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Der VW Hoffnungsträger: Beginn der Generation ID

Im September werden die ersten ID.3 in Österreich ausgeliefert. Die Premieren-Ausfahrt im vielleicht wichtigsten Modell der VW-Geschichte hat überzeugt.

Die Zukunft der Marke VW fährt sich wie ein ganz normales Auto. Diese Erkenntnis steht am Ende der ersten Testfahrt mit dem VW ID.3. Für all jene, die sich vom ersten Vertreter des neuen Modularen E-Antriebsbaukastens von Volkswagen lebenslaufverändernde Neuheiten erwartet haben, mag das eine schlechte Nachricht sein. Für Volkswagen, den seit Monaten wirtschaftlich gebeutelten und obendrein medial heftig gescholtenen Marktführer, kann es mittelfristig zur Lebensversicherung werden. Denn bei all den großen Worten und Ankündigungen aus der Konzernzentrale in Wolfsburg hat der ID.3 vor allem eine zentrale Aufgabe zu erfüllen: Er muss der etwas in die Jahre gekommenen Generation Golf die Angst vor der Elektromobilität nehmen. Und das funktioniert am besten ohne zu viel technischen Firlefanz. Kindische Spielereien wie Videospiele am Display oder eine Furzkissen-Funktion, wie sie Tesla-CEO Elon Musk gern in seine Fahrzeuge verbaut, wären in diesem Auto auch fehl am Platz.

Unterm Strich ist der ID.3 ein bemerkenswertes Auto mit spannenden Detaillösungen. So setzt beispielsweise der nur 90 Kilogramm schwere Elektromotor auf verschränkte Magnete im Rotor. Der Effekt: Der 204 PS starke, permanent erregte Synchronmotor ist spürbar leiser als alles, was die Konkurrenz bis dato an Elektromotoren verbaut hat. Auch die Art und Weise, wie es die Designer und Programmierer in Wolfsburg geschafft haben, die vertraute, über Jahrzehnte eingelernte Ergonomie von Golf, Passat & Co. ins Elektrozeitalter zu übersetzen, beeindruckt nachhaltig.

Am deutlichsten spürt man die Auswirkungen des Modularen Elektrobaukastens beim Platzangebot des ID.3: Obwohl der kompakte Stromer annähernd die gleichen Ausmaße wie der aktuelle Golf 8 aufweist, wirkt der Innenraum deutlich größer. Vor allem bei der Kopffreiheit im Fond erinnert der ID.3 eher an den Passat als an den Golf. Vorn wähnt man sich ob der flachen, weit nach vorn reichenden Windschutzscheibe und der Dreiecksfenster in der A-Säule eher in einem Van als in einem Kompaktmodell. Der Kofferraum ist mit 385 Litern (1267 Liter bei umgeklappten Rücksitzen) dann wieder auf Golf-Niveau. Doch auch das ist bemerkenswert, schließlich verbirgt sich der E-Motor wie bei den luftgekühlten Modellen der 1970er-Jahre ganz im Heck.

Über den sogenannten Cluster-Schalter, der rechts aus dem kleinen Tacho-Display ragt, kann der Fahrer einstellen, ob der Motor rekuperieren soll - also Energie zurückgewinnt, sobald man vom Gas geht. Feinere Abstufungen bieten dann die vorprogrammierten Fahrmodi, die übers zentrale Display ausgewählt werden. Während die intelligente Sprachsteuerung "Hallo ID" beeindruckt, kann das Augmented-Reality-Head-up-Display noch nicht final bewertet werden. Die Coronakrise hat die Entwicklung laut VW verzögert, die noch ausständigen Features werden Anfang 2021 per Update in der Werkstatt nachgeliefert.

Umso mehr Spaß macht schon jetzt das Fahren im ID.3. Der zum Marktstart verfügbare Motor mit 150 kW bzw. 204 PS beschleunigt das 1730 Kilogramm schwere Fahrzeug in nur 7,3 Sekunden von 0 auf 100. Fahrwerk und Lenkung sind gutmütig abgestimmt, und trotz des Heckantriebs bleibt der ID.3 in jeder Fahrsituation leicht zu beherrschen. Für die getestete Version mit mittelgroßem Akku gibt VW eine Reichweite von rund 420 Kilometern nach WLTP an. Bis Jahresende soll dann auch die große Batterie mit einer Reichweite von 549 Kilometern zu haben sein. Für die Version mit dem kleineren Akku und maximal 300 Kilometer Reichweite muss man sich allerdings bis 2021 gedulden. Dann kommt auch die Basismotorisierung mit 107 kW bzw. 146 PS.

Für alle Modelle gilt eine Akku-Garantie von 160.000 Kilometern oder acht Jahren. Je nach Batteriegröße lädt der ID.3 mit einer Leistung von 100 oder 125 kW. An einer Schnellladestation kann so in einer halben Stunde bis zu 350 Kilometer Reichweite aufgeladen werden. An der Wallbox mit 11 kW dauert eine komplette Ladung je nach Version sechs bis siebeneinhalb Stunden. Wer ein Modell der First Edition bestellt hat, erhält seinen ID.3 bereits im September. Die Serienversion ID.3 Pro Performance ab rund 35.000 Euro ist ab August bestellbar und wird bis Jahresende ausgeliefert. Die Preise für die insgesamt sieben verschiedenen Ausstattungspakete liegen zwischen 37.000 und knapp 47.000 Euro.

Quelle: SN

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