Autotest

Im SN-Test: Hyundais Überraschungsei

Noch ein SUV des koreanischen Herstellers. Der Bayon mit sehr kompakten Maßen vereint extravagantes Design mit hohem Nutzwert.

Verlässliche Technik, spannende Optik: der Hyundai Bayon. SN/behr
Verlässliche Technik, spannende Optik: der Hyundai Bayon.

Ein guter Kamerad auf vier Rädern soll mithelfen, den Alltag zu meistern. Er muss für unterschiedliche Transportaufgaben gerüstet sein. Er darf - und das ist oft entscheidend für die Auswahl - den Budgetrahmen nicht überschreiten. Das Design ist in diesen Sphären nicht so wichtig. Warum eigentlich? Das haben sich kluge Köpfe im Hause Hyundai gedacht. Im SUV-Sektor, wo viele gute Kameraden unterwegs sind, ist Hyundai mit praktischen Allroundern gut aufgestellt. Warum also nicht ein Extra anbieten, eine Art Überraschungsei? Ein kleines, feines, denn mächtige SUV erzeugen Gegenwind in Teilen der Gesellschaft.

Der Bayon ist ein Original

Das Ergebnis ist 4,1 Meter lang, 1,5 Meter hoch, heißt Bayon und rangiert knapp unterhalb des Kona. Technisch ist der Bayon mit dem bewährten und beliebten i20 verwandt und seine Hülle ahmt kein Vorbild nach. Sie ist ein Original. Besonders gut rückt die als Extra angebotene Zweifarblackierung den neuartigen Mix aus sanften Rundungen und scharfen Kanten ins Blickfeld. Das Auge bekommt viel zu tun. Schmale Schlitze ganz oben in der Frontpartie - wer hätte gedacht, dass ein LED-Tagfahrlicht in dieser Lage so pfiffig ausschaut? Nach dem Modellieren der Front hat sich der Mut nicht verflüchtigt. Das bewusst gewählte Anderssein setzt sich bis zum Heck fort. Schön? Hässlich? Es wird beide Meinungen geben. Wir erlauben uns jedenfalls, dem Bayon-Auftritt neun von zehn möglichen Glanzpunkten zu vergeben. Dass die Armaturen nicht nur nach i20 ausschauen, sondern nahezu übernommen wurden, ist kein Bruch in der Linie. Cockpit, Lenkrad und die gesamte Anmutung passen auch zur Hülle des Bayon. Erfreulich: Es gibt viele Tasten als Ergänzung zum einfach bedienbaren Touchscreen, der mit seiner Dimension die Umgebung nicht erschlägt. Wer zum ersten Mal am Steuer des Bayon sitzt, kommt sofort zurecht. Zudem leistet die Spracherkennung brave Arbeit.

Ein guter Kamerad räubert nicht über die Pisten, sondern bietet gepflegtes Vorankommen. Die 100 PS des aufgeladenen Dreizylinder-Benziners reichen völlig für unser Straßennetz mit Tempolimits und lauernden Kameras. Das Fahrwerk würde mehr Power locker vertragen, aber wozu? Der Bayon zieht souverän seine Bahn. Als Lifestyle-SUV zieht es ihn nicht ins Gelände, ein Allradantrieb wäre ohnehin nicht erhältlich. Mit dem Verbrauch von sechs Litern Super im Schnitt entkräftet der Bayon Vorurteile gegen seine Wagenklasse. Das Zugeständnis an die kompakte Bauweise: Die Sitze sind eng geschnitten und in Reihe zwei darf sich niemand einen Langstreckenkomfort erwarten.

IM TEST



Hyundai Bayon 1,0 T-GDI


Ultra-Kompakt-SUV, Dreizylinder-Turbobenziner 74 kW/100 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe, Verbrauch und Emission (WLTP): 5,4 Liter/100 km, 122 g/km CO2, Test: rund 6 Liter, Preis: 24.690 Euro.

Was gefällt:
Der Mut zu auffälligem Design in einem Segment, in dem das nicht erwartet wird.

Was weniger gefällt:
In Sitzreihe zwei geht es für SUV-Verhältnisse doch eng zu.

Was überrascht:
Das souveräne Fahrgefühl bei wenig mehr als vier Metern Länge.

Perfekt für:
Leute, die gut damit leben können, wenn sie auf ihr Auto angesprochen werden.

Aufgerufen am 09.08.2022 um 06:31 auf https://motor.sn.at/autotest/im-sn-test-hyundais-ueberraschungsei-115627036

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