geschäftsmodellen gebastelt. Eine Marke, bei der dieser Prozess besonders spektakuläre Resultate liefert, ist die spanische Volkswagen-Tochter Seat.

Seit die von langer Hand geplanten Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag des Unternehmens am 9. Mai coronabedingt abgesagt werden mussten, jagt ein mit voller Energie inszeniertes Highlight das nächste. So nahm man die feierliche Eröffnung der Casa Seat, einer Art "Museum der Moderne" für die Mobilitätsbranche, im Herzen Barcelonas zum Anlass, die intensiven Bemühungen im Bereich der urbanen Mikromobilität unter der neuen Submarke Seat Mó zu vereinen. Zwar könnte man den spektakulären Rahmen durchaus als etwas überdimensionierte Verkaufsveranstaltung für die neuen, vollelektrischen Motorroller und Scooter-Modelle kritisieren, die noch dazu nicht aus eigener Fertigung stammen, sondern von einem externen Hersteller zugekauft und mit dem eigenen Logo zum Verkauf angeboten werden.

Andererseits symbolisiert die Casa Seat tatsächlich den Vorsprung, den sich Seat im Bereich alternativer Mobilitätsangebote für eine junge, urbane Zielgruppe gegenüber der Konkurrenz erarbeitet hat - zum größten Teil noch ein Verdienst des visionären Ex-CEOs Luca de Meo, der Anfang des Jahres als Vorstandschef zu Renault gewechselt ist.

Doch auch der neue Mann an der Unternehmensspitze, Carsten Isensee, setzt den Umbau des Herstellers kaum weniger ambitioniert fort als sein Vorgänger. Im Gegenteil: Bis 2025 wird Seat nicht weniger als fünf Milliarden Euro investieren. Der Löwenanteil davon soll zur Elektrifizierung der Flotte verwendet werden. Zudem bekommen die Werke in Martorell und Barcelona neue Produktionsanlagen. "Unser Ziel ist es, in Martorell ab 2025 vollelektrische Fahrzeuge zu fertigen, sobald der Markt für Elektroautos gewachsen ist", so Isensee anlässlich eines Medientermins diese Woche. Dazu gehört auch der Ausbau von Seat:Code. Das firmeneigene Softwareentwicklungszentrum wird im Stadtzentrum Barcelonas ein weiteres Büro für rund 150 Entwickler eröffnen. Direkt an der berühmte Flaniermeile La Rambla wird nicht nur die digitale Transformation von Seat und Cupra vorangetrieben. Langfristig soll der gesamte Volkswagen-Konzern von den digitalen Produkten und Lösungen der Katalonier profitieren.

Eine weitere thematische Brücke zwischen Spanien und Deutschland ist der Cupra el-Born. Das erste vollelektrische Modell wird in Barcelona entworfen und entwickelt und in Zwickau auf Basis der MEB-Plattform gefertigt. Auf den Markt kommt der el-Born bereits 2021. "Der aktuelle Wandel in der Automobilindustrie ist für neue Marken wie Cupra eine Riesenchance zur Weiterentwicklung", zeigt sich Wayne Griffiths betont optimistisch. Langfristig sieht der Cupra-CEO für seine Marke sogar ein Umsatzziel von einer Milliarde Euro. Bis es so weit ist, gilt es freilich noch, die aktuelle Absatzkrise zu überstehen. "Wir konnten in den letzten Monaten bereits eine leichte Verbesserung beobachten und sind sicher, dass sich eine teilweise Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2020 einstellen wird", so Isensee.

Quelle: SN

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