Autotest

Einmal Wien mit Kaffeepause, bitte!

Das E-Auto ist vor allem eine Kopfsache. Das sagen alle, die ein E-Auto fahren. Und sie haben recht.

Beide sind bereits Klassiker, und beide haben längst ihren Freundeskreis gefunden: der Nissan Leaf und der BMW i3 haben sich auf dem Markt der elektrischen Mobilität einen Stammplatz gesichert. Im SN-Test sind jeweils die neuesten, batterietechnisch aufgebesserten Modellversionen angetreten.

Übereinstimmend erwies sich bei beiden Autos die hohe Alltagstauglichkeit für die Distanzen, die wir in der Regel fahren. So war mit dem Nissan Leaf ohne Weiteres ein mobiles Wochenende in und rund um Salzburg zu bewältigen: am Freitag 30 km hinaus aus der Stadt und wieder zurück, am Samstag die übliche Einkaufstour im Salzburger Speckgürtel sowie nach Bad Reichenhall und wieder zurück, am Sonntag ein paar Freunde in Stadtnähe besuchen und wieder zurück. Letztendlich war am Montag noch immer Strom für 50 Kilometer an Bord. Mehr als genug, um in die Arbeit zu fahren und bei einer SN-Ladestation anzustecken.

Zu beachten ist dabei, dass der neue Leaf an der gängigen Wallbox durchaus einmal 15 Stunden Ladezeit für eine Vollladung anzeigen kann, aber bereits nach fünf Stunden sind 50 Prozent erreicht. Viel rasanter geht das naturgemäß an einer Schnellladestation. Die wurde auf der Fahrt von Salzburg nach Wien in St. Valentin getestet. Da waren um 9.30 Uhr noch 32 Prozent Batteriekapazität für 88 Kilometer an Bord. Um 10 Uhr waren es 80 Prozent mit 212 km Reichweite. Das ging fast schneller als eine Kaffeepause.

Den Psycho-Test - "ich will mit einem E-Auto problemlos nach Wien kommen" - hatte der Leaf damit bestanden. Grundsätzlich ist dabei zu beachten, dass die Reichweite auf der Autobahn ab 110 km/h deutlich schrumpft. In dieser Hinsicht hat sich das Menü für das Energiemanagement beim BMW i3 als perfektes Tool erwiesen. Das hat sich gezeigt, sobald statt einer üblichen Stadt- oder Umlandroute die geplante Fahrt nach Melk in das Navi eingegeben wurde. Der i3 hat sofort die damit gegebene kürzere Reichweite angezeigt und selbstverständlich auch eine passende Ladestation an der Autobahn empfohlen. Mit diesem BMW-Menü ist die Angst des unerfahrenen E-Auto-Fahrers ("Sie werden Ihr Ziel möglicherweise nicht erreichen") wie weggeblasen.

Und wie das so ist beim E-Auto-Fahren, kommt man an den Ladestellen mit "Kollegen" ins Gespräch. Die fragten zuerst, ob das der neue Nissan Leaf sei, und meinten dann übereinstimmend: "Der schaut ja schon wie ein richtiges Auto aus." Tatsächlich war das auch die mehrwöchige Erfahrung, dass dieses E-Auto den gewohnten Gebrauchswert eines Mittelklasse-Pkw mit akzeptablem Kofferraum hat. Inklusive eines auch auf der Autobahn passablen Geräuschpegels.

So viel Fassungsvermögen hat der kleine i3 naturgemäß nicht, und auch die Reichweite ist geringer. Der i3 besticht aber durch seine BMW-typische spritzige Gangart und erfreut Fahrerin oder Fahrer schlichtweg damit, dass alle Menüs - wie das erwähnte Navi - intuitiv super zu handhaben sind.

Aufgerufen am 25.09.2018 um 12:49 auf https://motor.sn.at/autotest/einmal-wien-mit-kaffeepause-bitte-31725319

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