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Warten auf verbindliche Akku-Verordnung

Elektroaltfahrzeuge werden in Österreich bis dato nur ohne Antriebsbatterie verwertet. Der Verband der Entsorgungsbetriebe fordert dringend eine Gesetzesanpassung.

Das Problem alter Fahrzeugbatterien ist derzeit gesetzlich unzureichend geregelt.  SN/voeb
Das Problem alter Fahrzeugbatterien ist derzeit gesetzlich unzureichend geregelt.

Während Fahrzeuge mit Dieselmotor immer öfter zum Ladenhüter werden, finden Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb reißenden Absatz. Laut aktuellen Zahlen der Statistik Austria hatte im Zeitraum von Jänner bis November 2020 bereits jedes fünfte in Österreich zugelassene Fahrzeug einen E-Motor und damit auch eine große Antriebsbatterie verbaut. Was vordergründig als gute Nachricht in Sachen Umwelt- und Klimaschutz anmutet, wirft bei genauem Hinsehen neue Probleme auf.

Der Löwenanteil der in Österreich abgemeldeten Altfahrzeuge wird in den heimischen Shredderbetrieben verwertet. Dies gilt für Elektro- und Hybridfahrzeuge allerdings nur bedingt. Anfang 2020 vereinbarte der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) mit den betroffenen Autoherstellern, dass Elektroaltfahrzeuge nur ohne Antriebsbatterie übernommen werden. Seither werden die Akkus von Experten in Fachwerkstätten entfernt, erst danach die "leeren" Elektro- und Hybridmodelle - darunter auch Unfallfahrzeuge - zur weiteren Verwertung an die Shredderbetriebe übergeben.

Benötigt: Rahmenbedingungen für die Entsorgung von Elektroaltfahrzeugen

Gaby Jüly, Präsidentin des VOEB, fordert angesichts der enormen Wachstumsraten bei elektrifizierten Fahrzeugen von 40 Prozent nun, die gesetzliche Rahmenbedingungen dringend anzupassen. "Sowohl der Umgang mit alten als auch verunglückten Elektroautos sowie das Recycling der Batterie müssen einheitlichen Bestimmungen unterliegen, die langfristig Sinn machen und in der gesamten Europäischen Union gültig sind."

Grundsätzlich lassen sich Batterien von Elektrofahrzeugen relativ einfach weiterverwerten, indem sie in einem sogenannten Second Life als Stromspeicher im stationären Bereich zum Einsatz kommen. Ist das nicht der Fall, können in Batterien enthaltene Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder Nickel rückgewonnen und als Sekundärrohstoffe in weiteren Herstellungsprozessen eingesetzt werden. Allerdings ist die Entnahme einer solchen Batterie nicht einfach. Nicht nur aufgrund des Gewichts von bis zu 500 Kilogramm, sondern auch, weil die im Regelfall 400 Volt Bordspannung bei falscher Handhabung lebensgefährlich sein können. Die Entnahme des Akkus bei Hybridfahrzeugen ist aufgrund deren geringeren Gewichts von rund 50 Kilogramm weitaus einfacher.

Novellierung der Baterrieverordnung ist in Arbeit

Auf europäischer Ebene wird gerade an einer Novellierung der Batterieverordnung gearbeitet. Sie soll auch den Umgang mit Batterien von Elektrofahrzeugen regeln. Deren Antriebsbatterien sollten in Zukunft wie Fahrzeuge typisiert werden und die Herkunft der einzelnen Bestandteile zertifiziert werden. So sollte jede einzelne Batterie von der Produktion bis hin zur Entsorgung erfasst und somit eine hundertprozentige Sammelquote erreicht werden. Weiters sollten einzelne Bestandteile von Autobatterien aus nachhaltigen Sekundärrohstoffen bestehen, der VOEB fordert zwölf Prozent recyceltes Kobalt, 85 Prozent Blei, vier Prozent Lithium und vier Prozent Nickel bis 2030. Ein weiteres Ziel ist es, beim Recycling der Batterie eine Verwertungsquote von 65 Prozent der Bestandteile zu erreichen.

Auch der fachmännische Umgang in den Kfz-Werkstätten muss sichergestellt werden. "Seitens der Wirtschaft gibt es bereits einige Initiativen in diese Richtung, die jedoch gebündelt werden müssen", so Walter Kletzmayr von der ARGE Shredder. "Nur so können wir die aktuelle Ausbildungslücke EU-weit schließen und einheitliche Standards für eine fachmännische, sichere und nachhaltige Entsorgung von Elektroaltfahrzeugen schaffen." Auch Einsatz- und Rettungskräfte müssen umfassend informiert werden, damit Bergung, Transport, Zwischenlagerung und Demontage von verunglückten Elektrofahrzeugen kein Problem darstellen. "Wenn bei einem Unfall die Komponenten der Antriebsbatterie mit anderen Bestandteilen des Fahrzeugs verschmelzen, ist die Brandgefahr enorm und für die beteiligten Einsatzkräfte sehr gefährlich."

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