Autotest

Segeln für Fortgeschrittene mit dem Kia Sportage

Der neue Kia Sportage zieht mit seinem spektakulären Design die Blicke auf sich. Auch der Antrieb überzeugt.

Der neue Kia Sportage mit Diesel-Mikrohybrid verbraucht im Schnitt nur 6,3 Liter. SN/mrazek
Der neue Kia Sportage mit Diesel-Mikrohybrid verbraucht im Schnitt nur 6,3 Liter.

Wer mit einem Auto daherkommt, das - gelinde gesagt - so futuristisch gestaltet ist wie der neue Kia Sportage, der muss sich nicht wundern, dass ein Großteil der Mitmenschen auf ein E-Auto tippt. Tatsächlich wirkt der Sportage der jüngsten Generation mit seinem LED-Tagfahrlicht in Bumerangform und den ebenfalls messerscharf gezeichneten Heckleuchten ein wenig wie aus einem Science-Fiction-Streifen. Mit dem Sportage hat man bei Kia begonnen, das geradezu avantgardistische Design des vollelektrischen EV6 nach und nach auch bei den konventionell angetriebenen Modellreihen zu übernehmen.

Wobei: Ganz so konventionell ist der Antrieb des Sportage nicht. Ganz im Gegenteil - bei der von uns getesteten Variante kommt es sogar zum äußerst seltenen Zusammentreffen eines Selbstzünders mit modernster Hybrid-Technik. Im Gegensatz zum ebenfalls verfügbaren Plug-in-Hybrid beschränkt sich der elektrifizierte Anteil in diesem Fall jedoch auf einen nur 0,437 kWh großen Akku sowie ein gerade einmal 12 Kilowatt starkes Elektromotörchen. Die Aufgabe dieser Mild-Hybrid-Komponente besteht schließlich nicht darin, den 1,7 Tonnen schweren Sportage in Bewegung zu setzen. Vielmehr soll diese Minimal-Elektrifizierung dabei helfen, Sprit zu sparen. In der Praxis braucht es dafür noch das intelligente Sechsgang-Schaltgetriebe, mit dessen Hilfe der Kia in den passenden Fahrsituationen in den sogenannten Segelmodus wechselt. Im besten Fall spüren die Insassen davon so gut wie nichts.

Auf unserer Urlaubsfahrt nach Kroatien und zurück fand der Sportage ausreichend Gelegenheiten zum sparsamen Segeln. Das Resultat war ein Durchschnittsverbrauch von gerade einmal 6,3 Litern Diesel. Ein mehr als passabler Wert, vor allem, wenn man die ressourcenschonende Bauweise mit einpreist. Ein angepasster Fahrstil vorausgesetzt, stellt eine derartige Minimal-Elektrifizierung zumindest eine echte Alternative zu Plug-in-Hybriden dar, deren Akkus auf der Langstrecke meist bereits nach wenigen Kilometern geleert sind. Mangels Schnellladefunktion bleibt der leere Akku auf der verbleibenden Strecke meist ungeladen, was angesichts der oft zu klein dimensionierten Kraftstofftanks doppelt sinnbefreit ist.

Doch zurück zum Sportage: Der trägt seit jeher ja die Sportlichkeit im Namen. Mit dem 136 PS starken Selbstzünder fühlt man sich zwar nicht übermotorisiert. Ernsthafte Mangelerscheinungen treten dank des kräftigen Drehmoments jedoch keinesfalls auf. Gewöhnungsbedürftig ist höchstens die Sechsgang-Schaltung. Beim entspannten Stop-and-go-Verkehr durch die kroatischen Küstenorte gelang es dem SN-Tester tatsächlich, den Motor bei gefühlt jeder zweiten Ampel abzuwürgen. So richtig peinlich wird es dann aber, wenn man in der Not versucht, den Motor per Knopfdruck schnellstmöglich wiederzubeleben: Dann arbeitet man nämlich der Start-Stopp-Automatik entgegen, die dieses Ziel ebenfalls verfolgt. Im schlimmsten Fall steht man dann eine ganze Ampelphase lang wie ein blutiger Fahranfänger mitten auf einer Kreuzung und kämpft fluchend mit der Elektronik. Immerhin: Nach dem gefühlt fünften Vorfall dieser Art hat man es sich schließlich gemerkt, dass Kupplung und erster Gang des Sportage deutlich mehr Drehzahl brauchen als gedacht. Vielleicht wäre das optionale Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe die bessere Wahl gewesen.

Für Denkfaule hält der Kia Sportage auch im ansonsten untadeligen und verblüffend geräumigen Innenraum eine kleine Falle bereit: Auf dem multifunktionalen Display in der Mitte des Cockpits ist der Lautstärkenregler gleichzeitig auch der Regler für die Temperatureinstellung der Klimaanlage. Gewechselt wird die Funktion mittels kleinen Pfeils. Wer das nicht checkt, wundert sich eine Zeit lang, warum das Radio nicht lauter, die Temperatur aber immer wärmer wird.

IM TEST



Kia Sportage 1.6 CRDi AWD
Fünfsitziges Kompakt-SUV, Vierzylinder-Diesel mit 48-Volt-Mildhybrid, 100 kW/136 PS, 6-Gang-Getriebe, Allrad. Verbrauch (WLTP) 5,3 - 5,7 l./100 km, 138-150 g CO2/km, im Test: 6,3 l., Preis: 47.790 Euro.

Was gefällt:
Die smarte Kombination aus Diesel und Minimal-Hybrid. Ergibt absolut Sinn.

Was weniger gefällt:
Dass der SN-Tester nicht clever genug ist für das intelligente Schaltgetriebe.

Was überrascht:
Das überdurchschnittliche Platzangebot auf den hinteren Sitzen.

Perfekt für:
Hobbysegler und Technik-Feinspitze.

Aufgerufen am 09.02.2023 um 10:26 auf https://motor.sn.at/autotest/segeln-fuer-fortgeschrittene-mit-dem-kia-sportage-132013261

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