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Nachtzug: Reisen wie im Traum

Seit dieser Woche rollen die Nightjets der ÖBB wieder durch Europa. Nicht nur aufgrund fehlender Flüge bieten sich internationale Bahnverbindungen als Alternative an.

Zeitgeist oder langfristige Alternative zum Fliegen? In ganz Europa wird das Angebot an Nachtzugverbindungen stark ausgebaut, die ÖBB sind dabei Vorreiter. SN/öbb/harald eisenberger
Zeitgeist oder langfristige Alternative zum Fliegen? In ganz Europa wird das Angebot an Nachtzugverbindungen stark ausgebaut, die ÖBB sind dabei Vorreiter.

Annähernd 100.000 Kilogramm CO2-Ersparnis im Vergleich zum Flugzeug auf einer Distanz von rund 1200 Kilometern - so fällt aus Perspektive der Klimaverträglichkeit die Premierenfahrt des Nightjets zwischen Wien und Amsterdam aus. Am Montagabend um exakt 20.13 Uhr eröffneten die ÖBB damit ein neues Kapitel der Erfolgsstory Nachtzug. Eigentlich hätte die Verbindung, die vor allem skisportbegeisterte Holländer in die Alpen locken soll, bereits im Dezember starten sollen. Mit einer Verspätung von mehr als fünf Monaten bieten die ÖBB nun täglich eine Nachtzugverbindung von Wien über Linz sowie von Innsbruck über München in die niederländische Hauptstadt und retour an.

Bereits vor dem Ausbruch der Coronapandemie wurde das Nachtzugangebot der ÖBB als klimaschonende Alternative für Reisen zwischen Europas Metropolen gefeiert. Und geht es nach ÖBB-Chef Andreas Matthä, so soll es auch danach in dieser Tonart weitergehen. Laut "Kleiner Zeitung" will Matthä die Passagierzahlen ihres Nachtzugstreckennetzes bis 2025 auf das Doppelte des Vorkrisenniveaus erhöhen. Bis zum Jahr 2019 hatten jährlich rund 1,4 Millionen Passagiere das Nightjet-Angebot genutzt.

Nachtzugstrecken werden ausgebaut

Aktuell betreiben die ÖBB 19 Nachtzugstrecken. Zählt man jene, die - meist unter der Marke Euronight - mit Partnerbahnen betrieben werden, sind es bereits 26. Diese rollen stressfrei nach Kroatien, Tschechien, Ungarn, Polen und in die Slowakei. Neben der jüngst eröffneten Verbindung nach Amsterdam wird es ab kommendem Dezember auch möglich sein, von Wien aus über Nacht nach Paris und Straßburg zu reisen. Ab Ende 2022 ist dann die neue Verbindung Zürich-Rom und ein Jahr später Berlin-Paris und Berlin-Brüssel geplant. Im Jahr 2024 soll dann sogar ein Nightjet von Zürich bis nach Barcelona rollen. All das kostet eine Menge Geld, laut Andreas Matthä sind in den kommenden Jahren 700 Millionen Euro dafür reserviert. Der Löwenanteil fließt in die neue Generation von Nachtzügen.

Nachtzug in den hohen Norden

Wer schon in diesem Sommer das Abenteuer Nachtzug erleben möchte, hat freilich die Qual der Wahl. Ab Mitte Juli soll auch der privat betriebene Alpen-Sylt-Nachtexpress wieder seinen Betrieb aufnehmen. Der Zug mit Schlaf- und Liegewagen fährt in der Regel am Donnerstag sowie am Samstag von Sylt nach Salzburg sowie am Freitag und Sonntag in die entgegengesetzte Richtung. In nördlicher Richtung ist damit freilich noch lange nicht Schluss: So verbindet der schwedische Snälltåget im Zeitraum vom 28. Juni bis 5. September täglich die deutschen Metropolen Berlin und Hamburg mit Kopenhagen, den Öresund, Malmö und Stockholm. In Skandinavien angekommen, kommt man mit dem schwedischen SJ Night Train bis nach Narvik, in Norwegen bietet die Vy-Gruppe mehrere Verbindungen an, in Finnland fahren die VR-Züge bis nördlich des Polarkreises nach Rovaniemi.

Ab in den Süden

Auch für den Urlaub im Süden bieten sich Nachtzüge an. Neben dem ÖBB Nightjet nach Venedig, Mailand und Rom bietet Trenitalia weitere Verbindungen. Die kroatische Bahn HZPP verknüpft München mit Zagreb und der Europäischen Kulturhauptstadt 2020/21 Rijeka. Erst am 20. Mai fuhr erstmals seit mehr als drei Jahren wieder ein Nachtzug von Paris nach Nizza.

Einer der berühmtesten Nachtzüge - die von der russischen Staatsbahn betriebene Verbindung zwischen Moskau und Paris - wird aller Voraussicht nach erst im Jahr 2022 wieder gestartet. Die Fahrzeit für die 3159 Kilometer lange Strecke wird dann wieder bei rund 39 Stunden liegen.

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