Autotest

Nahe am Renneinsatz: der Hyundai Kona N

Hyundai lotet mit dem Kona N Grenzen aus. Der Muskelprotz zeigt aber auch Qualitäten im Alltag.

Wolf im SUV-Pelz: der Kona N, das „Hot-SUV“ von Hyundai. SN/behr
Wolf im SUV-Pelz: der Kona N, das „Hot-SUV“ von Hyundai.

Auf Überraschungen waren wir gefasst. Das Datenblatt des Hyundai Kona N ist voll mit Eintragungen, die Zweifel aufkommen lassen. Diese Rakete auf vier Rädern soll ein kompaktes SUV sein? Deshalb das größte Aha-Erlebnis vorweg: Ja, es ist ein SUV mit all den praktischen Vorzügen dieser Fahrzeugklasse. Fünf Türen, klappbare Sitze, Ladevolumen bis 1143 Liter, knapp 1,60 Meter Wagenhöhe - damit lassen sich viele Aufgaben lösen. In unserem Fall war es der Transport einer Musikanlage mit Keyboard für eine Hochzeitsfeier. Das zweite Aha: Ein technisch wie optisch auf Sport getrimmtes Fahrzeug muss nicht die Bandscheiben quälen. Die Sitze verdienen einen dicken Einser.

Dies sind aber nur angenehme Nebeneffekte. Logistiker und Freunde gepflegten Komforts gehören eher nicht zur Zielgruppe des Hyundai Kona mit Zusatz N. Diesen Buchstaben für geschärfte Hyundai-Modelle erklärt der Hersteller so: N steht für das Entwicklungszentrum im südkoreanischen Namyang, aber auch für den Nürburgring, auf dem die Autos ihren Feinschliff erhalten. Was im Vierzylinder-Turbo mit 280 PS und im Fahrwerk mit den vielen elektronischen Raffinessen wirklich steckt, lässt sich auf der rund 20 Kilometer langen Rennstrecke in der Eifel sicher am besten ausloten. Oder auf einer Rallye-Sonderprüfung. "Hot-SUV" nennt Hyundai den Kona N. Für alle Fälle wird auf Wunsch die exakte Motortemperatur angezeigt und ein Runden-Timer ist ebenso abrufbar. Diese Messgeräte haben wir nicht gebraucht. Unsere Konzentration galt den Tempolimits. Immerhin ist es möglich, in 5,5 Sekunden die 100 km/h zu erreichen. Schon im Basismodus fehlt eigentlich nichts für flottes Vorwärtskommen. Aber mit Drücken auf eine in das Lenkrad eingearbeitete Taste mit einer (was sonst) N-Gravur geht ein Ruck durch den Kona. In der Anzeige für Tempo, Drehzahl etc. wird es grellbunt. Der Motor reagiert giftig auf jede Pedalbewegung. Das Fahrwerk wird straffer. Der Sound intensiver.

Die Elektronik erweitert die Grenzen der Physik. Sie verteilt die Kräfte so, dass der Fronttriebler mit elektronischem Sperrdifferenzial eisern seine Spur hält. Auch auf engen Kurven abseits der Steirischen Weinstraße. Ebenso beeindruckend: Die Bremsen packen so zu, wie es die knallroten Sättel erahnen lassen. Diverse Modi für unterschiedliche Straßenverhältnisse sind wählbar. Es ist anzunehmen, dass der Kona N auch mit Nässe, von der wir verschont geblieben sind, gut umgehen kann. Oder mit einer Schneefahrbahn. Auf YouTube sind vielversprechende Videos zu sehen. Es gibt eine Reihe weiterer Abstimmungsmöglichkeiten für ein individuelles Set-up - aber alles wird beim Drücken eines roten Knopfs in den Schatten gestellt. Dieser Knopf ebenfalls innerhalb des Lenkradkranzes trägt die Bezeichnung NGS für N Grin Shift. Das Wort Grin steht tatsächlich für einen Wechsel in einen Grinse-Modus nach dem Motto: Ha, das kann ich auch noch. Mit Knopfdruck macht der Motor für zwanzig Sekunden weitere zehn PS locker und das Getriebe mit acht Gängen und Doppelkupplung schaltet noch präziser. Der Sound nähert sich dem Krawall. Das ist Boosten wie im Motorsport.

Bei diesen Spielereien rutscht der Verbrauch öfter ins Zweistellige. Alles hat seinen Preis.

NEUVORSTELLUNG




Hyundai Kona N
Kompakt-"Hot-SUV", 2,0-l-Benzinmotor (206 kW/280 PS), Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, L/B/H 4215/1800/1550 mm, Verbrauch (WLTP) 8,5 l, CO2: 194 g/km, im Test gelegentlich 11,5 l und darüber. Preis 46.390 Euro.

Was gefällt:
Die geballte Ladung Sport verträgt sich mit dem gebotenen Komfort an Bord.

Was weniger gefällt:
Die Abstimmung der Sprachsteuerung mit dem Innengeräuschpegel ist mangelhaft. Meist tönt es: "Habe Sie nicht verstanden, schließen Sie die Fenster."

Was überrascht:
Dass die Zuordnung als SUV (Sport Utility Vehicle), also als "Sport- und Nutzfahrzeug", im vollen Umfang des Begriffs gerechtfertigt ist.

Perfekt für:
Leute, die Fahrspaß-Auskosten nicht mit rücksichtslosem Dahinbrettern verwechseln.

Aufgerufen am 04.12.2022 um 03:09 auf https://motor.sn.at/autotest/nahe-am-renneinsatz-der-hyundai-kona-n-129481045

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