Autotest

Im SN-Test: Der Mister 800 Volt Hyundai Ioniq 5

Hyundais Elektro-Speerspitze im Test. Der Ioniq 5 ist eine beeindruckende Kampfansage an das Volkswagen-Imperium.

Technologieträger und Design-Aushängeschild: der Hyundai Ioniq 5. SN/mrazek
Technologieträger und Design-Aushängeschild: der Hyundai Ioniq 5.

Was lange währt, wird endlich gut. Vom ersten Kennenlernen samt Probesitzen im Ioniq 5 von Hyundai bis zur Premierenausfahrt dauerte es über ein Jahr. Terminprobleme und die Unwägbarkeiten der Coronapandemie spülten den feschen Koreaner erst mit reichlicher Verspätung in den Test-Fuhrpark der "Salzburger Nachrichten". Im Juli war es nun endlich so weit, und prompt reduzierte eine nicht eingeplante Coronaquarantäne die langersehnten Testkilometer zwangsläufig auf ein Minimum. Immerhin, für einen repräsentativen Eindruck aus dem Fahralltag reichten die abgespulten Kilometer allemal, schließlich hält der große Elektro-Hyundai mit seinen vielen Vorzügen nicht hinterm Berg.

Gewaltige Dimensionen beim Ioniq 5

Der erste Eindruck ist gleichzeitig auch der nachhaltigste: Auf den ersten Blick erinnert die Grundform des Ioniq 5 ein wenig an die ikonischen Proportionen des Lancia Delta Integrale aus den 1980er-Jahren. Bei genauerem Hinsehen wird aber schnell das Geburtsjahr des kantigen Fünftürers offensichtlich. Nicht zuletzt weil der Koreaner mit seiner vergleichsweise gewaltigen Dimension (Länge: 4,6 Meter, Höhe: 1,6 Meter) ganz eindeutig der gerade durchstartenden Elektro-Ära zuzuordnen ist. Im echten Leben wirkt der Fünfer viel größer als auf den Fotos, der vergleichsweise enorme Radstand von genau drei Metern lässt sogar den artverwandten Kia EV6 hinter sich. Verstärkt wird dieser Eindruck von den riesigen, weit öffnenden Türen. Fest steht: Das Design des ersten Ioniq-Modells fällt auf und polarisiert, wobei die positiven Rückmeldungen bei Weitem überwiegen.

Spannend geht es auch im Innenraum des Ioniq 5 zu

Die flach im Fahrzeugboden verbauten Akkus ermöglichen eine plane Ebene, die im Zusammenspiel mit dem großen Panoramadach für ein erstaunliches Raumgefühl sorgt. Dazu kommen clevere Details wie etwa die besonders schlanken Vordersitzlehnen, welche die Beinfreiheit in der zweiten Sitzreihe spürbar erweitern. Überhaupt hat man sich bei Hyundai ganz dem Benutzerkomfort verschrieben. Ein Hinweis darauf sind auch die vorderen Sitze, die sich auf Wunsch besonders zurückstellen lassen. Dadurch entsteht je nach Einstellung eine Art Business-Lounge für den Laptop oder gar eine Liege, die zu einer kurzen Entspannungspause einlädt. Angesichts derartiger Raumspielereien wirkt das Kofferraumvolumen von standardmäßig 531 Litern verhältnismäßig bescheiden. Immerhin: Klappt man die hinteren Sitze um, so wächst der nutzbare Raum auf bis zu 1591 Liter.

Ioniq 5 sammelt Pluspunkte mit 800-Volt-Technologie

Jede Menge Punkte sammelt der Hyundai Ioniq aber vor allem dank seiner hochmodernen 800-Volt-Technologie. Neben Hyundai und der Konzernschwester Kia kann aktuell lediglich die deutsche Nobelkonkurrenz von Porsche und Audi darauf zurückgreifen. Möglich macht das eine Minderheitsbeteiligung des koreanischen Herstellers bei den kroatischen Elektro-Spezialisten von Rimac, wo das 800-Volt-Bordnetz ursprünglich entwickelt wurde, das so ähnlich auch im Porsche Taycan zum Einsatz kommt. Wer die Preise kennt, die man in Zuffenhausen für den fortschrittlichen Elektro-Sportler verlangt, kann in etwa die Vorleistung einschätzen, die man bei Hyundai eingeht, indem man die teure 800-Technik erstmals in einem potenziellen Großserienmodell unterbringt. Noch dazu, weil der mit Abstand größte Vorteil, nämlich die enorme Ladeleistung von bis zu 350 (!) Kilowatt, mangels kompatibler Schnelllader hierzulande nur bedingt spürbar wird. In der Theorie könnte der Ioniq 5 in gerade einmal 17 Minuten auf 80 Prozent vollgeladen werden.

Technische Highlights beim Ioniq 5

Bis die Ladeinfrastruktur auf das hohe Niveau des Ioniq 5 nachzieht, kann man sich an den vielen anderen Technik-Highlights des Ioniq 5 erfreuen. Da wäre beispielsweise der formidable "Autobahnassistent 2", der mithilfe von Frontkamera- und Radarsensoren sowie Navi-Daten die Geschwindigkeit und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug annähernd perfekt überwacht. Auch den selbstständigen Spurwechsel beherrscht das System klaglos. Eine Vorreiterrolle hat Hyundai auch bei der sogenannten "Vehicle to Load"-Funktion (V2L) inne: Mittels Stromanschlüssen unter den hinteren Sitzen und eines Ladeanschlusses an der Fahrzeugaußenseite können beispielsweise E-Bikes mit einer Leistung von bis zu 3,6 kW mit dem Akku des Ioniq 5 geladen werden.

IM TEST



Hyundai Ioniq 5


Zwei E-Motoren, Systemleistung 225 kW/305 PS, einstufiges Getriebe, Allrad. Akku mit 72,6 kWh, max. Reichweite 481 km, Verbrauch 17,7 kWh/km lt. WLTP, im Test: 19,2 kWh/km. Ladedauer: 6 h 30 min (10,5 kW Typ 2, 3-phasig), 17 min (350 kW Gleichstrom, 80%). Preis: ab 55.590 Euro, Testfahrzeug: 59.810 Euro.

Was gefällt:
Die Alleinstellung beim Design und der Mut, das 800-Volt-Thema durchzuziehen.

Was weniger gefällt:
Der kleine Kofferraum und die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis beim Schnellladen.

Was überrascht:
Die schiere Größe innen wie außen.

Perfekt für:
Alle, die eine Alternative zu VW ID.4, Škoda Enyaq oder auch Kia EV6 suchen.

Aufgerufen am 02.10.2022 um 11:39 auf https://motor.sn.at/autotest/im-sn-test-der-mister-800-volt-hyundai-ioniq-5-126299665

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