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Vespa Elettrica - Alte, neue Liebe

Ein Wochenende mit der neuen Vespa Elettrica. Die elektrische Version des Kult-Rollers erfüllt die hohen Erwartungen nur halb.

Als wir uns kennenlernten, war ich gerade 16. Ich suchte jemanden, der mich jeden Morgen die paar Kilometer in Richtung Schule mitnimmt. Und mich von der mühsamen, uncoolen Pein der Busfahrt erlöst. Sie war knallrot, trug jede Menge Chrom und hörte auf den Namen Vespa PK. Sie war eine Schönheit. Nur leider nicht gerade schnell. Nur selten fuhren wir gemeinsam schneller als die erlaubten 45 km/h, und wenn, dann meist nur bergab, mit Rückenwind und Heimweh.

Als Piaggio 2018 die erste rein elektrische Vespa ankündigte, war klar: Die muss ich fahren. Vergangenes Wochenende war es so weit. Ich hatte die Wahl zwischen der "kleinen" Version L1E, die mit dem normalen Pkw-Führerschein gefahren werden darf, und der "großen" L3E, die laut Hersteller "über 50 km/h" geht, und für die der kleine A-Schein reicht. Es wurde die Stärkere, schließlich hatte ich in Sachen Geschwindigkeit von damals noch Nachholbedarf. Das erste Losfahren war wie erwartet befremdend: Nicht der Kickstarter wie früher, sondern eine schnelle Tastenkombination macht die Vespa fahrbereit. Kein Knattern, kein blauer Rauch. Stattdessen: Ruhe. Aus dem Stand bietet die Elettrica jene unterbrechungsfreie Gummiband-Beschleunigung, wie man sie von diversen Elektroautos schon gewohnt ist.

Doch dann: Mittendrin im schönsten Cruisen stand die Elettrica plötzlich an. Bei genau 53 (!) km/h. Mehr geht nicht. Die Nachfrage beim Händler brachte Gewissheit: Die Entwickler bei Piaggio haben die Elektrische offenbar kurzfristig zugunsten der Reichweite elektronisch begrenzt. Und darüber weiter nichts gesagt. Zugegeben: 100 Kilometer mit einer Akku-Ladung sind in der Theorie für die Stadt voll okay. Aber sind schlappe 8 km/h die preisliche Differenz von 561 Euro zwischen der L3E um 7590 Euro (abzüglich Elektro-Förderung um 6490 Euro) und der L1E um 6690 bzw. 5929 Euro wirklich wert? Die höheren Versicherungskosten der als 125er eingestufen L3E sind dabei noch gar nicht einberechnet. Dazu kommt, dass die Elettrica ihren "Topspeed" ohnehin nur im Power-Modus erreicht, der die tatsächliche Reichweite zusätzlich verringert.

In Sachen Fahrkomfort, Lenkpräzision und Fahrdynamik ist die Elettrica wahrlich zum Verlieben. Und bringt den gewünschten Vespa-Flair geräusch- und abgaslos in die umweltfreundliche Neuzeit. Nach nur vier Stunden an der Steckdose ist sie wieder einsatzbereit. Einziger Haken: Eine neue, konventionell angetriebene Primavera 50 4T kostet gerade einmal 3199 Euro.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.06.2019 um 12:46 auf https://motor.sn.at/news/vespa-elettrica-alte-neue-liebe-70986472

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