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"Wir müssen unabhängig werden von fossilen Energien"

Die designierte Direktorin des ÖAMTC in Salzburg, Martina Schlegel-Lanz, über ihre Ziele und die wachsenden Herausforderungen rund um das Thema Mobilität.

Designierte SAMTC-Direktorin: Martina Schlegel-Lanz. SN/aloisia gurtner
Designierte SAMTC-Direktorin: Martina Schlegel-Lanz.

Mit Ende November wird Martina Schlegel-Lanz neue Direktorin des ÖAMTC in Salzburg. Die langjährige Leiterin der Rechtsabteilung spricht mit den SN darüber, wie sich das Mobilitätsverhalten der Menschen verändert und was das für den ÖAMTC bedeutet.

Frau Schlegel-Lanz, Sie waren zehn Jahre lang die Stellvertreterin von ErichLobensommer. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?
Martina Schlegel-Lanz: Die Zusammenarbeit war von Anfang an stets auf Augenhöhe und geprägt von einem angenehmen Austausch, einem Voneinander- und Miteinander-Lernen. Es gab stets die Freiheit, Neues auszuprobieren. Ich gehe heute noch genauso gern zur Arbeit wie vor zehn Jahren, insofern hat das gut gepasst.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Meilensteine der vergangenen zehn Jahre? Der sichtbarste Meilenstein ist der Neubau des ÖAMTC-Stützpunkts in der Vogelweiderstraße, der 2016 eröffnet wurde. Danach kommt gleich der Stützpunkt Saalfelden im Jahr 2019. Das waren tolle Teamleistungen. Inhaltlich gibt es zahlreiche Highlights, etwa das neue Verkehrssicherheitsprogramm "ReAction", das sich speziell an Jugendliche richtet und bei dem es um die Gefahr der Ablenkung im Straßenverkehr geht.

In Teilen der Gesellschaft ist seit einiger Zeit eine Entwicklung weg vom Automobil spürbar. Wie reagiert man beim ÖAMTC darauf?
Angefangen im Jahr 1896, hat sich der ÖAMTC anfänglich als Touringclub ausschließlich für Radfahrer entwickelt. Danach gab es viele Jahrzehnte als Automobilclub, bereits 2012 haben wir uns dann in "Mobilitätsclub" umbenannt. Wir gehen also den Wandel in der Gesellschaft mit. Es stimmt, dass junge Menschen mittlerweile später den Führerschein machen. Man muss hierbei allerdings differenzieren zwischen Ballungszentren, wo es ganz andere Alternativen gibt, und dem ländlichen Raum. Dort ist der Führerschein immer noch ein wichtiger Faktor - spätestens, wenn man eine Familie gründet und die eigene Mobilität etwas weiter vorausplanen muss.

Wird es in Zukunft vermehrt alternative Angebote seitens des ÖAMTC geben?
Die gibt es bereits jetzt für Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Angefangen bei Jugendlichen mit dem ersten Moped bis hin zu Senioren, die vielleicht ohne eigenes Fahrzeug unterwegs sind, aber gern reisen und die Leistungen des Schutzbriefs schätzen. Wir haben natürlich die Entwicklung des Mobilitätsverhaltens ganz genau im Auge. Denn natürlich hat eine Mitgliedschaft aus Kundensicht nur Sinn, solange man einen konkreten Nutzen davon hat. Dementsprechend achten wir sehr sorgfältig darauf, unsere Leistungen den Bedürfnissen der Mitglieder anzupassen. Ein Beispiel dafür ist die E-Mobilität.

Was meinen Sie damit konkret?
Beispielsweise bieten wir mittlerweile Akku-Checks für die Batterien von E-Autos an, aber auch für E-Bikes. Daneben arbeiten wir aktuell an der Anpassung der Ankaufüberprüfungen oder auch der Muster-Kaufverträge, um diese Angebote fit für die E-Mobilität zu machen. Es ist für mich absehbar, dass es in Zukunft einen größeren Markt für gebrauchte E-Autos geben wird.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der E-Mobilität?
Das Interesse wächst spürbar, vor allem im städtischen Bereich, der durch die kürzeren Wege optimale Möglichkeiten bietet. Der Umstieg zum elektrischen Fahren geht schnell, die echten Hürden kommen dann aber beim Laden. Im Vergleich zum gewohnten Tanken sind hier oft noch viele Fragen offen: Wo gibt es die nächste Ladestation? Ist diese auch frei? Wie viel muss ich für eine Ladung zahlen? Diese praktischen Fragen beschäftigen die Menschen. Unser Ziel muss ganz klar der Abschied von den fossilen Energieträgern sein. Doch der Weg dahin ist aus meiner Sicht noch offen. Wir kommen erst jetzt zu einem Punkt, an dem man unterschiedliche Technologien vergleichen kann. Die Zeit wird zeigen, welcher Weg sich in der Praxis als der tauglichste erweist.

Was halten Sie von Verboten, Stichwort Diesel?
Meine Philosophie geht mehr in die Richtung, Anreize zu setzen, anstatt Verbote auszusprechen. Ein Angebot wird vom Markt angenommen, sobald es attraktiv genug ist. Gerade am Anfang maßgeblicher Entwicklungen engen Verbote meiner Meinung nach mehr ein, als dass sie Vorteile bringen.

Aktuell werden im Umweltministerium ja die E-Mobilitäts-Förderungen für das kommende Jahr verhandelt. Welche Wünsche haben Sie?
Aktuell sind die Förderungen sehr auf Unternehmen fokussiert. Man muss aber auch die Privaten mehr mitnehmen. Unsere Mitgliederbefragungen zeigen eine große Unsicherheit, die auch dazu führt, dass Gebrauchtwagen länger behalten werden. Unser Ansatz ist, dass Mobilität sozial verträglich und leistbar für alle sein muss.

„Das Grundbedürfnis nach Mobilität bleibt bestehen.“
Martina Schlegel-Lanz, ÖAMTC

Inwiefern ist auch der öffentliche Verkehr für den Mobilitätsclub ÖAMTC Thema?
Das Grundbedürfnis nach Mobilität bleibt, doch die Ausprägung wird vielfältiger. Wichtig ist aus unserer Sicht eine möglichst effiziente Vernetzung der verschiedenen Angebote. Denn oftmals herrscht ein massives Informationsdefizit. Der ÖAMTC arbeitet intensiv an einer Plattform mit, die den Nutzern relevante Informationen wie Kosten und CO2-Abdruck einer Reise liefert. In der finalen Ausbaustufe sollen die Tickets mit nur einem Mausklick gebucht werden können.

Wie beurteilen Sie die Verkehrsproblematik in Salzburg?
In Salzburg gibt es zwei große, entscheidende Gruppen, die wirtschaftlich eine große Rolle spielen: die Touristen und die Pendler. Der Blick auf diese beiden Gruppen sollte möglichst gehalten werden. Es geht darum, Lösungen zu finden, die ein verträgliches Miteinander ermöglichen. Das Thema Mobilität wird häufig sehr emotional diskutiert. Man kann nicht auf der einen Seite über Parkraumbewirtschaftung reden, den Betroffenen andererseits aber keine echte Alternative anbieten.

Wie stehen Sie zum Ausbau der Altstadtgarage?
Die Garage ist aus meiner Sicht dazu geeignet, die vielen parkenden Autos aus der Innenstadt zu bekommen und den dort lebenden und arbeitenden Menschen eine lebenswertere Stadt zu ermöglichen. Und natürlich bringt die Garage in Verkehrsspitzenzeiten auch Vorteile. Das Ziel darf aber keinesfalls sein, die Anzahl der Autos in der Stadt noch zusätzlich zu erhöhen.

Ist der Salzburger Obus eine attraktive Alternative?
Das kann man so allgemein nicht beantworten. Das hängt von der konkreten Linie ab. Es gibt Verbindungen, die super funktionieren, und solche, wo es große Probleme gibt. Generell hat der Obus den Nachteil, dass er ebenso im Stau steht.

Welche Verkehrsmittel nutzen Sie persönlich?
Zu Hause auf dem Land fahre ich mit dem Fahrrad. Für die Fahrt ins Büro nutze ich das Auto. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln würde ich für die Strecke von Unterach am Attersee in die Stadt zwei Stunden benötigen.



Frauen-Power beim ÖAMTC in Salzburg

Martina Schlegel-Lanz leitet seit zehn Jahren die Rechtsabteilung beim SAMTC. Mit Dezember 2021 wird die 47-jährige gebürtige Oberösterreicherin Nachfolgerin von Direktor Erich Lobensommer, der nach 30 Jahren in den Ruhestand geht.

Als stellvertretende Direktorin war die zweifache Mutter bereits seit Jahren Mitglied der Geschäftsführung. Die Juristin ist für 180 Mitarbeiter des ÖAMTC in Salzburg verantwortlich und wird den Schwerpunkt auf Verkehrssicherheit und Präventionsarbeit setzen. Nach Präsidentin Renate Hilber ist Schlegel-Lanz die zweite Frau an der Spitze des SAMTC.

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