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VW will digital werden

Volkswagen steht vor dem größten Umbau der Firmengeschichte. Bis 2030 kommt autonomes Fahren, Golf, Passat & Co. bekommen noch einen Nachfolger.

Ralf Brandstätter, CEO Marke Volkswagen: „Wir werden VW in den kommenden Jahren so stark verändern wie nie zuvor.“ SN/vw
Ralf Brandstätter, CEO Marke Volkswagen: „Wir werden VW in den kommenden Jahren so stark verändern wie nie zuvor.“

Vom Autogiganten zum Softwareriesen. Geht es nach VW-Markenchef Ralf Brandstätter, so stehen die Zeichen bei Volkswagen auf Disruption. Im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz zu den Plänen der kommenden Jahre, präsentierten Brandstätter und seine aus aller Welt dazugeschalteten Vorstandskollegen die Strategie "Accelerate", zu Deutsch "Beschleunigung".

Ziel von "Accelerate"

Erklärtes Ziel dieses auf eine volle Dekade ausgelegten Programms ist es, VW zur begehrenswertesten Marke für nachhaltige Mobilität zu machen. Damit schließt der aktuelle Plan nahtlos an die 2016 ausgerufene E-Mobilitäts-Offensive an, deren Kern die seit dem Vorjahr auf den Markt gebrachten ID-Modelle darstellen. Als ersten Meilenstein präsentiert Brandstätter die Projekteinheit ID.Digital. Diese soll bereits ab dem Sommer dafür sorgen, dass die neuen Elektrofahrzeuge im Zwölfwochenrhythmus Updates "over the air", erhalten - also kabellos via Internetanbindung. Der bis dato obligatorische Werkstättentermin, um ein Softwareupdate zu bekommen, wie ihn VW ursprünglich bereits zum Marktstart des ID.3 in Aussicht gestellt hatte, würde damit endgültig überflüssig werden.

Reaktion auf Softwareprobleme

Damit reagiert man in Wolfsburg auf die wachsende Kritik an den jüngsten Softwareproblemen. Die Fahrzeuge sollen in Zukunft über den gesamten Lebenszyklus auf dem neuesten Stand bleiben und zusätzliche Funktionen dazubekommen. Um das Kundenfeedback direkt in die Weiterentwicklung der Dienste einbeziehen zu können, sollen bereits in zwei Jahren mindestens 500.000 vollvernetzte Fahrzeuge unterwegs sein. Mittelfristig ist geplant, einzelne Features je nach Bedarf downloaden zu können - bis hin zum automatisierten Fahren. Dreh- und Angelpunkt dieser Technologie wird das für 2026 angekündigte Projekt Trinity sein. Zum Marktstart des ersten Modells auf Basis der Scalable-Systems-Plattform für flachbauende Fahrzeuge sind autonome Fähigkeiten auf dem Level 2+ fix angedacht. Später soll bis auf Level 4 upgegradet werden können, was die Limousine praktisch zum vollständig selbstfahrenden Fahrzeug machen würde.

Der wirtschaftliche Hintergrund

Der stärkere Fokus auf softwarebasierte Features macht es möglich, künftige Modelle mit weitaus weniger Varianten und damit erheblich kostengünstiger zu produzieren, als es jetzt der Fall ist. "Wir werden unsere Art, Autos zu bauen, komplett neu denken, revolutionäre Ansätze einführen", so Brandstätter.

In die Zukunftsthemen E-Mobilität, Hybridisierung und Digitalisierung wird Volkswagen bis 2025 rund 16 Milliarden Euro investieren. Um diese Ausgaben zu schultern, legt man sich selbst strikte Effizienzkriterien auf. Bis 2023 soll die operative Marge mindestens sechs Prozent betragen, um für zukünftige Absatzschwankungen besser gerüstet zu sein. Im gleichen Zeitraum will Volkswagen die Fix- und Materialkosten um fünf bzw. sieben Prozent senken, während die Produktivität der Werke um jährlich fünf Prozent steigen soll. Angesichts der voranpreschenden Konkurrenz war selbstverständlich auch die E-Mobilität ein Thema. So plant man in Wolfsburg mittlerweile, den Anteil rein elektrischer Neufahrzeuge bis 2030 in Europa auf über 70 Prozent zu steigern - immerhin eine Verdoppelung gegenüber den bisherigen Planungen von 35 Prozent. In den USA und China liegt die Zielsetzung bei 50 Prozent im selben Zeitraum. Auch die Pläne für ein kompaktes Strommodell unterhalb des ID.3 wurden um zwei Jahre auf 2025 vorgezogen.

Mitte der 2030er ist Schluss mit Verbrennungsmotoren

Spannend für alle, die den Autokauf sehr planen: Alle Modelle mit Verbrennungsmotor - darunter langjährige Erfolgsmodelle wie Golf, Passat oder Tiguan - bekommen noch einmal einen Nachfolger - inklusive neuer Plug-in-Hybride mit bis zu 100 Kilometern elektrischer Reichweite. Danach, also aus heutiger Sicht Mitte der 2030er-Jahre, ist endgültig Schluss mit den klassischen Verbrennungsmotoren bei Neuwagen von VW.

Aufgerufen am 15.06.2021 um 04:34 auf https://motor.sn.at/news/vw-will-digital-werden-101101156

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