Autotest

Der Hyundai Tucson in völlig neuem Licht

Hyundai verlässt ausgetretene Pfade. Das beginnt beim Design und reicht bis zum ersten Center-Airbag im Segment.

Vor allem dank der spektakulären LED-Frontpartie ein Hingucker: Hyundai Tucson. SN/behr
Vor allem dank der spektakulären LED-Frontpartie ein Hingucker: Hyundai Tucson.

Sollen wir oder sollen wir nicht? Es dürfte bei Hyundai lange Debatten gegeben haben. Verträgt ein auf Verkaufszahlen getrimmtes SUV der mittleren Größe eine Frontpartie mit zehn verschieden großen LED-Tagfahrleuchten? Zum Glück sagte der Vorstand Ja. Die spannende Frontpartie des neuen Tucson weckt zu Recht Erwartungen auf weitere Feinheiten.

Smarte Innenausstattung

Die nächsten Aha-Erlebnisse stellen sich beim Platznehmen ein. Feine Sitze, tolles Ambiente. Die Einheit für Navi und Touchscreen-Menüsteuerung ist harmonisch in die Armaturenlandschaft eingebettet. Der Bildschirm wirkt nicht wie in vielen Innenräumen so, als sei er nachträglich eingebaut worden. Direkt unter dem Monitor platziert sind die anzutippenden Bedienungen für Audio und Klima. Die Buchstaben und Symbole könnten größer ausgeführt sein, die Bedienung erfordert Gewöhnung.

Elektroauto-Flair im neuen Hyundai Tucson

Der Wahlhebel für das Getriebe? Ist nicht vorhanden. Vor und zurück wird per Drucktasten gewählt. Es ist ein Fingerzeig in Richtung Elektroauto, wo diese Lösung beliebt ist. Tatsächlich schwingt bei unserem Tucson 1,6 CRDi 48V DCT 4WD ein bisschen Elektroauto mit. Ein von der 48-Volt-Anlage gespeister kräftiger Elektromotor dient zum Anstarten und steuert beim Beschleunigen immer wieder kurz Kraft bei. Das entlastet den Verbrenner etwas bei seiner Arbeit. Zudem schaltet sich der Motor beim Dahinrollen immer wieder kurz ab, Techniker nennen es Segeln. Das große Wunder darf man vom Ganzen nicht erwarten, aber über einen längeren Zeitraum werden die Betriebskosten spürbar gesenkt. Im Schnitt pendelte sich der Verbrauch bei sieben Liter ein. Ein größeres Spritsparpotenzial bietet der neue Tucson als Vollhybrid.

Die Fahrt ins Gelände stellt kein Problem dar

Blick ins Lexikon. Den Namen Tucson trägt eine Stadt im US-Bundesstaat Arizona und leitet sich von der Sprache eines Indianerstammes ab. Chuk Shon bedeutet "Am Fuß des schwarzen Berges". Damit sind wir schon mitten in der Prärie und dieser optische Blickfang von einem SUV ist auch für Ausflüge fern asphaltierter Straßen gut gerüstet. Für die Fahrt Richtung Gelände lässt sich der Tucson mithilfe der Fahrmodi Normal, Eco und Sport individuell abstimmen. Gleichbleibend ist der Fahrkomfort. Unangenehm hart oder schaukelig weich wird das Auto nie. Frontantrieb ist Standard, bei Regen oder Schnee schaltet sich der nötige Allradanteil automatisch zu. Wird der Boden weich und weicher, genügt die Aktivierung der Differenzialsperre und der Tucson arbeitet sich durch. Mit 17 cm Bodenfreiheit lässt sich im freien Raum einiges anstellen, aber natürlich gibt es Grenzen. Bergab- und Berganfahrhilfen sind an Bord.

Sicherheit steht an erster Stelle

Zur Erhöhung der Sicherheit im neuen Tucson trägt nicht nur die große Anzahl an Assistenzsystemen bis hin zur Querverkehrswarnung bei. Hyundai leistete Entwicklungsarbeit. Beim Abbiegen wechselt im Instrumentendisplay die Drehzahlanzeige auf das Bild von Kameras. Damit liegt die Kontrolle der gefürchteten toten Winkel links und rechts vom Fahrzeug im Geradeausblickfeld. Auch bei der Airbag-Bestückung betritt Hyundai Neuland. Erstmals wird in einem kompakten SUV ein Center-Airbag für die erste Sitzreihe eingebaut. Im Fall des Falles hält der Luftsack die Insassen auf Distanz.

Im Test: Hyundai Tucson 1,6 CRDi

SUV mit Vierzylinder-Turbodiesel, 1598 ccm Hubraum, 100 kW/136 PS, 48V-Mild-Hybrid, 7-Gang-DCT-Getriebe, Allradantrieb, Verbrauch (WLTP) 5,7 - 6,0 l (im Test 6 - 7 l), CO2 149 - 158 g/km, Preis Testwagen 48.640 Euro, Tucson ab 25.990 Euro.

Was gefällt:
Wie gering der Abstand zu vergleichbaren Autos der Premiummarken geworden ist.

Was weniger gefällt:
Wie wenig von der 48V-Technik im Alltag zu spüren ist.

Was überrascht:
Dass die bildliche Anzeige der toten Winkel im Instrumentendisplay erst jetzt entdeckt wird.

Perfekt für:
Freunde von attraktiven SUV, die hin und wieder Ausflüge fern vom Asphalt unternehmen.


Aufgerufen am 09.03.2021 um 04:12 auf https://motor.sn.at/autotest/der-hyundai-tucson-in-voellig-neuem-licht-99235891

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