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Mit dem E-Auto in den Familienurlaub nach Südschweden

Aufladen in Bullerbü. Bilanz einer Reise mit dem Autoreisezug und auf Achse nach Skandinavien.

Der Entschluss, den Sommerurlaub anstatt wie bisher im Süden dieses Mal im hohen Norden zu verbringen, war bereits länger gereift. Die erfolgreiche "Generalprobe" ging bereits bei der letzten Reise nach Holland über die Bühne, bei der sich die Kombination aus Nacht- und Autoreisezug von Innsbruck nach Hamburg als ideale Alternative zu einer Flugreise oder vielen eintönigen Autobahnkilometern quer durch Deutschland erwies.

Entspannt vom Zug ins eigene Auto

Den Löwenanteil der Distanz im Familienschlafabteil des ÖBB-Nightjets anstatt festgegurtet im Kindersitz zu verbringen, kam bei den Mädels (acht und zwei Jahre alt) wie erwartet prächtig an. Während sich die Kinder über ein spannendes Übernachtungsabenteuer im Zug freuen, profitieren auch die Eltern: Entspannt und ausgeruht steigt man nach einem ausgiebigen Frühstück ins eigene Auto, das danach am Urlaubsort für maximale Flexibilität sorgt. Gleichzeitig spart man im Vergleich zu 100 Prozent Auto oder gar dem Flugzeug massiv an Emissionen ein, Flugscham lässt grüßen.

Die Fortsetzung des Nachtzug-Abenteuers folgte also in diesem Sommer: Ende Juli machten sich zwei Familien mit vier Erwachsenen und vier Kindern, aufgeteilt auf zwei Autos, für knapp zwei Wochen auf den Weg nach Südschweden. Via Innsbruck mit dem ÖBB-Nightjet und den Autos im Huckepack nach Hamburg, von dort aus weiter durch Dänemark, über die spektakuläre Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö nach Schweden und schließlich ins beschauliche Holzhäuschen in Karlskrona in der Provinz Blekinge län - so schaute die Reiseplanung aus. 970 Bahnkilometer standen 190 Kilometern von Salzburg nach Innsbruck und im Anschluss weiteren 730 Kilometern bis ins Heimatland von Pippi Langstrumpf gegenüber.

Mit den ID.3 Pro nach Schweden

Alles halb so wild, könnte man meinen, wäre nicht David, das Familienoberhaupt der zweiten Hälfte unserer kleinen Reisegruppe, auf die geniale Idee gekommen, anstatt des etwas in die Jahre gekommenen VW Tiguan den brandneuen ID.3 Pro zu nehmen, der ihm von seinem Arbeitgeber Progress Werbung als Dienstwagen zur Verfügung gestellt wird. Die anfänglichen Sorgen über mangelnde Lademöglichkeiten im hohen Norden waren schnell zerstreut, also bildeten ein VW Caddy mit Dieselmotor und der besagte ID.3 das höchst unterschiedliche Reisegespann.

Am Vorabend der Abreise dann der große Schreck: Bei einem Telefonat, bei dem es eigentlich um die Zugtickets ging, kamen wir beiläufig auf die Smatrics-Ladekarte zu sprechen. Nein, diese funktioniert nicht zwangsläufig auch im EU-Ausland. Und noch mal nein, mit einer Kreditkarte kann man meines Wissens selbst im so elektroaffinen Norden nicht direkt an der Ladesäule bezahlen. Nach einer kleinen Krise, während der zwischenzeitlich sogar die kurzfristige Absage des Elektroauto-Abenteuers und ein Schwenk auf den konventionellen Verbrenner-Tiguan im Raum standen, kam die Entwarnung von einem der Geschäftsführer der Progress Werbung: Fred Kendlbacher, seines Zeichens langjähriger E-Auto-Fahrer, hatte die Lösung in Form der Smartphone-App EnBW mobility+. Der deutsche Anbieter EnBW bietet als Smatrics-Partner gute Konditionen für österreichische Kunden - und vor allem die Möglichkeit der Kreditkartenzahlung über die App. Ohne die App zuvor in der Praxis getestet zu haben, ging es am nächsten Tag los. Um rechtzeitig um 19 Uhr bei der ÖBB-Autoverladestelle zu sein, fuhr die E-Auto-Familie bereits am Nachmittag in Salzburg los. Außerdem war es das Ziel, den Stromer mit vollem Akku auf den Zug zu verladen, um am nächsten Tag in Hamburg ohne Verzögerung die weitere Reise antreten zu können.

Problemlose 730 km mit dem E-Auto von Hamburg nach Dänemark

Gesagt, getan: Wie vom Navi empfohlen, ging es via Kiel und Flensburg in Richtung dänische Grenze. Während die Verbrennerfamilie gemütlich vorausfuhr, legten die Insassen des ID.3 wie vom VW-Navi empfohlen zwei problemlose Ladestopps an Gleichstrom-Schnellladesäulen von Ionity ein, die von den Kindern als willkommene Bewegungspausen genutzt wurden. In Summe dauerte die rund 730 Kilometer lange Fahrt dadurch knappe drei Stunden länger als von Google Maps vorausgesehen. Kein Drama also, wie alle, die regelmäßig mit kleineren Kindern unterwegs sind, richtig einschätzen können.

Aufladen mit einem Schuko-Ladekabel übers Fenster

Mit einer überschaubaren Restreichweite am Ferienhaus angekommen, folgte schon bald die nächste Erkenntnis für die Elektropioniere: Wer ausreichend Zeit hat, dem reicht sogar eine normale Haushaltssteckdose, um mit einem Schuko-Typ-2-Ladekabel nennenswert Leistung in den Akku zu laden. Nachdem feststand, dass die Verkabelung des Hauses praktisch nagelneu und damit einer solchen Dauerbelastung gewachsen war, wurde der ID.3 regelmäßig über Nacht durchs offene Fenster geladen. Die dabei geladenen kW reichten allemal, um die bei den regelmäßigen Ausflügen verfahrene Energie zu kompensieren und den Ladestand konstant im beruhigenden Bereich zu halten. Dass bei den Beteiligten zu keiner Zeit auch nur der Anflug einer Reichweitenangst aufkam, liegt auch an den rigiden schwedischen Geschwindigkeitslimits. Tempo 80 auf Bundesstraßen und 110 auf Autobahnen senkte den Durchschnittsverbrauch auf rund 13 kWh auf 100 Kilometer beim ID.3. Und auch der brave Diesel-Caddy pendelte sich dank Tempomat und großzügigen Urlaubszeit-Budgets bei beeindruckenden 5,1 Litern ein.

Timing ist alles: Nervenkitzel bei der Rückreise

Die letzte große Herausforderung stand erst mit der Rückreise auf dem Programm: Da hieß es, die Distanz von 730 Kilometern so zu timen, dass alle rechtzeitig zur Verladung der Autos in Hamburg-Altona eintreffen würden. Mit einer Zeitreserve von 90 Minuten im Gepäck bildete der ID.3 dieses Mal die Vorhut. Die absolut richtige Entscheidung, wie sich bald zeigte: Angefangen bei der Mautstelle auf der schwedischen Seite der Öresundbrücke, floss der Verkehr für einige Stunden nur äußerst zäh dahin. Und je länger das Stop-and-go andauerte, umso unruhiger wurde die Stimmung im Elektro-VW. Zwischenzeitlich zeigte das Navi 19.30 Uhr als voraussichtliche Ankunftszeit an - also eine halbe Stunde später als die Deadline um 19 Uhr. Mit etwas Kopfrechnen und viel Vertrauen in die Verlässlichkeit der Verbrauchsanzeige lud David 190 Kilometer vor dem Ziel ein letztes Mal bis auf 240 Kilometer Reichweite auf, um dann die freie Tempowahl auf deutschen Autobahnen bis zum Limit auszureizen. Um exakt 19.15 Uhr kam der ID.3 dann in Hamburg auf den Zug. Punktlandung.

Abschließend noch der Kostenvergleich:
Während der Reise wurden mit dem ID.3 insgesamt rund 260 kW an öffentlichen Schnellladesäulen geladen, Kostenpunkt: zirka 200 Euro. Der Caddy fuhr in Summe 200 Kilometer weiter und wurde drei Mal vollgetankt, was umgerechnet rund 320 Euro kostete.

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