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Spannung, Spiel und Sport im VW-Reisemobil

Freiheit auf vier Rädern: Die Lust am eigenen Reisemobil erlebt einen ungeahnten Boom. Unter dem Namen California bietet Volkswagen-Nutzfahrzeuge werksseitig drei verschiedene Reisemobile an. Echte Campingprofis suchen freilich individuellere Lösungen.

Seit vielen Jahren gilt die jährlich in Hannover stattfindende Messe "Caravaning & Camping" als Mekka der deutschsprachigen Reisemobilszene. Aus bekannten Gründen musste die Indoorveranstaltung auch in diesem Jahr abgesagt werden. Als einer der wichtigsten Player am rasant wachsenden Campingmarkt machte Branchenriese Volkswagen Nutzfahrzeuge aus der Not eine Tugend und lud die 16 führenden Reisemobilausstatter aus Deutschland mit insgesamt 27 verschiedenen Fahrzeugen zu einem geselligen Freilufttreffen ins Weingut Steinbachhof in der Nähe von Heilbronn.

Wenn VW ruft, dann kommen die wichtigsten Branchenvertreter

Kein Wunder - schließlich bietet VW neben dem T 6.1 mit dem Caddy, dem Crafter sowie dem Pick-up Amarok eine Vielzahl von Basisfahrzeugen, die nur darauf warten, von den Spezialisten in Sachen Camping herausgeputzt zu werden. Die Vielzahl an Individualisierungsmöglichkeiten ist beeindruckend. Von der kompakten Camping-Box, die ruck, zuck ins Heck jedes beliebigen Nutzfahrzeugs gestellt werden kann und die neben den wichtigsten Utensilien natürlich auch das ausklappbare Doppelbett umfasst, bis hin zum ausgewachsenen, dreiachsigen Expeditionsfahrzeug samt Survivalkit fürs Überleben in der Wildnis wird alles geboten.

Trend zum Allradantrieb und Offroad-Tauglichkeit

Vor allem beim weitverbreitenden VW T6 Bulli zeigt sich der Trend zum Allradantrieb sowie zu immer mehr offroad-tauglichen Fahrzeugen. Luftfederung mit variabler Bodenfreiheit, Niveauausgleich im Stand über die Luftfederung, größere Räder und Reifen mit grobem Profil, hochgelegte Luftansaugung, ausgeklügelte Seilwinden für vorn und hinten sowie komplette Unterbodenschutzverkleidungen sind dabei erst der Anfang. Aufwendig konstruierte Panoramaaufstelldächer in allen Varianten bringen auf Wunsch die Sterne zum Greifen nahe.

Jeder Zentimeter wir ausgenützt

Bei SpaceCamper wird im Classic Open nicht nur jeder Kubikzentimeter Raum bis zur Klapptoilette in der Schiebetür optimiert, sondern auch ein sekundenschneller, einfacher Umbau von der Sitzbank zum kompletten, bequemen Bett gewährleistet. Die Rücksitzlehne ist von beiden Seiten gepolstert und bildet, nach vorn geklappt, einen Teil des bequemen Betts. Ebenso kreativ, wenn es um das Bett geht, zeigt man sich beim traditionsreichen Ausbauer Fischer. Bei seinem Octo-Bus werden die Liegeflächen unten und im Hochdach nicht weggeklappt oder verschoben, sondern flink, einfach und platzsparend aufgerollt. Das Verbundsystem aus Lattenrost und spezieller Matratze erweist sich zudem als sehr bequem und optimal belüftet.

Ein komplett neues T6-Raumkonzept zeigen die Newcomer von Queensize Camper aus Hamburg. Der Küchenblock des Inside Two mit Herd, Kühlschrank und Waschbecken ist über die gesamte Fahrzeugbreite quer hinter den drehbaren Vordersitzen eingebaut. Die beiden Elemente der Küchenzeile können mit wenigen Handgriffen in der Höhe verändert und ganz oder teilweise ausgebaut und außen genutzt werden. Clou ist ein Frisch- und Abwassertank, der durch eine Membran getrennt, variabel gleichzeitig für beides dient. These: Es kann nur so viel Abwasser anfallen, wie Frischwasser verbraucht wurde, und beides zusammen passt in einen Tank.

T6-Ausbauten bis 250.000 Euro

Während bei den T6-Kastenwagenausbauten Komplettpreise ab 52.000 Euro und, je nach Ausstattung des Basisfahrzeugs, bis zu 130.000 Euro aufgerufen werden, zeigt ein Fahrzeug die Grenzen des technisch und finanziell erschwinglichen auf T6-Basis: Terranger spendiert einem T6 4Motion-Fahrgestell beim DC-34 6x6 einen vollständig mit Originalteilen verlängerten Rahmen und eine hydraulisch gebremste dritte Achse, die in Zukunft mit zwei Elektromotoren zusätzlich oder allein für Vortrieb und auch Rekuperationsbremsungen sorgen soll. Mit der großen Ausbaukabine samt Aufstelldach werden hier je nach Ausstattung zwischen 150.000 und 250.000 Euro fällig.

Viele Möglichkeiten beim VW Amarok

Auf dem bereits ausgelaufenen VW Amarok mit Doppelkabine zeigen wiederum zwei Hersteller das Spektrum der Möglichkeiten. Auf der einen Seite die Traditionsfirma Tischer mit ihrer immer weiter verbesserten, bewährten Absetzkabine Trail 230 S mit Alkovenbett. Der Grundriss mit Seitenheckeinstieg, separatem Bad, Vierersitzgruppe und Doppelbett überzeugt durch hohen Komfort und volle Stehhöhe. Das Gewicht beträgt 750 Kilogramm für die Kabine bei einer Fahrzeughöhe von 3,10 Metern. Inklusive Amarok kostet der Aufbau ab 99.000 Euro.

Einen völlig anderen, aber mindestens ebenso kreativen Ansatz demonstriert Queensize Camper mit der Premiere des Flip90-Pick-up. Der Aufbau aus ultraleichten Kunststoff-Wabenplatten entfaltet sich erst nach einer 90-Grad-Drehung und einem über die Basis gestülpten Heckteil zu seiner vollen, doppelten Größe. Der Prototyp lässt noch Feinschliff und Wohnlichkeit vermissen, stellt aber bei nur 250 Kilogramm Gewicht ausgeklappt erstaunlich viel Raum zur Verfügung. Der Amarok - wenngleich mittlerweile nicht mehr neu gebaut - wird die zusammengefaltet kompakte und flache Kabine kaum spüren.

Wer es lieber bescheidener und vor allem günstiger mag, der ist bei Camping-Box-Pionier Ququq richtig: Je nach Fahrzeug wird hier eine kompakte Kiste angeboten, die neben den wichtigsten Campingutensilien auch ein ausklappbares Doppelbett umfasst. Die Preise des seit zehn Jahren bewährten Prinzips beginnen bei knapp unter 2000 Euro.

Als echter Publikumsmagnet entpuppte sich Frank Eusterholz mit seinem zum Camper umgebauten e-Crafter: Obwohl das batterieelektrische Nutzfahrzeug mit einer Akkuladung nur knapp über 120 Kilometer weit kommt, fuhr der Berliner damit von Wolfsburg bis ans Nordkap - und benötigte dafür insgesamt acht volle Tage bzw. 95 Ladestopps.

Campingboom seit Corona

Freilufturlauber wurden früher vielerorts milde belächelt. Doch es scheint, als habe die Coronapandemie die Österreicher binnen eines Jahres zu einem Volk der Campingenthusiasten gemacht.

Laut Statistik Austria wurden hierzulande bis Ende April 2021 bereits 1409 Wohnmobile neu zugelassen - das entspricht einer Steigerung von satten 236 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Bei den Wohnwagen gab es in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres 333 Neuzulassungen - und damit 80 Prozent mehr gegenüber Jänner bis April 2020.

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