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Eine Frage des Ansteckens

Schlechte Klimabilanz für Plug-in-Hybride im echten Fahrbetrieb. Vor allem Dienstwagen legen im Schnitt nur 20 Prozent der Kilometer elektrisch zurück.

Plug-in-Hybride sind nur dann umweltfreundlich, wenn sie möglichst oft aufgeladen werden. SN/bmw
Plug-in-Hybride sind nur dann umweltfreundlich, wenn sie möglichst oft aufgeladen werden.

Auf dem Papier sind moderne Plug-in-Hybride regelrechte Verbrauchswunder: Zwei Tonnen schwere Fahrzeuge mit weit über 200 PS sollen laut Herstellerangaben weniger als zwei Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Kein Wunder, dass jene Modelle, die wahlweise an der Zapfsäule aufgetankt oder an der Steckdose aufgeladen werden können, in den Verkaufsstatistiken immer weiter nach oben klettern. So hat sich die Anzahl der in Österreich neu zugelassenen Plug-in-Hybride im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht. Und das, obwohl der Corona-Shutdown den Neuwagenverkauf im Frühjahr zeitweise praktisch zum Erliegen gebracht hat. Der aktuelle Boom hat neben einem vermeintlich guten Gewissen in Sachen Klimaschutz vor allem auch finanzielle Gründe: Schließlich gibt es in Österreich eine Kaufprämie von 2500 Euro für Plug-in-Hybride mit Benzinmotor und einer rein elektrischen Reichweite von mindestens 50 Kilometern.

Eine neue internationale Studie des Fraunhofer-Instituts, die gemeinsam mit dem International Council on Clean Transportation (ICCT) durchgeführt wurde, stellt Plug-in-Hybriden nun ein verheerendes Zeugnis aus. Bei einer Untersuchung von weltweit mehr als 100.000 Pkw stellte sich heraus, dass der tatsächliche CO2-Ausstoß um das Zweieinhalbfache über jenen Laborwerten liegt, die im offiziellen WLTP-Testzyklus festgestellt werden. Diese dienen dem Gesetzgeber auch als Basis für die - im Falle der Plug-in-Hybride günstige - steuerliche Einstufung. Sogar noch weiter klafft die Lücke zwischen Theorie und Praxis bei den Dienstwagen auseinander. Hier liegen die realen CO2-Emissionen im Schnitt sogar noch um das Drei- bis Vierfache höher als im Zulassungsschein angegeben. Der Grund: In den Fuhrparks wird im Durchschnitt nur jeder fünfte Kilometer rein elektrisch zurückgelegt.

Wie gehen die Importeure mit dem Thema Hybrid um?

"Wir wollen unseren Kunden keinesfalls diktieren, welche Modelle sie zu kaufen haben und wie sie damit fahren sollen", stellt Richard Mieling, der Leiter der Marken- und Unternehmenskommunikation bei Porsche Austria, fest. Allerdings wachse aktuell das Angebot und damit auch die Nachfrage vor allem bei den durchwegs vernünftig motorisierten Mittelklasse-Modellen bei Audi, VW, Škoda und Seat. Bei der Sportwagen-Marke Porsche liegt der Hybrid-Anteil mittlerweile sogar bei über 50 Prozent. Zudem gäbe es mittlerweile viele Möglichkeiten, Hybride nachzuladen. Etwa bei allen Händlerbetrieben der Konzernmarken sowie bei einem Besuch der Moon City in der Salzburger Sterneckstraße sogar kostenfrei.

Mercedes-Benz Österreich bietet seinen rund 250 Mitarbeitern am Standort Eugendorf Lademöglichkeiten für private Pkw zum vergünstigten Firmentarif an. Außerdem stehen über 60 Ladepunkte für Dienstwagen zur Verfügung, inklusive Schnellladestationen mit einer maximalen Leistung von 110 kW. "Nachdem Elektromobilität in allen Facetten nur dann wirklich grün ist, wenn der Strom aus regenerativen Stromquellen kommt, haben wir bei der Planung der neuen Österreich-Zentrale konsequent auf Ökostrom gesetzt. Auch unsere Lademöglichkeiten sind beliebig nach oben ausbaubar: Sollten wir merken, dass wir mit der Anzahl an Ladepunkten nicht mehr auskommen, können wir unkompliziert aufstocken", so Mercedes-Pressesprecher Bernhard Bauer.

eDrive-Zones

Bei BMW Austria nutzt man sogenannte eDrive-Zones als Anreiz für die Kunden, den E-Antrieb möglichst häufig zu nutzen. "Dabei schaltet ein Hybridfahrzeug mittels Geofencing beim Einfahren in eine Umweltzone automatisch in den reinelektrischen Fahrmodus", berichtet BMW-Austria-Sprecher Michael Ebner. "Gleichzeitig erhalten BMW-Fahrer zukünftig BMW Points in einem Loyalitätsprogramm, die sich in nützliche Prämien umtauschen lassen." Für elektrisches Fahren in eDrive-Zonen verdoppelt sich sogar die Punkteanzahl. In Österreich ist der Service in den Städten Salzburg, Wien, Innsbruck, Linz und Graz verfügbar.

Quelle: SN

Aufgerufen am 27.10.2020 um 04:18 auf https://motor.sn.at/news/eine-frage-des-ansteckens-93860989

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