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Volkswagen Motorsport: VW I.D.R. Pikes Peak fährt Rekord

Noch vor dem Serienstart der neuen Elektro-VW gelingt ein Paukenschlag. Romain Dumas und der I.D. R Pikes Peak polieren das VW-Image in den USA auf.

Es ist das zweitälteste Autorennen der USA, jenes "zu den Wolken", wie die Bergprüfung auf den Pikes Peak ("America's Mountain") heißt: Seit 1916 wurden 96 Auflagen ausgetragen, älter ist nur das Indy 500, das seit 1911 gefahren wird. Wer von 2800 Metern Höhe (Start) auf das Gipfelplateau in 4300 Metern kommen will, muss 20 Kilometer mit 156 Kurven, nur wenigen Leitplanken und vielen Gefahrenstellen überwinden. Der bisherige Rekord wurde 2013 von Rallye-König Sébastien Loeb im Spezial-Peugeot aufgestellt (8:13 Min.). Diesen zu schlagen war offiziell nicht das vorrangige Ziel der Mission von Volkswagen Motorsport.

Routinier Dumas bringt den VW-Prototyp I.D.R. Pikes Peak ins Ziel

"Wir wollen eine Bestleistung für E-Fahrzeuge aufstellen", lautete die Vorgabe von Sportchef Sven Smeets an seine Truppe und Pilot Romain Dumas im VW-Prototyp I.D. R Pikes Peak. Die Elektrobestmarke stand seit 2016 bei 8:57,118 Min.

"Na ja. Insgeheim haben wir schon - ideale, also trockene Bedingungen vorausgesetzt - ein wenig mit der Unterbietung von Loebs Rekord spekuliert", sollte nachher Technik-Konsulent Willi Rampf zugeben. Mit Dumas hatte VW einen Routinier geholt, der schon 2014, 2016 und 2017 siegte, den Berg und seine Tücken also kannte. Er hatte bei seinem Lauf auch Glück: "Im Sektor zwei war es feucht, Romain ging etwas vom Gas und fuhr gebremst weiter", berichtete Rampf. Der 40-jährige Franzose, Mehrfachsieger in Le Mans, auf dem Nürburgring und auch auf dem Pikes Peak, Langstrecken-Weltmeister 2016, wurde nach 7:57,148 Min. abgewinkt, 16 Sekunden unter Loebs Marke, mit 154 km/h Schnitt. "Gebremst", wohlgemerkt.

VW Motorsport und der neue Rekord auf dem Pikes Peak

Es war auch so Wahnsinn. Dumas: "Mit diesem Ergebnis haben wir unsere hohen Erwartungen noch übertroffen. Seit den Testfahrten in dieser Woche wussten wir, dass es möglich ist, den Allzeit-Rekord zu knacken. Dazu musste alles perfekt funktionieren - von der Technik bis zum Fahrer. Und das Wetter musste auch mitspielen. Dass alles so perfekt ineinandergreift, ist ein unglaubliches Gefühl, und der neue Rekord auf dem Pikes Peak ist das Tüpfelchen auf dem i. Der I.D. R Pikes Peak ist das beeindruckendste Auto, das ich je im Wettbewerb fuhr."

Was VW Motorsport leistete und in Colorado zeigte, war durchaus beachtlich: "Am 2. September 2017 präsentierten wir das Projekt dem Vorstand, der es absegnete. Wir hatten also neun Monate zur Umsetzung", erklärte Smeets. Im November ereilte den früheren BMW- und Sauber-Techniker Willi Rampf der Anruf, der ihn aus der Pension holte: "Das Projekt war so herausfordernd. Und ich konnte bei null beginnen. Da muss man zusagen." Nach dem Aero-Spezialisten wurde Ende Jänner Pilot Dumas verpflichtet, im April das Auto präsentiert. "Zum Testen hatten wir zwei Monate Zeit. Aber erst seit Kurzem hier vor Ort", sagte Smeets.

40 Mitarbeiter werkten für den Gipfelsturm, in Colorado waren 36 vor Ort. Hilfe kam auch von Spezialisten bei Porsche.
"Das Hauptkriterium war das Gewicht. Aber auch die richtige Temperatur der Batterien, die zwischen 30 und 70 Grad liegen soll, war eine Aufgabe", bestätigte Technik-Chef François-Xavier Demaison. 1100 Kilo bringt der 5,2 Meter lange I.D. R Pikes Peak samt Herrn Dumas auf die Waage. Die Leistung der zwei E-Motoren (für jede Achse einer) beträgt 500 kW (680 PS), 650 Newtonmeter sind abrufbar - das ergibt den Sprint auf 100 km/h in 2,25 Sekunden und 240 km/h Topspeed. Und ein eigenes Schnellladesystem kann die Vollladung in 20 Minuten schaffen - das war der Anspruch, weil das die Unterbrechungszeit nach einer Fahrzeugbergung bis zum Neustart ist. Normal wären es zweieinhalb Stunden. Während des Gipfelsturms werden beim Bremsen 20 Prozent der Gesamtenergie zurückgewonnen. Das Projekt Pikes Peak war die erste Zusammenarbeit von VW Motorsport und der für Sportfahrzeuge zuständigen R-Abteilung, die seit einem Jahr der frühere Porsche-, Sauber- und Ford-Mann Jost Capito leitet. Der bestätigt: "Auch in der Serie sind I.D.-R-Modelle geplant."

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