Motorrad

Als der hellste Motorradstern erlosch

Vor 45 Jahren verunglückte der Finne Jarno Saarinen tödlich. Zwei Wochen zuvor war er auf dem Salzburgring zwei Mal gefeiert worden.

Die Nachrichten am 20. Mai 1973 aus Monza schockierten die Motorsportwelt genauso wie drei Jahre zuvor, als Jochen Rindt im Königlichen Park starb. In der ersten Runde des 250-ccm-Rennens zum Großen Preis der Nationen verunglückten Jarno Saarinen und Renzo Pasolini tödlich, zwölf weitere Piloten wurden in der Folge verletzt. Der Massenunfall, der den Renntag beendete, löste eine enorme Sicherheitsdiskussion aus.

Der an zweiter Position fahrende Italiener verlor in der Curva Grande die Herrschaft über seine Maschine und prallte in die Leitschienen. Der Harley-Pilot war auf der Stelle tot. Die zurückschleudernde Maschine traf Saarinen auf dem Kopf, fing Feuer und setzte Streckenteile und Strohballen in Brand. Als Ursache für Pasolinis Sturz wurde offiziell ein Fahrfehler angegeben, was rundum bezweifelt wurde - tatsächlich dürfte ein Kolbenreiber schuld gewesen sein, auch war die Strecke nach einem Ölverlust von Walter Villas Benelli im vorherigen 350-ccm-Lauf nicht genügend gereinigt worden.

Während Pasolini, damals 34, schon über sein Karriereende nachdachte, war der 27-jährige Saarinen bereits der neue Star im Motorradsport - und wurde nicht nur in Italien als neuer Agostini gesehen.

Saarinens Karriere begann mit einer Beziehung zu Österreich: Während seines Ingenieursstudiums an der Technischen Hochschule in Turku fuhr er auf Puch Eisspeedway, aber auch Straßenrennen. In seinem ersten 125-ccm-Grand-Prix in Imatra wurde er auf Puch 1968 Elfter. Bis in seine erste WM-Saison 1970 war Saarinen auch sein eigener Mechaniker. Die Karriere konnte der schlitzohrige Finne nur fortsetzen, weil er von drei Bankmanagern unterstützt wurde, denen er glaubhaft machte, in seine Ausbildung zu investieren. Was auch teilweise stimmte, da er die letzten drei Saisonrennen ausließ, um sein Technikstudium abzuschließen.

Seine ersten GP-Siege 1971 auf einer privaten Yamaha, verbunden mit dem dritten WM-Rang bis 250 ccm und dem Vizetitel in der 350-ccm-Klasse, brachten ihm einen Werkvertrag bei Yamaha für 1972. Saarinen wurde 1972 Viertelliter-Weltmeister - nach einem harten Kampf ausgerechnet mit Pasolini und Rodney Gould. In der 350er-Klasse forderte er Dauerchampion Giacomo Agostini mit drei Siegen heraus und wurde am Ende Zweiter - seine Form veranlasste MV Agusta, für "Ago nazionale" ein neues Motorrad zu bauen. Als Saarinen vor der WM 1973 für Benelli testete, reagierte Yamaha mit einem Werkvertrag für die 250er- und 500er-WM.

Jarno Saarinen feierte in den ersten drei WM-Läufen fünf Siege: Die Doppel in Le Castellet und auf dem Salzburgring, die Viertelliterklasse in Hockenheim. Die SN titelten am 3. Mai 1973: "Zweikampf Agostini - Saarinen prägt WM-Lauf". Im Freitag-Training pulverisierte der Finne Agostinis Runderekord auf dem Salzburgring mit 185,4 km/h Schnitt. Und nach seinem Doppelsieg bei Nieselregen vor 30.000 Zuschauern schrieben die "Nervosität bei MV Agusta - die jahrelange Siegesserie geht zu Ende."

In Monza war Saarinen Topfavorit.

Es dauerte 44 Jahre, bis in seiner Heimatstadt Turku eine Statue im Barker Park enthüllt wurde - am 2. Juli 2017. Der finnische Motorsportjournalist Heikki Kulta erzählt dazu: "Die Stadtbehörde hielt nichts vom Angebot des italienischen Saarinen-Clubs aus Petrignano di Assisi, diese Statue aufzustellen. Unsere Zeitung ("Turun Sanomat", Anm.) wurde von Saarinens Witwe Soili ersucht, das Vorhaben zu unterstützen, was erfolgreich war."

In Turku und in Pesaro (beim Benelli-Werk) sind Straßen nach Saarinen benannt. Der Vater des späteren Formel-1-Piloten Jarno Trulli benannte seinen Sohn nach dem finnischen Idol. Und sogar der Salzburger Autor Wolf Haas verewigte Saarinens Namen und den Vornamen seiner Witwe im Roman "Das ewige Leben".

Bis heute ist Jarno Saarinen der einzige finnische Motorrad-Weltmeister. Wie Rupert Hollaus der einzige Österreicher mit einem WM-Titel in einer Soloklasse ist.

Auch das Leben des Traisners ging in Monza zu Ende - schon 1954.

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