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Fusion PSA und Fiat Chrysler - Ein neuer Autoriese entsteht

Die Fusion von PSA und Fiat Chrysler zum viertgrößten Hersteller Stellantis steht fest. Der Zusammenschluss soll dringend benötigte Synergien in Höhe von fünf Milliarden Euro bringen.

Architekten einer neuen Autozukunft: Carlos Tavares und Mike Manley. SN/joe wilssens photography, inc.
Architekten einer neuen Autozukunft: Carlos Tavares und Mike Manley.

Der Name ist das Programm: Der Name der neu entstehenden Automobilholding leitet sich vom lateinischen "stellans" ab, was so viel wie "von Sternen beleuchtet" bedeutet. Tatsächlich hat der bisherige PSA-Chef Carlos Tavares als zukünftiger CEO des neuen Autoriesen große Pläne.

Stellantis wird zum viertgrößten Autobauer

Auf der außerordentlichen Hauptversammlung vergangenen Montag gaben die Hauptaktionäre von PSA mit doppeltem Stimmrecht, darunter die Gründerfamilie Peugeot, der chinesische Partner Dongfeng und der französische Staat, grünes Licht für die mehr als 50 Milliarden Dollar schwere Fusion mit dem italienischen FCA-Konzern. Durch die fast einstimmige Zustimmung des Zusammenschlusses entsteht schon bald der viertgrößte Autobauer der Welt. Nach verkauften Fahrzeugen gerechnet liegen nur Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund vor Stellantis. Nicht weniger als 14 Marken wird der neue Gigant umfassen - darunter europäische Traditionslabels wie Peugeot, Citroën, Fiat, Alfa Romeo und Opel, aber auch amerikanische Marken wie Jeep, Dodge, RAM und Chrysler. Vor der Coronakrise verkauften diese Marken zusammengerechnet 8,7 Millionen Autos pro Jahr und erwirtschafteten damit einen Umsatz von 170 Milliarden Euro. Der Mitarbeiterstand beträgt weltweit rund 400.000 Mitarbeiter.

Der 62-jährige Portugiese Carlos Tavares bestätigte diese Woche erneut frühere Aussagen, wonach die Fusion der beiden Konzerne PSA und FCA Synergien im Umfang von jährlich fünf Milliarden Euro bringen soll. Demgegenüber stehen einmalige Kosten von rund vier Milliarden Euro. Im Zuge der online ausgetragenen Aktionärsversammlung erläuterte der bisherige Fiat-Chrysler-CEO Mike Manley die Pläne nun etwas genauer. 40 Prozent der Synergieeffekte sollen durch das Zusammenlegen von Plattformen, Motoren und Getrieben kommen. Weitere 35 Prozent sind durch den gemeinsamen Einkauf von Elektroantriebs- und anderen Hightech-Komponenten eingeplant. Sieben Prozent sollen durch Vereinfachungen bei Marketing und Verwaltung freigemacht werden. Wie alle globalen Autofabrikanten muss Stellantis in den kommenden Jahren viele Milliarden einplanen, um Herausforderungen wie die Umstellung auf den Elektroantrieb, digitale Dienste und selbstfahrende Fahrzeuge zu meistern.

Massiven Einsparungen beim Personalbestand

Ein weiteres strategisches Ziel ist die Beseitigung der sogenannten geografischen Klumpenrisiken: So verkauft etwa PSA aktuell mehr als drei Viertel der Fahrzeuge in Europa. In den USA oder dem so wichtigen Wachstumsmarkt China sind die Franzosen hingegen kaum präsent. Fiat-Chrysler hingegen ist extrem stark vom nordamerikanischen Markt abhängig, wo zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaftet werden.

Experten rechnen mittelfristig vor allem in Europa mit massiven Einsparungen beim Personalstand. Nach Schätzungen der Beratungsfirma von LMC könnte Stellantis weltweit Fabriken mit einer Gesamtkapazität von fünf Millionen Einheiten schließen. Das entspricht der Jahresproduktion der Marke Ford. In Summe beträgt die Gesamtkapazität aller Werke mehr als 13 Millionen Fahrzeuge. Damit könnte der neue Konzern aktuell rund sieben Millionen Fahrzeuge im Jahr mehr produzieren, als dies zuletzt der Fall gewesen ist. Aufgrund der weltweiten Verkaufsrückgänge während der Coronapandemie waren die Fabriken im vergangenen Jahr nicht einmal zur Hälfte ausgelastet. Selbst im bisherigen Rekordjahr 2016 hätte die rechnerische Überkapazität noch vier Milliarden Autos betragen.

Fiat-Verwaltungschef John Elkann, seines Zeichens Enkel des legendären Fiat-Patriarchen Gianni Agnelli (1921-2003), verglich den Zusammenschluss von PSA und FCA mit der Gründung von Fiat vor mehr als 120 Jahren. Es entstehe eine Firma mit der nötigen Größe, den Ressourcen, der Diversität und dem Know-how, um die nun anbrechende Ära zu meistern. Wenngleich Elkann Stellantis als "Einheit von zwei gleich denkenden Partnern" bezeichnet, dürfte die französische Fraktion des neu entstehenden Industrie-Kolosses nicht nur bei der operativen Führung dominant sein. Schließlich ist PSA - nicht zuletzt dank der Unterstützung des chinesischen Partners Dongfeng - beim strategisch so wichtigen Aspekt der Elektromobilität deutlich besser aufgestellt als die italienische FCA-Seite. Gleiches gilt auch für moderne Fahrerassistenzsysteme und Konnektivitätslösungen.

Wenngleich Opel als einzige deutsche Marke im Portfolio eine bedeutende Rolle im globalen Ansatz des Weltkonzerns spielen könnte, läuten in Rüsselsheim angesichts der angekündigten Synergieeffekte wieder einmal die Alarmglocken. Bei Opel steht aktuell das größte Entwicklungszentrum des neuen Konzerns. Da Fiat allerdings im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge über mehr Know-how verfügt, könnte diese Sparte nach Italien abwandern. Insgesamt rechnen Experten damit, dass durch die Megafusion rund ein Drittel der insgesamt 36.000 Ingenieure obsolet werden könnte. Unsicher ist auch die Zukunft traditionsreicher, wirtschaftlich jedoch kriselnder Marken. Vor allem Alfa Romeo, wo im Jahr 2019 kaum 100.000 Autos verkauft worden waren, sowie Lancia mit dem mittlerweile acht Jahre alten Kleinwagen Y als einzigem Modell, gelten als besonders gefährdet.

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.01.2021 um 08:48 auf https://motor.sn.at/news/fusion-psa-und-fiat-chrysler-ein-neuer-autoriese-entsteht-98235460

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