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Start frei für die "Generation Buzz"

Marktstart des VW ID.Buzz ist im September, zu sehen ist der elektrische Bulli schon jetzt in der Wiener Innenstadt. Anlässlich der Österreich-Premiere blickt man bei VW Nutzfahrzeuge ein paar Jahre in die Zukunft.

Sehnsuchtsobjekt einer neuen Generation von Elektroautofahrern: der VW ID.Buzz. SN/vw
Sehnsuchtsobjekt einer neuen Generation von Elektroautofahrern: der VW ID.Buzz.

Die Situation erinnert ein wenig an die Bescherung zu Weihnachten. Andächtig, fast ein wenig feierlich stehen die Kolleginnen und Kollegen schweigend rund um jenes Auto, das prominent im Eingangsbereich des Volkswagen City Store in der Kärntner Straße im 1. Wiener Bezirk geparkt ist. Zentimeter für Zentimeter wird jede Fuge, jede Linie entlang der 4,7 Meter langen Karosserie begutachtet, werden die elektrischen Seitentüren geöffnet und geschlossen, die Oberflächen im Innenraum gestreichelt und abgeklopft.

Der VW ID.Buzz ist das wichtigste VW-Modell des Jahrzehnts

Über fünf Jahre sind vergangen, seit Volkswagen Nutzfahrzeuge mit der ersten Studie des vollelektrischen ID.Buzz für einen Sturm der Begeisterung gesorgt hat. Monat für Monat wurde seither genüsslich auf jedem noch so unbedeutenden Informationshappen herumgekaut. Mögliche Akkugrößen, Motorisierungen und Reichweiten wurden detailliert analysiert, um die Wartezeit bis zur finalen Weltpremiere jenes Modells zu verkürzen, in dem nicht wenige Experten das mit Abstand wichtigste VW-Modell des gesamten Jahrzehnts sehen.

Besagte Weltpremiere wurde bereits Anfang März rein digital via Onlineübertragung abgehandelt, was natürlich nur einen schlechten Ersatz fürs persönliche Erfühlen und Begreifen darstellt. Umso dankbarer ist man für die Chance, den ID.Buzz von einem echten Kapazunder wie Albert Kirzinger höchstpersönlich und hautnah erklärt zu bekommen. Gemeinsam mit seinen Kollegen von VW Pkw begleitete der langjährige Chefdesigner von Volkswagen Nutzfahrzeuge die Reinkarnation des legendären Bulli von Tag eins des Produktentstehungsprozesses bis zu dessen finaler Präsentation und kennt dementsprechend jeden Quadratzentimeter der zweifarbigen Karosserie aus dem Effeff. Beim gemeinsamen Rundgang ums Auto erfährt man spannende Details, wie etwa, dass der Innenraum des ID.Buzz sogar länger ist als jener des T7 Multivan. Oder dass der neue Bulli das zweitgrößte VW-Logo im gesamten Konzern trägt (gleich nach der südamerikanischen 9-Tonnen-Zugmaschine Constellation). Auch dass der ID.Buzz an der B-Säule am breitesten ist und von da an nach hinten immer schmäler zuläuft, wäre beim Studium der Pressefotos niemals aufgefallen. Das und sein geradezu aalglattes Außendesign machen den Buzz zum aktuell wohl windschnittigsten Nutzfahrzeug der Welt. Mit einem cw-Wert von 0,285 lässt er so manchen modernen Pkw hinter sich, was naturgemäß dem Verbrauch und damit auch der Reichweite zugute kommt.Letztere soll übrigens bei gut über 400 Kilometer liegen, Genaueres wird frühestens zum offiziellen Bestellstart im Juli, spätestens jedoch zur Markteinführung im September verraten. Ebenso die Preise, die aus heutiger Sicht deutlich jenseits der 50.000er-Marke starten dürften.

Die nächsten Meilensteine im Angebot bei Volkswagen Nutzfahrzeuge

Geht es nach Sepp Ebner, dem Markenleiter für Volkswagen Nutzfahrzeuge in Österreich, so rechnet man für das erste volle Jahr 2023 mit "knapp unter 1000 Stück" für den heimischen Markt. Was die Aufteilung zwischen dem zivilen ID.Buzz und dessen Transporter-Version Cargo angeht, kalkuliert man hierzulande mit einem ausgeglichenen Verhältnis von 50 zu 50.

Verraten wurden auch schon die nächsten Meilensteine im Angebot, man ist schließlich unter sich: Im zweiten Halbjahr 2023 kommt die Variante mit 20 Zentimeter längerem Radstand, auch Akkugrößen unter- und oberhalb des jetzigen 77-kWh-Energiespeichers sowie das große Panoramaglasdach scheinen fürs nächste Jahr fix. 2024 soll dann die Allradversion mit zwei E-Motoren folgen, bevor irgendwann ein Reisemobilableger geplant ist.

Inwiefern sich der zukünftige Elektro-Camper tatsächlich für längere Urlaube eignen soll, daran wird aktuell hinter verschlossenen Türen in Hannover noch diskutiert, wie Lars Krause, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei Volkswagen Nutzfahrzeuge, verrät. Sozusagen als Trost für all jene, denen die Elektrifizierung im Reisemobilbereich ein wenig verfrüht erscheint, formuliert Krause zudem eine California-Version des aktuellen T7 als wahrscheinlichere Möglichkeit.

Besonders spannend: Neben dem ID.Buzz und dem im Vorjahr vorgestellten T7 Multivan werden im Nutzfahrzeugewerk in Hannover wohl noch viele Jahre drei T-Baureihen parallel gebaut werden. Denn laut Lars Krause ist der Start eines T6.1-Nachfolgers für das Jahr 2024 fix auf Schiene. Die technische Basis des Fahrzeugs, das intern unter dem Projektnamen "OneTon" läuft, bildet dabei die neue Nutzfahrzeugekooperation mit Ford. So erklärt es sich auch, dass es aus heutiger Sicht neben dem ID.Buzz ein zweites, nicht in Hannover produziertes vollelektrisches T-Modell geben soll, zusätzlich zu Varianten mit Verbrenner- und Plug-in-Hybrid-Antrieben.

"Abhängig von der Kundennachfrage und den gesetzlichen Rahmenbedingungen wird der zukünftige Multivan noch viele Jahre ein Begleiter des ID.Buzz sein, wir planen aus heutiger Sicht bereits bis ins nächste Jahrzehnt", so Lars Krause, der auch beim Plug-in-Hybrid noch kein baldiges Ablaufdatum erkennen kann: "Gerade bei den Nutzfahrzeugen hat der PHEV aus heutiger Sicht noch mehrere Jahre eine Existenzberechtigung aufgrund seiner Fähigkeit, lokal emissionsfrei beispielsweise in Städten unterwegs zu sein. Wir arbeiten darüber hinaus bereits an der nächsten Hybrid-Generation, deren Reichweiten in Richtung 100 Kilometer gehen werden. Diese Variabilität halte ich für sehr attraktiv, auch deutlich länger als nur die nächsten drei oder vier Jahre."

Bis 2030 rechnet man bei Volkswagen Nutzfahrzeuge mit einer Elektroquote von etwa 55 Prozent. Fest steht: Über alle Konzernmarken und -modelle genießt der ID.Buzz schon jetzt produktionsseitig Priorität. Was nichts daran ändert, dass die ersten im kommenden Sommer georderten Fahrzeuge frühestens Ende 2023 ausgeliefert werden können.

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