Autotest

Der Opel Corsa-e im Langzeittest

Insgesamt sechs Wochen lang versah die elektrische Version des Kleinwagen-Dauerbrenners Opel Corsa in der Sonderthemen-Redaktion ihren Dienst. Ein Fazit aus vier verschiedenen Perspektiven.

Kleiner Stromer, ganz groß SN/mrazek
Kleiner Stromer, ganz groß

IM TEST

Opel Corsa-e


Kompaktwagen, Permanentmagnet-Synchronmotor, 100 kW/136 PS, Frontantrieb, Einstufengetriebe. 50-kWh-Lithium-Ionen-Akku, Ladedauer (11 kW) 5 h 15 min, Schnellladung (100 kW, 80%) 30 min.
Verbrauch (komb.) 16,8 kWh/100 km, elektrische Reichweite lt. WLTP 337 km.
Preis: ab 29.999 Euro (Testwagen 32.189 Euro), vor Abzug der Förderung von 5400 Euro.

Was gefällt:
Die vermutlich unkomplizierteste Art, ein modernes Elektroauto zu fahren.

Was weniger gefällt:
Die Sprunghaftigkeit der Anzeige der Restreichweite - und das ungute Gefühl dadurch.

Was überrascht:
Wie wenig der elektrische Corsa von seinen Verbrennergenen eingeschränkt wird.

Perfekt für:
Familien auf der Suche nach einem tadellosen Zweitwagen mit Schnellladefunktion.


Spritzig unterwegs, aber nicht weit

Ich habe erst seit drei Jahren ein Auto und bin davor lang nicht gefahren. Dementsprechend misstrauisch bin ich gegenüber jedem fremden Gefährt, in das ich steige. Als mir mein Kollege Florian Mrazek den Opel Corsa zum Testen anbot, musste ich daher überlegen - als ich ihn jedoch sah, relativ klein und schnittig, in einer, wie ich finde, erfrischenden Farbe, habe ich mich dafür entschieden. Auch war ich neugierig darauf, ein Elektroauto auszuprobieren. "Die Bedienung ist babyeierleicht", beruhigte mich eine Kollegin, die das Auto vor mir getestet hatte, und sie hatte recht. Ich stieg ein - und fühlte mich sofort wohl. Auf dem modernen Farbdisplay suchte ich mir meinen Lieblingsradiokanal heraus, startete das Auto und fuhr los. Dann die große Überraschung. Aus irgendeinem Grund hatte ich erwartet, dass ein Elektroauto wohl eher langsamer in die Gänge kommt und sich generell etwas gemächlicher voranbewegt. Doch das Auto hat richtig Wumms! Es fiel regelrecht schwer, sich an Tempolimits zu halten (was ich natürlich trotzdem getan habe), so stark zog das Auto und es breitete sich ein richtiges Fahrvergnügen in mir aus. Einziges Manko, das leider erheblich ist: Sehr weit kommt man mit dem Auto noch nicht und auf die Angabe auf dem Display, für wie viele Kilometer der Strom noch reicht, kann man sich leider nicht verlassen.
Autorin: Christine Gnahn

Ein flexibles Stadtauto

Der erste Eindruck war ein voller Erfolg: endlich einmal ein Auto in Orange und nicht in den derzeit so beliebten Farben wie Weiß, Mausgrau, Mittelgrau, Asphaltgrau oder Schwarz. Doch, das Dach ist schwarz, aber in diesem Fall eine elegante Ergänzung. Dass es ein E-Auto ist, liegt im Trend der Zeit, dass manche Hersteller da noch Aufholbedarf haben, ist leider auch evident. Denn so zügig und bequem das Auto auch ist, es hat ein Problem: die Reichweite. Deshalb ist der Corsa auch in erster Linie als Stadtauto zu gebrauchen, wenn man eine Ladestation zu Hause hat. Denn die angezeigte Reichweite rasselt gleich nach wenigen Kilometern deutlich nach unten. Angeblich berechnet das ein Algorithmus nach der Fahrweise und den Fahrdaten der bisherigen Kilometer. Wechseln häufig Fahrer und Strecken, wird es schwierig. Deshalb ein Blick auf die Ladekontrolle und da zeigt sich: 120 km Strecke, zum Großteil auf der Autobahn, lassen die Anzeige fast auf ein Viertel fallen. Wer von Salzburg nach Linz möchte, fährt immer mit der Angst im Nacken, dass sich das vielleicht nicht ausgeht, zumal in der kalten Jahreszeit. Und dort müssen sofort eine freie Ladesäule und viel Zeit her, damit man genügend Ladung für die Rückfahrt hat. Ruhigen Gewissens eine Strecke von nur 200 km fahren zu können verdirbt leider die Freude an dem ansonsten so freundlichen Corsa.
Autor: Bernhard Schreglmann

Einsteigen, starten, losfahren

Ein Lob gleich vorweg: Dieser E-Corsa ist tatsächlich ein Musterbeispiel an Benutzerfreundlichkeit. Selbst für Neueinsteiger im Feld der E-Mobilität erweist sich der "Erstkontakt" hier erstaunlich niederschwellig. Soll heißen: Man steigt in das Auto ein, startet und fährt los, ohne komplizierte Bedienungsanleitungen wälzen zu müssen. Das einfache Handling und der Verzicht auf (unnötige) Features tun dem Fahrspaß bei diesem Auto keinen Abbruch - im Gegenteil. Der E-Corsa kann aber auch überzeugen, was seine Qualitäten "unter der Haube" betrifft. Er beschleunigt kraftvoll, hat eine gute Straßenlage und erweist sich auch bergauf als echter kleiner Powerflitzer. Das Fahrgefühl unterscheidet sich dabei nicht groß von dem eines "normal" betriebenen Autos: Wüsste man nicht, dass man elektrisch fährt, würde man das vermutlich nicht einmal bemerken. Insofern bietet der Corsa wahrscheinlich eine ideale Option für E-Neulinge, die nicht auf Gewöhntes verzichten wollen.
Einziges Bedenken: Es lohnt sich, den Kilometer- bzw. Ladestand im Blick zu behalten, der während der Fahrt oft schwankt. Vor längeren Fahrten ist es deshalb ratsam, sich schon vorab nach (Schnell-)Ladestationen entlang der Route zu erkundigen. Fazit dennoch: ein praktisches, geräumiges, leicht bedienbares E-Auto, das viel zu bieten hat und Spaß macht!
Autorin: Kathrin Hagn

Das (fast) perfekte Elektro-Zweitauto

Zugegeben, der SN-Fuhrpark hat gewiss schon aufregendere Autos gesehen als diesen Opel Corsa, dessen auffälligstes Merkmal ohne Zweifel die grelle Außenfarbe ist. Doch gerade dieser Biedermeier-Appeal ist es, was den Corsa unter den rein elektrischen Neufahrzeugen zu einer Ausnahmeerscheinung macht. Zur korrekten Einordnung: Wie seine engere Verwandtschaft, darunter die Peugeot- und Nutzfahrzeug-Modelle mit identem Antriebsstrang, zählt der Corsa zu jenen E-Autos, die sowohl elektrisch als auch mit Verbrennungsmotor zu haben sind. Mit dieser Strategie fahren verschiedene Hersteller ganz gut, wobei die konstruktionsbedingten Nachteile (weniger Platz für Insassen und Gepäck, oft auch Kompromisse bei der Reichweite) mal mehr, mal weniger gravierend sind.
Im konkreten Fall des Corsa-e ist Opel ein überraschend guter Mittelweg gelungen. Die Abstriche beim Platzangebot werden durch die supersimple Bedienung mehr als wettgemacht. Dass sich das Armaturenbrett des Corsa im Grunde genommen nur durch die kWh-Anzeige vom Verbrennerbruder unterscheidet, ist ebenso angenehm wie die Tatsache, dass die Windschutzscheibe noch bedeutend größer ist als der mittige Touchscreen. Zum Reichweitenwunder wird der Corsa nur im Ecomodus, der die Leistung auf magere 82 PS reduziert.
Autor: Florian T. Mrazek

Aufgerufen am 04.12.2022 um 04:56 auf https://motor.sn.at/autotest/der-opel-corsa-e-im-langzeittest-119145463

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