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"Die Formel E wird die Formel 1 in zehn Jahren einholen"

Wie Premiumanbieter DS die Formel E für die Zukunft nutzt. Der politische Zwang zu E-Mobilität lässt Hersteller in die Elektroserie drängen.

Act verschiedene Sieger in acht Rennen machen die Formel E unberechenbar. André Lotterer (DS Techeetah vorn) wurde zwei Mal Zweiter und sehnte seinen ersten Sieg herbei. SN/afp
Act verschiedene Sieger in acht Rennen machen die Formel E unberechenbar. André Lotterer (DS Techeetah vorn) wurde zwei Mal Zweiter und sehnte seinen ersten Sieg herbei.

Schon in zwei Details ist die Elektrorennserie Formel E wegen Alleinstellungsmerkmalen innerhalb des Int. Automobilverbands (FIA) bemerkenswert: Sie ist das einzige Championat, das einen Titelsponsor lukrierte (den Schweizer Technologiekonzern ABB) und die einzige FIA-Meisterschaft mit derzeit acht Herstellern unter elf Teams. Und das Übergewicht der Werkteams wird sich in der Saison sechs, die im Dezember wohl wieder in Saudi-Arabien beginnen wird, noch verschärfen: Dann kommen Porsche und Mercedes (ersetzt dann HWA) hinzu und erhöhen die Teilnehmerzahl auf das Maximum von zwölf Mannschaften.

Warum Hersteller - und hier treffen sich "klassische" Autobauer und ambitionierte Neulinge bzw. Spezialisten aus Asien und Europa - dermaßen in die erst 2014 vom spanischen Unternehmer Alejandro Agag gegründete Serie drängen, ist klar: Die Politik schreibt emissionsarme Fahrzeuge mehr und mehr vor, die derzeit einzige Alternative ist der Elektroantrieb mit Batterien. Und dafür ist die Formel E das ideale Lern- und Experimentierfeld.

"Formel 1 und WEC (Langstrecken-WM, Anm.) fahren ja auch ganz oder teilweise mit Hybridantrieben, die aber viel zu kompliziert für die Serie sind. Die Formel E ist da viel näher dran", erklärt Xavier Mestelan, Direktor für Hochleistungsfahrzeuge beim Premiumhersteller DS. Die Franzosen spannten vor dieser Saison mit dem in chinesischem Eigentum stehenden und von Ex-McLaren-Techniker Mark Preston geführten Team Techeetah zusammen und holten die neuen Partner in den nun gemeinsamen Teamsitz nach Satory bei Paris. "Dort werken insgesamt 100 Mitarbeiter unter einem Dach und haben direkte Kommunikationsmöglichkeiten. Das ist ein großer Vorteil", sagt der Franzose, der noch anmerkt: "Die Entwicklungsabteilung für Serienautos ist auch dort beheimatet. So arbeiten Serie und Rennsport nahtlos zusammen."

Das Resultat für DS-Kunden wird heuer greifbar: Der kleine DS 3 Crossback kommt als E-tense in rein elektrischer Version, der große DS 7 Crossback als Plug-in-Hybride.

Die größte Lernmöglichkeit in der Formel E ergibt zweifellos das Batteriemanagement. "Wir können beim Bremsen 30 bis 40 Prozent rekuperieren", sagt Mestelan. Wer bremst verliert? Der legendäre Spruch einer heimischen Motorsportlegende gilt in der Formel E nicht mehr.

Das aktuelle Gen-2-Auto soll bis Saison acht eingesetzt werden, doch es gibt laufend Verbesserungen, bestätigt Mestelan, der die Formel E als Rennsport für eine "neue Generation" sieht: "Die Formel 1 kann nicht vollelektrisch werden. Aber die Formel E wird die Formel 1 in zehn Jahren einholen."

DS wird - wie andere Hersteller auch - demnächst jede Baureihe elektrifiziert haben, bestätigt Markenchef Yves Bonnefont, der unter Premium versteht: "Egal mit welchem Antrieb, Komfort muss immer da sein." Die größten Herausforderungen der E-Mobilität sieht Bonnefont "im Gewicht der Batterien und im Schnellladenetz".

Neu in Saison fünf

"Gen 2"

Mit der fünften Saison, die Mitte Dezember mit der Premiere in Ad Dirriyah (Saudi-Arabien) begann und Mitte Juli in New York endet, wurde auch das neue Auto eingeführt. Der Fahrzeugwechsel zu Rennmitte (nach ca. 22 Minuten) wegen zu geringer Batteriekapazität entfällt nun; gefahren werden 45 Minuten plus eine Runde.

Chassis
Das Einheitschassis kommt wieder von Dallara: 5160 Millimeter lang (plus 160 zu Gen 1), Bodenfreiheit 75 Millimeter, Radstand 3100. Minimumgewicht inkl. Fahrer 900 Kilogramm (davon Batterien: 385, um 20 bzw. 65 mehr als Gen 1). Einheitsreifen (profiliert) von Michelin, 18 Zoll, für trocken und nass. Bremsen: Brembo.

Antrieb
Max. Leistung 250 kW (335 PS) (+50/67 zu Gen 1), im Rennmodus 200 kW (270 PS), maximale Rekuperation 250 kW. Maximale Energieabgabe 54 kWh (doppelt so viel wie Gen 1). Höchstgeschwindigkeit:
280 km/h (+55).

Extras

Neben dem "Fanboost" (kurzzeitige Zusatzpower nach interaktiver Fanwahl für fünf Fahrer) gibt es heuer die "Attack Mode" (vergleichbar mit einem "Push Button" in anderen Serien für bessere Überholchancen): 25 kW zusätzliche Leistung beim Überfahren einer Aktivierungszone (muss genau getroffen werden) für vier Minuten, vorgeschrieben zwei Mal pro Rennen.

"European Races"

Als Sponsor der fünf europäischen Rennen ist heuer erstmals der österreichische Technologiekonzern voestalpine an Bord, der an den Fahrer mit den meisten Podestplätzen in Rom (13. April), Paris (27. April), Monaco (11. Mai), Berlin (25. Mai) und Bern (22. Juni) einen Extrapokal aus dem eigenen 3D-Drucker vergibt.


Aufgerufen am 23.05.2019 um 11:15 auf https://motor.sn.at/news/die-formel-e-wird-die-formel-1-in-zehn-jahren-einholen-69979381

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